Aktionäre kritisieren Dividende
Verkehrte Welt auf der Telekom-HV

Telekom-Chef René Obermann hat sich auf der Hauptversammlung des Konzerns mit seiner Auslandsoffensive zum Vorreiter der Branche stilisiert. Obwohl das wenig überraschte, herrschte auf dem Aktionärstreffen in Köln am Donnerstag verkehrte Welt: Gleich drei Aktionärsvertreter beschwerten sich beim Konzernvorstand über die Dividende - sie war Ihnen zu hoch.

KÖLN. Die Deutsche Telekom hat der Hauptversammlung eine Ausschüttung von 78 Cent je Aktie vorgeschlagen, das entspricht dem Sechsfachen des Nettogewinns. "Das ist nicht gut", sagte Lars Labryga von der Schutzvereinigung der Kapitalanleger, weil es "ein gewisses Täuschungsmanöver" berge Geld auszuschütten, das man gar nicht verdient hat. Die Telekom hatte Ende vergangenen Jahres argumentiert, der Barmittelüberschuss (Free Cash Flow) sei besser als der Nettogewinn geeignet, um die Ertragskraft des Unternehmens zu zeigen.

Hans Richard Schmitz von der Deutschen Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz (DWS) kritisierte dieses Vorgehen ebenfalls und hatte gleich zwei Erklärungen dafür parat: "Hat da der ewig klamme Bund die Hand aufgehalten? Oder ist die Erhöhung der Dividende der verzweifelte Versuch, den Kurs irgendwie doch nach oben zu bringen?" Diese Kritik der Aktionäre ist eher ungewöhnlich auf einer Hauptversammlung, wo sich schließlich die Anteilseigner versammeln, denen diese Dividende zugute kommt.

Fonds äußerten sich nicht auf der Hauptversammlung. Ingesamt stellten die Aktionärsvertreter Obermann ein durchwachsenes Zeugnis aus. Sie lobten die Fortschritte auf dem deutschen Festnetzmarkt und die kleineren Zukäufe im Ausland. "Eines bleibt aber", sagte DWS-Vertreter Schmitz "Sie müssen den Kapitalmärkten beweisen, dass die Telekom zum Lager der Gewinner und nicht der Loser gehört." Der Geduldsfaden der Aktionäre sei schon recht dünn und Obermann werde nicht umhin kommen, die Schlagzahl im Konzern zu erhöhen.

Der Vorstandschef war zu Beginn seiner Rede sichtlich nervös. Er hatte gerade zur Begrüßung angesetzt, da schallte ein Pfiff durch die Kölnarena. René Obermann fasste sich ans Revers seines Jacketts, redete aber weiter und wurde anschließend nur noch durch Zwischenapplaus unterbrochen. Er machte eineinhalb Jahre nach seinem Amtsantritt deutlich, dass die Deutsche Telekom weiter auf Wachstum im Ausland setzt. Dies sei schon wegen der Regulierung in Deutschland nötig. "Wenn sich die richtige Gelegenheit zum geeigneten Zeitpunkt bietet, denn werden wir sie auch zukünftig beim Schopfe packen."

Die Telekom müsse auch wegen der als überzogen empfundenen Regulierung künftig noch unabhängiger vom deutschen Markt werden, betonte der Telekom-Chef. 2007 habe der Konzern erstmals mehr als 50 Prozent seines Umsatzes außerhalb Deutschlands erwirtschaftet. In wenigen Jahren könne der Auslandsanteil zwei Drittel oder mehr ausmachen.

Seite 1:

Verkehrte Welt auf der Telekom-HV

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%