Aktionäre protestieren gegen Übernahmeschutz
Murdoch kommt mit blauem Auge davon

Der große Proteststurm blieb zwar aus. Einen Dämpfer erhielt das Management des US-Medienkonzerns News Corp. aber dennoch auf dem ersten Aktionärstreffen am neuen Hauptsitz New York. Präsident Peter Chernin und drei weitere Direktoren wurden mit nur 84 Prozent in ihren Ämtern bestätigt. Üblich sind Zustimmungsraten von mehr als 90 Prozent.

tor NEW YORK. Investoren hatten massive Kritik am Management des Medienkonzerns geübt, da die Konzernführung unter der Leitung von Rupert Murdoch eine so genannte „Giftpille" zur Abwehr einer feindlichen Übernahme ohne Zustimmung der Aktionäre um zwei Jahre verlängert hatte. In den USA sind derartige Schutzklauseln verpönt.

Die weitgehend ruhig verlaufene Versammlung bringt Murdoch allerdings nur eine Verschnaufpause. Am 10. November muss ein Richter im US-Bundesstaat Delaware darüber entscheiden, ob er eine Klage von Investoren gegen das Vorgehen von Murdoch zulässt. Zwölf Aktionäre haben gegen die Führung von News Corp. Klagen eingereicht.

„Sie haben ihr Versprechen gebrochen", hielt Aktionärsvertreter Andrew Clearfield den Managern vor. Murdoch hatte ursprünglich zugesagt, die „Giftpille" nur mit Zustimmung der Anteilseigner zu verlängern. Der Konzernchef rechtfertigte sein Vorgehen mit dem Hinweis, dass die Schutzklausel vor allem sicherstellen solle, dass kleine Aktionäre bei einer Übernahme nicht ohne einen angemessenen Aufschlag abgefunden würden.

Murdoch hatte den Abwehrmechanismus eingeführt, nachdem der Großinvestor John Malone seinen Anteil an News Corp. auf 18 Prozent erhöht hatte. Die Aktionäre können seitdem neue Aktien zum halben Preis kaufen, falls Malone oder ein anderer Investor die mehr als 18 Prozent besitzt. An der Wall Street wurde das als Versuch des 74jährigen Medienzaren gesehen, seinen dominierenden Einfluss auf das Unternehmen zu sichern. Murdoch und seine Familie halten knapp 30 Prozent der Anteile. Er führe weiterhin „freundschaftliche Gespräche" mit Malone, wie dieser seine Anteile verringern könne, sagte Murdoch. Malone stimmte auf dem Aktionärstreffen für das Management.

„Giftpillen sind eine schlechte Idee", kritisierte Morris Mark von der Investmentgesellschaft Mark Asset Management. Unabhängige Direktoren, die so etwas unterstützten, sollten nicht im Verwaltungsrat (Board) sein. Auch die Börse sieht das Vorgehen Murdochs und seiner Kollegen skeptisch. Der Kurs von News Corp ist seit Verlängerung der Schutzklausel im August um elf Prozent gefallen.

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