Aktionäre wehren sich gegen Auflösung des Kabelnetzbetreibers Primacom
„Wir sind auf einer Beerdigung“

Die Aktionäre des Fernsehkabelbetreibers Primacom wehren sich gegen die Auflösung des Unternehmens. Der Finanzvorstand Primacoms, Stefan Schwenkedel, sagte dagegen auf der Hauptversammlung, dass es wegen des hohen Schuldenstandes keine Alternative gebe.

MAINZ. Seine Sätze kommen stockend. Seine Stimme wird leiser. Unruhig die Hände, die das Rednerpult immer wieder neu umfassen. „Ein Entrinnen aus der Schuldenfalle ist nur durch tiefe Einschnitte möglich“, sagt Stefan Schwenkedel, Finanzvorstand des Fernsehkabelbetreibers Primacom, auf der gestrigen Hauptversammlung des Unternehmens. Der nächste Satz geht in lauten Zwischenrufen unter. Schwenkedel startet einen neuen Anlauf: „Es gibt keine Alternative zu der geplanten Transaktion, da wir sonst mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit Insolvenz beantragen müssen“, sagt Schwenkedel und erntet erneut Buhrufe.

Er kann sie nicht überzeugen, die Anleger von Primacom. Selbst wenn er eine rhetorisch brillante Rede vor sich liegen hätte und diese selbstbewusst und charmant vortragen würde. Die Aktionäre sind für seinen Plan, über den sie gestern abstimmen mussten, nicht zu haben.

Und der sieht so aus: Die Anleger sollen ihre Aktien verkaufen – für 0,25 Euro das Stück. Das operative Geschäft und das Firmenvermögen – in erster Linie ein modernes und schnelles Fernsehkabelnetz – soll an die Kreditgeber des Unternehmens, JP Morgan Chase und Apollo, übergehen. Diese erlassen Primacom im Gegenzug ihre Schulden – insgesamt knapp eine Mrd. Euro und damit neun Mal soviel wie das Unternehmen im operativen Geschäft an Gewinn erwirtschaftet. Am Ende des Deals wird die Firma dann aufgelöst.

Das ist zuviel verlangt von Aktionären, die teilweise bei einem Aktienkurs von mehr als 50 Euro bei Primacom eingestiegen sind. „Egal wie man es dreht und wendet, irgendwie hat dieser Rettungsplan einen faden Beigeschmack“, sagt ein Anleger im Rentneralter. Es sind an diesem Dienstag daher nicht nur die Sommertemperaturen, die ihm die Schweißperlen ins Gesicht treiben. „Ich kann doch nicht gelassen bleiben bei dieser Sauerei – die Vorstände schwärmen, wie toll sich das Unternehmen operativ entwickelt und dann sollen wir uns mit 25 Cent abspeisen lassen.“

Zu dem Zeitpunkt sind schon längst andere Summen in Kreisen der Kreditgeber im Spiel. Von einer Verdoppelung ist die Rede, vielleicht könnte man auch noch mehr drauflegen,. Aber macht das Sinn? „Nicht, solange sich der entscheidende Großaktionär sperrt“, heißt es dazu aus dem Umfeld der Gläubiger. Gemeint ist Wolfgang Preuß – mit knapp 14 Prozent einer der größten Einzelinvestoren bei Primacom, nach dem US-Medienkonzern Liberty Media. Preuß hat bereits Wochen vor der Hauptversammlung seinen Widerstand gegen die Auflösung der Firma angekündigt. Und macht er nicht mit, kommt voraussichtlich auch die notwendige Zustimmung für die Rettungspläne des Vorstands nicht zu Stande: 75 Prozent der anwesenden Aktionäre müssen dafür plädieren.

Doch vor der entscheidenden Abstimmung müssen diese erst einmal ihrem Ärger Luft machen. „Der Vorstand präsentiert das Unternehmen hier als eine schicke Braut. Dabei sind wir hier eigentlich auf einer Beerdigungsveranstaltung“, sagt Markus Straub von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger. Ein an sich gut funktionierendes Unternehmen solle an die Banken fallen, die dafür gesorgt hätten, dass es um die Finanzen des Unternehmens so schlecht stehe. Solche Aussagen quittieren die Anleger mit langandauerndem Applaus. Es ist das, was sie hören wollen – nicht das Flehen der Primacom-Vorstände, dass die derzeitige Hängepartie das Geschäft schädige und der Konkurrenz in die Hände spiele.

Schon früh zeichnet sich damit ab, dass der Primacom-Vorstand mit seinem Rettungsplan wohl scheitern wird. Bis Redaktionsschluss dieser Ausgabe war aber noch nichts entschieden.

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