Aktionärs-Aktivist fordert Aktienrückkäufe
Niemand versteht Apple, außer Carl Icahn

Er hat Apples Chef Tim Cook schon einmal in die Knie gezwungen. Jetzt setzt der Wall-Street-Hai Carl Icahn wieder einmal nach. Er will für die Apple-Papiere eine Kursverdopplung sehen – und Cook soll sie vorfinanzieren.
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San FranciscoNiemand versteht Apple. Niemand, außer Carl Icahn. Deshalb ist es nach Meinung des Investor-Aktivisten an der Zeit, dem Aktienkurs auf die Sprünge zu helfen. Die Anleger scheinen einfach zu dumm, die restlos unterbewertete Aktie über die Börse zu kaufen. In einem erneuten offenen Brief an Apple-Chef Tim Cook fordert er eine drastische Ausweitung des ohnehin schon gigantischen Aktienrückkaufprogramms, um den Aktienkurs in neue Höhen zu treiben.

Die Argumentation: Aufgrund der aktuellen Erfolge und eines enormen Potenzials mit eigenen Apple-TV-Geräten und eigenen Apple-Autos ab 2020 wird der frühere Computerhersteller ein potenzielles Marktvolumen von zwei Billionen Dollar erschließen und beherrschen. Das habe einfach noch niemand kapiert. Bereits 2016 wird nach seinen Berechnungen der Gewinn pro Aktie bei zwölf Dollar liegen, weit mehr als alle anderen Analysten vorhersehen.

Eine marktgerechte Bewertung gemessen am S&P-500-Index würde ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 18 darstellen, resümiert Icahn. Wenn man noch Bargeld von 24 Dollar pro Aktie drauflegt, kommt man auf 240 Dollar. Das ist sein Kursziel. „Unserer Meinung nach verstehen Großinvestoren, Analysten und Medien Apple nach wie vor nicht“, schreibt der Aktionärs-Aktivist in seinem Brief an Cook. Er hält Apple damit für 1,4 Billion Dollar wert. Deshalb sei es Zeit für „für einen viel größeren Aktienrückkauf“.

Der faire Kurs der Apple-Aktie liege praktisch um gut 85 Prozent über der tatsächlichen Notierung, folgert Icahn, der schon in vielen Schlachten Unternehmens-Vorständen seinen Willen aufgedrückt hat. Der 79-jährige hält nach eigenen Angaben 53 Millionen Apple-Aktien im Wert von rund 6,8 Milliarden Dollar und ist einer der zehn größten Aktionäre.

Seit Anfang 2013 preist er den iPhone-Hersteller aus Cupertino als einen „narrensicheren Kauf“ und hat zumindest bislang nicht falsch gelegen. Der offene Brief, medienwirksam am Montag vor Börseneröffnung in New York platziert, verfehlte seine Wirkung nicht. Der Kurs zog erst einmal um 1,4 Prozent auf gut 130 Dollar an. Seit Jahresbeginn addiert sich ein Plus von 18 Prozent und über die vergangenen zwölf Monate sind es 50 Prozent.

In der Tat hat Cook erst jüngst das auf Druck von Icahn in 2014 aufgelegte Aktienrückkaufprogramm von 90 Milliarden auf 140 Milliarden Dollar aufgestockt und zudem die Dividende um elf Prozent angehoben. Trotzdem wächst das Finanzpolster immer weiter auf mittlerweile 190 Milliarden Dollar an liquiden Mitteln. Der höchste Wert, den jemals ein Unternehmen hat anhäufen können.

Und das, obwohl laut Cook seit August 2012 gut 112 Milliarden Dollar in Form von Aktienrückkäufen und Dividenden an die Aktionäre zurückgezahlt wurden. Hintergrund sind zwei aktuelle Rekordquartale in Folge – dank des iPhone 6 und iPhone 6+, die vor allem in China riesige Erfolge feiern.

Absatz von Apple iPhones weltweit

vom 3. Geschäftsquartal 2007 bis zum 1. Geschäftsquartal 2015,
in Millionen Stück

( mit der Maus über die Grafik fahren)


Icahn Forderungen könnten demnach auf offene Ohren stoßen. Beim jüngsten Analystengespräch gab Vorstandschef Cook zu, man sei in der wirklich glücklichen Situation mehr Geld zu verdienen als man zum Betrieb des Unternehmens und aller Investitionen brauche. Zudem wird das laufende Quartal zum ersten Mal die vollen Auswirkungen der neueingeführten Apple Watch sehen.

Was Cook mit dem Überschuss machen soll, das hat ihm Icahn jetzt erklärt. Denn „die Welt wird eines Tages auf die heutige Aktienbewertung als ein faszinierendes Beispiel für die Ineffizienz der Aktienmarktes“ zurückblicken, schreibt er. Wie gesagt: Verstanden hat es bisher nur einer.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
Handelsblatt / Korrespondent

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  • Der Typ will Kasse machen; eigentlich irre soviel Kohle als Konzern zu verdienen. Man kann fast sagen das die Kunden da scheinbar richtig abgezockt werden.

    Aber gut, wenn man dann auch noch kaum Ertragssteuer zahlt; irgendwie sagt mir als Kunde mein Bauchgefühl: ich will mit einem Unternehmen das derart filettiert ist und dann auch noch in Irland sitzt nichts zu tun haben: Ich wüsste aus dem Stehgreif nichtmal wo man die verklagen sollte wenn mal was ist.

    Die Pappen bei Apple in Frankfurt interessiert es ja einen Feuchten ob sich da ein Kunde über mangelhafte Produkte beschwert; aber ihre Adresse steht als Rechnungsaussteller auf der Rechnung drauf. Abgewickelt wird dann wieder alles über Irland.

    Apple ... irgendwie nicht mehr mein Ding. Aber ich war schon immer etwas exzentrisch^.

  • »… wird der frühere Computerhersteller???…«

    Apple baut immer noch MACs ;–)

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