Alcatel-Lucent
Nicht viel Spielraum

Drei Mal hat der Telekomausrüster Alcatel-Lucent in diesem Jahr schon seine Gewinnprognose gesenkt. Am Dienstag gesellte Ericsson dazu und reduzierte seine Gewinnaussichten ebenfalls drastisch. Die Branche geht also ganz offensichtlich durch turbulente Zeiten. Alcatel-Lucent-Chefin Patricia Russo bleibt da nicht viel Spielraum.

DÜSSELDORF. Es stellt sich die Frage, ob das Aus von Alcatel-Lucent-Chefin Patricia Russo nicht bereits schon besiegelt ist. Sie soll bis Ende des Monats einen Rettungsplan erarbeiten, der das französisch-amerikanische Joint Venture aus dem Tal der Tränen holt. Andernfalls droht ihre Absetzung.

Derzeit scheint dies wesentlich wahrscheinlicher als eine Rettung. Die Probleme ihres Unternehmens lassen sich nicht im Handstreich lösen. Alcatel-Lucent wird gleich von drei Seiten in die Zange genommen: Zum einen hat sich das Unternehmen in den USA verkalkuliert. Lucent setzte stark auf die dort verbreitete Mobilfunktechnik CDMA. Die aber steht vor dem Aus.

Zum zweiten sorgt der Kostendruck der Netzbetreiber wie Vodafone sowie die zunehmende Billig-Konkurrenz asiatischer Ausrüster wie Huawei für sinkende Preise.

Das sind die Probleme des Marktes – daran kann Russo nichts ändern. Der dritte Punkt aber betrifft die internen Abläufe. Die kulturellen Unterschiede zwischen Franzosen und Amerikanern erweisen sich als größer als erwartet. In der Branche heißt es, die Amerikaner seien fest davon überzeugt, dass die amerikanische Lucent der führende Part bei der Fusion sei - während die Franzosen genau das Gegenteil behaupten. Wenn so grundlegende Fragen nicht klar sind, kann man sich ausmalen, welches Chaos auf der operativen Seite herrscht. Die Manager beschäftigen sich unter anderem deshalb mehr mit der eigenen Organisation als mit dem Markt.

Hier kann Russo eingreifen. Sie muss die Umsetzung der Fusion beschleunigen und die häufig noch vorhandenen doppelten Zuständigkeiten abschaffen. Am sinnvollsten wäre es, auf der Management-Ebene radikal Stellen zu streichen, um die Kosten deutlich zu senken. Auch bei den einfachen Mitarbeitern sehen viele Experten noch Spielraum. Russo hat im Februar angekündigt, 12 500 Arbeitsplätze abzubauen. Viele Analysten halten die doppelte Anzahl für nötig. Zudem darf es keine Rivalitäten bei der Kundengewinnung geben - das lässt sich mit einer strikten Zuständigkeit und klaren Anreizstrukturen erreichen.

Ein großer Wurf sieht anders aus. Aber Russos Möglichkeiten sind begrenzt. Ihre Chancen auch.

Sandra Louven
Sandra Louven
Handelsblatt / Korrespondentin in Madrid
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