Alibaba-Chef will mehr Einfluss
Jack Ma greift nach den Medien

Jack Ma ist auf Einkaufstour. Mit dem Online-Handel ist der Alibaba-Gründer reich geworden. Nun dehnt er sein Firmengeflecht weiter aus. Der Einstieg bei einer Zeitung steht bevor – mit der lag Ma schon im Clinch.

PekingJack Ma steht für den Aufstieg von innovativem Unternehmertum in China. Mit Alibaba hat er China zur größten Nation im Online-Handel gemacht. Aber Ma dehnt sein Firmenimperium immer weiter aus. Alibaba ist an Dutzenden Online-Start-ups beteiligt, von Filmportalen über Finanzdienstleister bis hin und Taxi-App-Anbietern auf Smartphones.

Aber noch ein weiterer Sektor steht auf Mas Expansionsliste: die Medienbranche. Nach mehreren Beteiligungen könnte Ma bald bei der renommierten Hongkonger Zeitung „South China Morning Post“ (SCMP) einsteigen. Die Verhandlungen seien in einem fortgeschrittenem Stadium, ein Datum für die Bekanntgabe des Deals werde bald verkündet, berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf Eingeweihte. Wochen zuvor hatten bereits chinesische Medien über Verhandlungen berichtet.

Am Mittwochabend meldete sich die SCMP-Führung zu Wort. Ja, es gebe ein Übernahmeangebot, bestätigte das Blatt. Aber nein, der Name des Interessenten werde noch nicht bestätigt. Es gehe um den Kauf der Zeitung, der Magazin, des Veranstaltungsgeschäftes und weiterer Operationen des Medienhauses, teilte Robin Hu, Chef der SCMP-Gruppe, mit. „Die redaktionelle Unabhängigkeit ist entscheidend für unseren internationalen Ruf und Erfolg“, sagte Hu.

Eine Beteiligung an der SCMP könnte für Ma nur der Anfang sein, vermutet Liu Xingliang, Chef des Data Center of China Internet. „Nach der South China Morning Post könnte Alibaba an weiteren, internationalen Medien interessiert sein“, sagte Liu dem Handelsblatt in Peking. Die SCMP könnte vom frischem Geld aus Alibabas reich gefüllten Kassen profitieren. „Und Alibaba könnte die Medien nutzen, um den Einfluss des Konzerns international zu erweitern“, vermutet Liu.

Der mögliche Einstieg erinnert an das Vorgehen von Amazon-Chef Jeff Bezos. Auch er hat sein Vermögen mit dem Online-Handel aufgebaut. Der US-Manager gehört wie Ma zu den reichten Menschen seines Landes. 2013 kaufte Bezos die angeschlagene „Washington Post“. Wie die Post ist die SCMP ein Blatt mit langer Tradition, aber leidet nach hochprofitablen Zeiten seit Jahren unter einer schrumpfenden Leserschaft. Hinter der SCMP steht der malaysische Milliardär Robert Kuok, der seine Anteile vom Medienmogul Rupert Murdoch gekauft hatte.

Für Ma könnte der Einstieg zum bislang größten Deal bei seinen Ausflügen in die Medienbranche werden. Im März 2013 war Alibaba laut chinesischen Berichten bei „eBusiness Review“ eingestiegen, eine Publikation nach dem Vorbild des „Harvard Business Review“. Im Juni 2014 folge eine Beteiligung an dem Unternehmen Huxiu, das einige der in China erfolgreichsten Technologie- und Wirtschaftsblogs betreibt. Im Juni dieses Jahres investierte Alibaba 193 Millionen Dollar in das chinesische Finanznachrichtenportal „China Business Network“.

Die South China Morning Post und Jack Ma stehen in einem schwierigen Verhältnis. 2013 hatte das Blatt ein Interview mit Ma gedruckt, in dem der Unternehmer die blutige Niederschlagung der Demokratiebewegung in China 1989 als korrekte Entscheidung der chinesischen Führung bezeichnete. „Es war keine perfekte Entscheidung, aber zu der Zeit war es die beste Entscheidung“, zitierte die Zeitung aus dem Interview. Ma warf anschließend der SCMP vor, Aussagen in einen falschen Zusammenhang gestellt zu haben.

Stephan Scheuer ist China-Korrespondent des Handelsblatts. Quelle: Mirela Hadzic für Handelsblatt
Stephan Scheuer
Handelsblatt / Korrespondent China
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