Alibaba gegen Netflix
China greift nach Hollywood

Ohne China geht im Filmbusiness nichts, chinesische Darsteller sind in Blockbustern Pflicht. Auch Streamingdienste wollen vom neuen Markt profitieren. Doch Platzhirsch Netflix könnte sich in Fernost die Zähne ausbeißen.
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Los Angeles/PekingHollywood und China: Das ist eine Lovestory von epischem Ausmaß. In der Hauptrolle des strahlenden Helden: Jack Ma von Alibaba. Als verschmähter Liebhaber: Reed Hasting von Netflix und seine Aktionäre. Die Schlussklappe für den Kampf um einen Markt, der 200 Milliarden Dollar schwer ist, fällt.

Ohne China läuft schon lange nichts mehr im Filmgeschäft. Als der Hollywood-Blockbuster Jurassic World vergangene Woche Weltpremiere feierte, kamen innerhalb von drei Tagen in 66 Ländern 511 Millionen Dollar (450 Millionen Euro) an den Kinokassen zusammen. Rund 100 Millionen Dollar davon steuerte allein das Reich der Mitte bei. Es war das zweitgrößte Einspielland hinter den USA mit 204 Millionen Dollar. Zum Vergleich: In Deutschland spielte der Film gerade einmal knapp elf Millionen Dollar ein.

Und das asiatische Potenzial ist längst nicht ausgeschöpft. Das Straßenrennen-Spektakel „Fast & Furious 7“ hat schon 400 Millionen Dollar eingespielt – nur in China.

Hollywood ist elektrisiert, das Geld liegt im Film in China scheinbar auf der Straße. Wer sich gefragt hat, warum bei jeder größeren Produktion heute ein chinesischer Star mit an Bord der Besetzungsliste ist, kennt jetzt die Antwort. Hunderte Millionen Chinesen sind begierig, unterhalten zu werden. Sie lieben einheimische Produktionen und TV-Serien und natürlich Hollywood.

Schätzungsweise 80 bis 100 Millionen Haushalte in China wären auch nach westlichen Maßstäben als wohlhabender Mittelstand einzustufen. Sie kaufen Autos, Häuser, Flachfernseher und gehen gerne ins Kino. Laut den Wirtschaftsprüfern von Price Waterhouse Coopers (PWC) ist China schon heute der drittgrößte Unterhaltungsmarkt der Welt. Und das Unternehmen geht davon aus, dass die Entertainment-Industrie, von Videospielen über Filme bis Musik, dort bis 2018 ein Gesamtvolumen von 214 Milliarden Dollar erreichen wird. Da lohnt es sich, mit harten Bandagen zu kämpfen.

Dennoch haben es die erfolgsverwöhnten US-Firmen in China nicht leicht. Giganten wie Facebook, Google oder Youtube haben sich bereits eine blutige Nase geholt und sind rausgeworfen worden. Google-Konkurrent Yahoo spielt derweil nach den Spielregeln der Regierung und kam deshalb bisher besser durch. Netflix könnte nun das nächste prominente Opfer der chinesischen Internet-Industrie werden.

„Wir sind offen für eine Kooperation mit Hollywood“, sagte Liu Chunning, Präsident der digitalen Unterhaltungssparte des chinesischen Online-Händlers Alibaba laut der Nachrichtenagentur Bloomberg. Alibabas Chef und Mitgründer, Jack Ma, war schon mehrfach in Hollywood auf Einkaufstour – zuletzt im Oktober. Außerdem baut er einen Brückenkopf in Seattle auf, der Heimat von Erzfeind Amazon.

Genau wie der US-Konzern will Ma Blockbuster-Kino und TV-Serien an die Kunden seines E-Commerce-Imperiums ausliefern. Die Filme werden auf Alibaba-Hardware laufen (so wie bei Amazon mit Fire-Settop-Box oder Tablets) und der Kunde wird Abonnements abschließen müssen (so wie Amazon Prime). Ma greift in einer Zangenbewegung an. In einem genialen Schachzug sicherte sich der frühere Englischlehrer bereits wichtige Partner in China. Das mächtige TV-Kabelnetzwerk Gehua CATV verkündete Mitte Juni seinen Plan, zusammen mit Alibaba und anderen Partnern einen Online-Videoservice nach dem Vorbild von Netflix zu schaffen.

Was die Pläne so gefährlich macht: Der Zugang zu TV-Kabel ist auch in China scharf reguliert. CATV ist nicht nur der einzige TV-Kabelanbieter in Peking, er ist zudem staatlich kontrolliert. Einer der Mitinvestoren in dem Joint Venture ist National Radio & TV Network Co., das 2014 gegründet wurde und sich im Besitz des Finanzministeriums befindet. Jack Mas „Alibaba Pictures“ hält gerade einmal sechs Prozent. Aber das sichert ihm einen Fuß in der Tür, die Netflix wahrscheinlich jetzt verschlossen bleiben dürfte.

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