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26.03.2008 
Mobiles Internet

Alles im weißen Bereich

von Axel Postinett

Unterliegen ist für Google keine Option: Sofort nach dem Rückschlag bei der Auktion um die freiwerdenden analogen Fernsehfrequenzen in den USA erneuert der Internetkonzern Pläne für einen offenen mobilen Internetzugang. Für Google die letzte Chance, eine landesweite Konkurrenz zu den etablierten Mobilfunkfirmen aufzubauen.

DÜSSELDORF. In einem Brief an die amerikanische Telekommunikationsbehörde FCC unterbreitete Google erneut Vorschläge, um die "white spaces" genannten ungenutzten Räume zwischen zwei analogen TV-Signalen für mobiles Internet zu nutzen. Sie wären jetzt die letzte Chance für Google und andere Web-Unternehmen, doch noch für mehr Preiswettbewerb auf dem Markt für mobiles Internet zu sorgen. Ein wichtiger Punkt, um weiter billig Zugang zu ihren Kunden zu gewähren.

Der ist immer stärker in Gefahr, seit die Mobilfunk-Netzbetreiber versuchen, über Zugangsgebühren neue Einnahmequellen zu erschließen. Die Web-Unternehmen sollen nach deren Meinung in Zukunft dafür bezahlen, dass ihre Dienste zügig zum Endkunden weitergeleitet werden.

Die "weißen Bereiche" sind Frequenzen, die ungenutzt zwischen TV-Signalen liegen, um zu verhindern, dass sich Bilder überlagern. Der Versuch, diese Bänder kommerziell nutzbar zu machen, ist nicht neu. Seit Mai 2004, als die FCC ankündigte, diese für neue Internet-Zugangsgeräte im Prinzip nutzbar zu machen (Notice of Proposed Rulemaking), wird versucht, die technischen Hürden wie unvorhersehbare Störungen bei benachbarten Sendern zu überwinden, die den Einsatz ausschließen. Mit von der Partie sind auch Philips und Microsoft. Der Software-Konzern hatte 2007 ein Wireless-Internet-Gerät als Prototyp eingereicht, das aber die FCC-Tests nicht bestand.

Jetzt macht Google wieder Druck. Die "weißen Bereiche" wären die allerletzte Chance, noch eine landesweite Konkurrenz zu etablierten Mobilfunkfirmen aufzubauen. Bei der vergangene Woche abgeschlossenen Auktion der Frequenzen im 700-Megahertz-Bereich hatten die Telekomkonzerne Verizon und AT&T die Masse der Frequenzen ersteigert und so dafür gesorgt, dass die Machtverhältnisse erst einmal so bleiben, wie sie waren.

Für Google ein unberechenbares Umfeld. Das gesamte Geschäftsmodell beruht auf offenen Zugängen zum Internet. Das hat funktioniert, solange die Menschen über ihre Festnetz- oder DSL-Leitungen ins Internet gegangen sind. Die Telekom-Firmen haben nur für den Web-Zugang beim Kunden kassiert.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Die mobile Welt der Zukunft.

In der mobilen Welt ist das aber anders. Hier kontrollieren die Netzbetreiber, wer mit ihnen Geschäfte machen darf und wer nicht. Sie regeln zum Beispiel durch unterschiedliche Zugangspunkte in das mobile Internet, wie die Preise ausfallen. Wer sich über die Webportale der Mobilfunker auf deren Dienste ins Web einwählt, zahlt oft dramatisch weniger für Internet als jemand, der ein offenes "APN" auf seinem Handy nutzt und jede beliebige Seite ansurft oder ein fremdes E-Mail-Konto nutzt.

Google will Umsätze und Gewinne aber nicht mit Mobilfunkern teilen müssen. Schon gar nicht die mobilen Umsätze. Spätestens im Jahr 2010 werden mehr Menschen über mobile Geräte online gehen als über Schreibtisch-PCs, erwartet die OECD. Der Branchendienst Informa schätzt, dass bis 2011 der gesamte Weltmarkt für mobile Inhalte und Services auf rund 150 Milliarden Dollar anziehen wird. Auf dem Vormarsch sind lokale Suche, Geoinformationen wie Karten und Routenplaner sowie Dienstleistungen. Alles das bietet Google an. Werbefinanziert.

Google hat zudem 2007 ein eigenes Betriebssystem für Mobiltelefone namens Android angekündigt. Das ist offen für alle, aber bindet natürlich auch - werbefinanzierte - Google-Dienste wie Maps, Earth, E-Mail, Suche und Youtube optimal ein. Das System wird kostenlos an Handyhersteller abgegeben werden.

Doch das sichert nicht den Zugang zum Markt. Beispiel: T-Mobile. Derzeit sind Nokia-Telefone, die Zugang zum Nokia-eigenen Download-Musikshop ermöglichen, vom Telekom -Riesen ausgelistet, bestätigte eine Nokia -Sprecherin. Man sei in Gesprächen. T-Mobile will sich das Geschäft mit eigenen Inhalten nicht vermiesen lassen.

Ein offenes "Wi-Fi 2.0", wie Google-Anwalt Rick Whitt es nennt, über weiße Flecken im Frequenzband wäre genau die Alternative, die Google sucht.

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