Allianz mit der ARD
ZDF macht Einstieg bei Bavaria perfekt

Die strategische Allianz zwischen ARD und ZDF in der Fernsehproduktion ist perfekt. Das ZDF hat nach monatelangen Verhandlungen den Einstieg bei der Bavaria Film besiegelt. Für die Beteiligung an dem Fernsehstudio zahlt die Mainzer Sendeanstalt einen Schnäppchenpreis.

DÜSSELDORF. Das Tochterunternehmen ZDF Enterprises erwirbt nach Unternehmensangaben die Hälfte der Anteile an der Bavaria Fernsehproduktion in München. Wie Verhandlungskreise bestätigen, kostet der Einstieg nur rund acht Mill. Euro. „Das ZDF hat den Einstieg zum Schnäppchenpreis bekommen“, sagt Georgia Tornow, Generalsekretärin der Produzentenvereinigung Film 20. In ZDF-Kreisen war von einem „fairen Preis“ die Rede.

Die Bavaria Fernsehproduktion erzielte im vergangenen Jahr über 80 Mill. Euro Umsatz. Die Firma produziert Serien wie „Marienhof“ (ARD), „Sturm der Liebe“ (ARD), „Die Rosenheim-Cops“ (ZDF) und „Inga Lindström“ (ZDF). Nach Angaben aus Unternehmenskreisen liegt das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebita) bei vier Mill. Euro. Der Preis von lediglich acht Mill. Euro für 50 Prozent der Anteile liegt deutlich unter den sonst üblichen Niveau. In der Regel wird für Filmfirmen mindestens das Achtfache des Ebita gezahlt, berichten Marktteilnehmer.

Der Einstieg des ZDF beim zweitgrößten Filmproduzenten in Deutschland verbittert die freien Produzenten. „Wir sind enttäuscht von der Politik, dass sie dem Geist der Brüsseler Auflagen zu fairem Wettbewerb und Transparenz nicht jetzt schon zum Durchbruch verholfen hat“, sagte Tornow. Der Branchenverband, in dem Filmfirmen wie UFA oder Constantin Film Mitglied sind, bekämpfte vergeblich die Pläne des ZDF. Die Unternehmen fürchten, künftig Wettbewerbsnachteile zu erleiden. „Das ist ein schwerer Schlag für die Produzenten, die sich ohne die Sendermutter am Markt behaupten müssen“, sagte am gestrigen Donnerstag Tornow. „Der Einstieg vom ZDF bei der Bavaria wird zu einer Auftragsverlagerung führen.“ Dem widerspricht das ZDF. „Es wird zu keinen Produktionsverlagerungen kommen. Wir haben uns nur an einer existierenden Firma beteiligt“, sagte Alexander Coridaß, Chef von ZDF Enterprises.

Die Bavaria, die mehrheitlich einem Konsortium von WDR, BR, MDR und SWR gehört, hat für den Unmut der privaten Produzenten kein Verständnis. „Es gibt nur eine geschürte Besorgnis“, sagte Bavaria-Chef Matthias Esche. „Wir wollen nicht den Markt beherrschen.“ Die Bavaria setzte zuletzt insgesamt 310 Mill. Euro um. Der Gewinn soll zuletzt bei sieben Mill. Euro gelegen haben.

Schützenhilfe bekam die Bavaria am Donnerstag vom Münchener Filmhändler Herbert Kloiber. „Die Beteiligung des ZDF an der Bavaria ist ein natürlicher Schritt, den ich nicht bejahe. Doch einen Umsatzeinbruch erwarte ich dadurch nicht“, sagte Kloiber gestern. Kloiber ist Eigentümer und Vorstandschef der Tele-München-Gruppe (RTL 2, Tele 5, Concorde).

Im Aufsichtsrat war der Einstieg des ZDF umstritten. Einige Kontrolleure kritisierten den Kaufpreis als zu niedrig. Andere befürchten noch mehr politischen Gegenwind durch die strategische Allianz im öffentlich-rechtlichen Fernsehen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%