06.05.2008

Zahlungen in Südamerika und Asien: Alstom unter Schmiergeld-Verdacht

Der französische Industriekonzern Alstom wird verdächtigt, in den Jahren 1995 bis 2003 mehrere hundert Millionen Dollar Schmiergelder gezahlt zu haben, um Aufträge in Südamerika und Asien zu bekommen. Das schreibt das "Wall Street Journal" in seiner Dienstags-Ausgabe und bezieht sich auf Ermittlungsakten.

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Die Alstom-Zentrale in Paris. Foto: dpa Lupe

Die Alstom-Zentrale in Paris. Foto: dpa

PARIS. Dem Bericht zufolge ermitteln Schweizer und französische Behörden wegen Korruptions-Verdachts. Ein Alstom-Sprecher bestätigte, dass Alstom-Beschäftigte in der Vergangenheit verhört worden sind. "Alstom betont jedoch, dass das Unternehmen derzeit kein Gegenstand eines Verfahrens im Zusammenhang mit Korruption ist", sagte der Sprecher. Der Bericht beruhe auf "Spekulationen". Die Alstom Aktie gab jedoch zwei Prozent nach und war damit einer der größten Verlierer bei Handelseröffnung.

Laut Wall Street Journal haben sich in der vergangenen Woche Schweizer Polizisten mit brasilianischen Ermittlern getroffen, um über verdächtige Zahlungen von Alstom in Höhe von 6,8 Mill. Dollar zu diskutieren. Diese Zahlungen könnten in Verbindung mit der Vergabe des Auttrages an Alstom stehen, Ausrüstung für die die Verlängerung der U-Bahn in Sao Paolo zu liefern. Der Auftrag hatte ein Volumen von 45 Mill. Dollar.

Dem Bericht zufolge würden auch Zahlungen in Höhe von insgesamt 200 Mill. Dollar untersucht, die Alstom geleistet haben soll, um an Aufträge für Wasserkraftwerke in Brasilien, Venezuela , Singapur und Indonesien zu kommen. Die Existenz solcher Zahlungen im Zusammenhang mit diesen Projekten gehe aus Alstom-Dokumenten hervor, in das das Journal Einblick gehabt hat. Vergangenes Jahr haben Ex-Alstom-Angestellte gegenüber den Ermittlern bestätigt, dass solche als Kommissionszahlungen deklarierte Zahlungen vom Management angewiesen worden seien. Laut Ermittlungsakten habe Ex-Alstom-Manager Yves Barbier de la Serre ausgesagt, dass Alstom zwischen 1998 und 2002 "schwarze Kassen" unterhalten habe. Damit seien "Kommissionen" an Vermittler gezahlt worden, um Industrieaufträge zu bekommen.

Neben dem deutschen Siemens-Konzern steht damit nun auch der französische Konkurrent Alstom unter schweren Korruptionsverdacht. Bei Siemens waren Millionen-Schmiergeldzahlungen in der Telekom-Ausrüstungssparte aufgeflogen. Im Zuge der Ermittlungen stellte sich heraus, dass auch andere Konzernsparten Schmiergelder zahlten, um an Aufträge zu kommen. Der Skandal kostete bereits Ex-Siemens-Chef Heinrich von Pierer den Aufsichtsratsvorsitz sowie seinen Nachfolger als CEO, Klaus Kleinfeld, den Job.

Auslöser der Ermittlungen bei Alstom war ein Zufallsfund der Schweizer Ermittler im Jahr 2004. Die Schweizer Bankenaufsicht hatte die Wirtschaftsprüfer von KMPG damit beauftragt, die Tempus Privatbank AG auf mögliche Verwicklungen in der Abwicklung von Drogengeldern unter die Lupe zu nehmen. Dabei stießen die KPMG-Prüfer auf Zahlungen von Alstom an Vertriebsbüros im Ausland, die dort in bar ausgezahlt worden seien. Alle Dokumente hierzu sind handschriftlich verfasst, wohl um keine digitalen Spuren zu hinterlassen.

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