Alte Modelle werden billiger, um hohe Stückzahlen zu erreichen
Sony und Microsoft kurbeln Verkauf ihrer Konsolen an

Mit kräftigen Preissenkungen heizen die beiden großen Wettbewerber Microsoft und Sony den Kampf um die Wohnzimmer wieder neu an. Zu Beginn der Branchenmesse Games Convention in Leipzig haben die beiden Unternehmen angekündigt, die Preise für ihre Spielekonsolen „X-Box“ (Microsoft) und „Playstation 2“ (Sony) um ein Viertel auf rund 150 Euro zu senken.

HB LEIPZIG. Der Grund liegt auf der Hand: Die Konsolen haben nach Ansicht von Branchenexperten den Zenit ihres Lebenszyklus überschritten. Jetzt wollen die Unternehmen den Abverkauf noch einmal steigern, um in der Folge mit der Software Gewinne einfahren zu können. Auch wollen sie verhindern, dass das laufende Jahr ähnlich schlecht verläuft wie 2003, als die Umsätze mit Hard- und Software in Deutschland zurückgingen.

Die Operation könnte gelingen. Das erste Halbjahr verlief vielversprechend. Nach Handelsblatt-Informationen lag der Umsatz nur mit Konsolen-Software mit gut 215 Mill. Euro um 26 Prozent über dem – schwachen – Vorjahreswert, und zum Weihnachtsquartal kommen so viele neue „Blockbuster“ wie selten zuvor.

Mit dem Preisschritt reagieren die beiden Kampfhähne auf die Preissenkung des Konkurrenten Nintendo. Der verlangt schon seit Mitte 2003 nur noch 99 Euro für seinen „Game-Cube“. Durch diesen Handstreich konnte Nintendo die X-Box in Deutschland auf Platz Drei der Konsolenrangliste verdrängen.

Das will Microsoft jetzt wieder rückgängig machen: „Wir werden bis Ende des Jahres auf Platz zwei sein“, sagt Stephan Brechtman, X-Box-Chef für Deutschland, selbstbewusst. Nintendo konnte im ersten Halbjahr nach Aussagen von Nintendo-Deutschland-Chef Bernd Fakesch gut 100 000 Gamecubes absetzen und damit 100 Prozent mehr als im Vergleichszeitraum 2003. Ende des Jahres dürften über 720 000 Spielewürfel in den Wohnzimmern stehen. Das müsste Brechtman schlagen.

Sony-Chef Manfred Gerdes hat noch Größeres vor: „Weit über drei Mill. Playstation 2“ sollen Ende 2004 in den deutschen Haushalten stehen, derzeit sind es 2,6 Millionen. Bis 2008 will Sony in Ländern mit dem TV-Standard PAL über 45 Mill. dieser Konsolen verkauft haben.

Für die Spiele-Verlage wiederum ist die Zahl der verkauften Konsolen wichtigstes Kriterium für Investitionsentscheidungen. Sie zeigt, wie hoch die potenziellen Absatzchancen für ein Produkt sind. Jens-Uwe Intat, Deutschlandchef des Softwaremarktführers Electronic Arts, erwartet in diesem Jahr auf Grund der Preissenkungen und angesichts vieler Neuerscheinungen mindestens ein Plus von zehn Prozent im Softwareverkauf.

Bei Electronic Arts werden vor Weihnachten neue Versionen der Millionenseller „Herr der Ringe“ und „Die Sims“ erwartet. Take Two Entertainment bringt mit „Grand Theft Auto – San Andreas“ (GTA) wohl das Top-Produkt für die Playstation 2. Von der Vorgängerversion hat Take Two über elf Mill. Stück weltweit verkauft, von der gesamten Serie über 30 Mill. Stück. Take-Two-Deutschlandchef Arwed- Ralf Grenzbach ist angesichts der Preissenkungen besonders zuversichtlich. „Jetzt können die Fans Konsole und GTA zu dem Preis kaufen, zu dem es bislang nur die Konsole gab.“ Aber er räumt ein: „Der Markt ist wesentlich kompetitiver geworden in den letzten Jahren“. Vor allem bei den Sportspielen.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
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