Amazon kauft Twitch
Von Null auf eine Milliarde in drei Jahren

Irgendwo spielt jemand ein Videospiel und jemand anders schaut zu – wie Fernsehen. Möglich ist das durch Twitch.tv. Diese Videospiele-Plattform ist Amazon fast eine Milliarde Dollar wert.
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San FranciscoSo geht das im Silicon Valley: 2012 gab es eine erste Finanzierungsrunde über rund zwölf Millionen Dollar, 2013 dann noch mal 20 Millionen Dollar und 2014 wird das Start-Up Twitch aus San Francisco für 970 Millionen Dollar an Amazon verkauft. Entsprechende Gerüchte bestätigten Amazon und Twitch am späten Montag. Damit sticht der aggressive Online-Handelskonzern offenbar Google aus. Angeblich hatte die Muttergesellschaft der Videoplattform Youtube ebenfalls Gespräche über eine Akquisition geführt.

Selbst der Chef kann es kaum fassen: „Es ist beinahe unglaublich, dass Twitch vor knapp drei Jahren noch gar nicht existiert hat“, stellt Twitch-CEO Emmett Shear auf seiner Webseite fest und dankt den Spielern, die ihre Videospiele live online auf Twitch spielen, so dass Millionen andere sie am Bildschirm verfolgen können wie Fußballspiele oder Autorennen.

Heute sei er erfreut, die Akquisition durch Amazon bekanntzugeben, schreibt er am Montag. Man habe Amazon gewählt, „weil sie an unsere Gemeinschaft glauben“, stellt Shear fest und räumt damit indirekt ein, dass es auch andere Interessenten gegeben habe. Das Unternehmen werde so weiter arbeiten wie bisher, in den eigenen Büros in Kalifornien, unter eigener Marke und unabhängig von Amazon.

Für Google wäre Twitch eine passende Ergänzung zur Videoplattform Youtube gewesen. Auf Twitch stellen Spieler Live-Übertragungen von ihren PC- oder Konsolenspielen ins Internet. Videospiele als Live-Unterhaltung haben vor allem in Asien bereits eine lange Tradition und der Trend hat jetzt auch die westliche Welt erreicht.

Die pro Monat fast 60 Millionen überwiegend jungen Nutzer von Twitch stellen eine lukrative Zielgruppe für Werbetreibende dar. Der Online-Handelsriese aus Seattle besetzt damit eine Top-Position im Kampf um junge Konsumenten, die auch Googles Youtube oder Netflix umgarnen wollen. Laut Twitch verbringen 58 Prozent der Zuschauer über 20 Stunden pro Woche vor dem Schirm, um Fremden oder Freunden beim Spiel zuzusehen. Das ist eine starke Basis für Videowerbung. Über 84 Prozent aller Aufrufe eines aufgezeichneten Spiels finden in den ersten 14 Tagen nach Erstausstrahlung statt. Auch das ist ein Wert, der Werbekunden anlockt und die Vermarktungschancen vergrößert.

Setzt sich der Trend zu Live-Übertragungen von Spielen und Turnieren fort wie bisher, könnte zudem eine komplett neue Industrie für Übertragungsrechte und Spieleserien neben Sport- und Musikübertragungen entstehen. Während heute Twitch-Übertragungen kostenfrei sind, könnten Top-Events wie Spiele-Weltmeisterschaften gegen Gebühr ausgestrahlt werden.

Erst vor wenigen Tagen hat Twitch, offenbar im Vorgriff auf die weitere Kommerzialisierung, seine Urheberrechtspolitik verschärft und blendet nun urheberrechtlich geschützte Musik aus. Zu den größten Profiteuren des Amazon-Deals gehört Y Combinator. Der Risikokapitalgeber hatte 2005 als einer der ersten Investoren überhaupt rund 50.000 Dollar in den Vorgänger von Twitch, Justin.tv, investiert. Jetzt ist Zahltag.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
Handelsblatt / Korrespondent

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  • Warum wird das ungehemmte Wachstum von Amazon, Google und Co. nicht endlich ausgebremst. Die Politik beschwert teilweise über zu große Marktmacht, lässt diese Unternehmen aber ungehemmt weiter wachsen.

    WAS soll das?

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