Amazon mit massivem Gewinnsprung
Gigantischer Zahltag für Jeff Bezos

Online-Händler Amazon beginnt massiv Geld zu verdienen. Die Aktie schoss nach Börsenschluss um rund zwölf Prozent in die Höhe. Es ist ein gigantischer Zahltag für Jeff Bezos. Er ist jetzt viertreichster Mensch der Welt.

San FranciscoEs war der Tag des Triumpfs für den 52-jährigen Amazon-Gründer und Vorstandschef Jeff Bezos. 1994 warf er seinen gut bezahlten Job in New York hin, fuhr mit dem Auto quer durch den Kontinent, schrieb auf dem Weg nach Kalifornien einen verwegenen Businessplan und startete Amazon.com.

Bezos revolutionierte den Onlinehandel, ruinierte ganze Industrien und Handelszweige, aber schrieb Jahr für Jahr horrende Verluste. Bezos bat die Aktionäre immer wieder um Geduld, steckte noch mehr Geld in neue Geschäfte, startete Videostreaming, baute Tablets und E-Book-Reader. Aber nie wurde er den Ruf des Zockers los.

Das ist seit Donnerstag anders. Es ist einer dieser riskanten Ausflüge ins Ungewisse, der sich jetzt in großem Stil bezahlt macht. Gemeint ist das Cloud Computing - die Bereitstellung von Computerleistung, Speicher, Software und Diensten im Internet für Unternehmenszwecke.

Bezos hat es gestartet, als noch niemand daran glaubte. Besonders in Europa und Deutschland lange belächelt und als unsicheres oder unnützes „Neuland“ abgetan, wenden sich jedoch immer mehr Unternehmen, von Apple bis Netflix, dieser neuartigen Form der IT-Infrastruktur zu. Für Jeff Bezos bedeutete das Zahltag – eine Genugtuung, die ihm lange verwehrt blieb.

Die „AWS“ (Amazon Web Services) genannte Sparte lieferte im ersten Quartal 2016 bei 2,6 Milliarden Dollar Umsatz ein operatives Ergebnis von 604 Millionen Dollar. Das ist eine Verdreifachung zum Vorjahr. Die Sparte repräsentiert keine zehn Prozent vom Umsatz, aber über 50 Prozent des operativen Ergebnisses in Höhe von 1,1 Milliarden Dollar.

Der Gewinnanstieg bei AWS ist praktisch alleine verantwortlich für einen überraschend massiven Gewinnausweis des Gesamtkonzerns von netto 513 Millionen Dollar. Im Vorjahr war noch ein Verlust von 57 Millionen Dollar angefallen. Das Nettoergebnis lag fast doppelt so hoch wie von den Analysten erwartet. Der Konzernumsatz mit 29,1 Milliarden Dollar, ein Plus von 28 Prozent zum Vorjahr, übertraf ebenfalls die Erwartungen.

Der notorische Verlustbringer Amazon weist im vierten Quartal in Folge einen Ertrag aus, und das, ohne an Wachstum zu verlieren. In der Vergangenheit investierte der Konzern üppig in seine Zukunft – und nahm dafür hohe Kosten und Verluste in Kauf. Die Wall Street gewinnt nun wieder Vertrauen. Dazu verwöhnt Bezos die Aktionäre noch mit einem optimistischen Ausblick auf das laufende Quartal. Er prognostizierte einen Umsatz zwischen 28 und 30 Milliarden Dollar. Analysten hatten mit 28 Milliarden gerechnet.

Seite 1:

Gigantischer Zahltag für Jeff Bezos

Seite 2:

Ein wüster Preiskampf droht

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%