Analyse
Ein hochriskantes Spiel für Springer

Gebetsmühlenartig verbreitet Mathias Döpfner, Chef des Verlagskonzerns Axel Springer, Optimismus. Der Medienmanager geht davon aus, dass trotz der lahmenden Konjunktur die deutschen Unternehmen bereits im nächsten Jahr wieder mehr Fernseh- und Printwerbung schalten werden.

Auf einen Aufschwung der deutschen Werbewirtschaft ist das Berliner Zeitungshaus auch dringend angewiesen. Denn durch die geplante milliardenschwere Übernahme der Münchener Fernsehgruppe Pro Sieben Sat 1 hat sich das Zeitungshaus, das unter anderem die auflagenstärkste deutsche Tageszeitung „Bild“ verlegt, zwar ein zweites Standbein verschafft. Döpfner hat sich aber auch in eine gefährliche Abhängigkeit vom Inlandsmarkt begeben. Künftig erzielt der nach Bertelsmann zweitgrößte Medienkonzern der Republik mehr als drei Viertel des Umsatzes und einen noch höheren Anteil des Ertrags in Deutschland.

Döpfners Zwei-Säulen-Strategie birgt Gefahren: Im Fernsehgeschäft ist schon in diesem Jahr bei den Werbeeinnahmen mit einem kleinen Dämpfer zu rechnen, im Anzeigengeschäft dürfte das Wachstum nur schwach ausfallen. Alles andere als sonnig stellen sich die weiteren Aussichten dar: Das Printgeschäft mit dem wichtigen Massenblatt „Bild“ könnte Döpfner ins Trudeln bringen. Denn durch die mögliche Einführung von Gratiszeitungen zur Fußball-Weltmeisterschaft könnte der Boulevardtitel im nächsten Jahr einen erheblichen Auflagen- und Anzeigenverlust erleiden. Damit würde die für Springer wichtigste Ertragssäule im Printgeschäft wackeln.

Hinzu kommt: Sollte ein langwieriger Zeitungskrieg um Gratistitel – wie vor einigen Jahren in Köln - vom Zaun gebrochen werden, dürfte das den hochverschuldeten Konzern teuer zu stehen kommen. Um die Konkurrenz abzuwehren, müsste Springer wohl einen mittleren dreistelligen Millionenbereich investieren. Damit würde das Unternehmen aber finanziell angreifbar. Denn auf Reserven kann Döpfner nicht zurückgreifen. Große Teile des Tafelsilbers sind bereits verscherbelt, um die Übernahme von Pro Sieben Sat 1 zu stemmen. Immobilien, Buchverlage sowie die Tiefdruckereien sind verkauft.

Auf der anderen Seite verfügt Döpfner über keinen Spielraum für weitere Kostensenkungen, um den Gewinn zu steigern und die Verschuldung abzubauen. Denn die Strukturen hat er bereits weitgehend verschlankt, die Zahl der Mitarbeiter abgebaut. Wenn er den amerikanischen Großaktionär Hellman & Friedman um keine Finanzspritze bitten will, bliebe Döpfner wohl nur ein Ausweg: Er müsste den Verkauf von Teilen der Senderkette Pro Sieben Sat 1 prüfen – darunter den Nachrichtensender „N24“ oder den Spartenkanal „Neun Live“. Eine andere Möglichkeit wäre, die seit Jahren defizitäre Tageszeitung „Welt“ zur Disposition zu stellen oder sich gar von einigen rentablen Regionalzeitungen trennen.

Döpfner geht ein hochriskantes Spiel ein: Gewinnt er die Wette auf den Aufschwung der Werbekonjunktur, kann er seine Position im deutschen Medienmarkt deutlich verbessern. Gerät er hingegen in den Strudel, gefährdet der noch junge Manager die Stabilität des Traditionskonzerns. In diesem Falle dürften wohl seine letzten Tage bei Springer angebrochen sein.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%