Analyse
KPN bleibt Übernahmeziel

Der niederländische Telekomkonzern KPN steckt in der Bredouille. Zwar hat er seine Schulden seit 2001 massiv von 23 Milliarden auf acht Milliarden Euro heruntergefahren. Doch die Niederländer kämpfen im Heimatmarkt mit stark sinkenden Umsätzen.

Und die relativ geringe Größe macht KPN zu einem der letzten Übernahmeziele in der europäischen Telekombranche. Kürzlich erst hieß es, die spanische Telefónica wolle 20 Milliarden Euro in die Hand nehmen, um sich den Konzern einzuverleiben.

Die einzige Wachstumsphantasie von KPN liegt im Mobilfunkmarkt, und zwar im deutschen. In den Niederlanden ist der Ex-Monopolist bereits Marktführer, Belgien ist mit 10 Millionen Einwohnern ein kleiner Markt. Uwe Bergheim, der bisherige Chef der deutschen Tochter E-Plus, hat die Erwartungen der Mutter aber nicht erfüllt. E-Plus hat unter den vier deutschen Netzbetreibern den niedrigsten Umsatz pro Kunde und dümpelt seit Jahren bei Marktanteilen zwischen zwölf und 14 Prozent herum, während der direkte Herausforderer O2 immer mehr zulegt.

Deshalb setzte KPN Bergheim im Frühjahr einen Wachhund vor die Nase: Stan Miller, im Konzern verantwortlich für die internationale Mobilfunk-Expansion. Vorige Woche verkündete Bergheim seinen Rücktritt zum Jahresende. Ein Nachfolger wird gesucht. Es scheint aber, als erhielte der weniger Kompetenzen. Eine neue CEO-Stelle wird es offensichtlich nicht geben – für die Strategie von E-Plus sei nun Miller zuständig, heißt es in der Branche.

Doch nicht Bergheim allein hat die schwache Position von E-Plus zu verantworten, sondern vor allem KPN. Wegen seiner hohen Verschuldung hat der Konzern der Tochter zuletzt kaum noch Mittel zur Verfügung gestellt. Die Wettbewerber wuchsen weiter stark und investierten in Netz-Ausbau und Neukunden-Werbung. E-Plus musste dagegen mit einem lückenhaftenNetz weiter arbeiten. Damit hat sich der Netzbetreiber den Ruf einer schlechten Verbindungsqualität eingefangen, der ihm bis heute anhaftet.

Dem Marketing-Mann Bergheim ist es indessen anzulasten, dass E-Plus kein starkes Profil entwickelt hat. Wie man hört, erwägt KPN langfristig sogar, die Marke vom Markt zu nehmen. Statt dessen wollen die Niederländer Brands und Preismodelle für verschiedene Kundengruppen etablieren. So hat E-Plus bereits die Billigmarke Simyo, den Pauschaltarif Base und die Marke Ay Yildiz für Türken eingeführt.

Inzwischen hat KPN-Chef Ad Scheepbouwer zwar wieder Geld in der Kasse – für E-Plus aber womöglich zu spät. Im Heimatmarkt dagegen hat KPN kürzlich den Mobilfunkanbieter Telfort gekauft und damit den Anteil am niederländischen Mobilfunkmarkt auf 56 Prozent geschraubt. Gegen die erstarkende Konkurrenz im Festnetz wehrt sich der KPN-Chef mit aggressiven Preisen und hohem Werbeaufwand. Im vergangenen Quartal ging das deutlich zu Lasten des Gewinns. Für mögliche Käufer sind das eher gute Nachrichten.

Sandra Louven
Sandra Louven
Handelsblatt / Korrespondentin in Madrid
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%