Analyse
Oracles Gegner ist IBM

Die Softwarebranche ist alarmiert. Nachdem Oracle den Wettbewerber Siebel eingesammelt hat kocht die Gerüchteküche: Wen erwischt es wohl als nächsten? Vielleicht BEA oder Salesforce.com? Oder gibt es gar eine Neuauflage der Gespräche zwischen SAP und Microsoft?

DÜSSELDORF. Bei aller Aufregung um die seit langem von Experten vorhergesagte Konsolidierung tritt die Frage in den Hintergrund, womit der Software-Riese Oracle eigentlich das Geld verdient, mit dem er eine Firma nach der anderen kauft?

Über 80 Prozent der verkauften Softwarelizenzen sind Datenbanksoftware oder so genannte Middleware – darunter Softwaretechnik, die man für den Systembetrieb von Computernetzen einsetzt. Nur 19 Prozent der Lizenzen sind dem Geschäftsfeld Anwendungssoftware zuzurechnen.

Zwar dürfte sich nach dem Kauf von Peoplesoft, J.D. Edwards und Siebel dieses Gewicht zugunsten der Anwendungsprogramme verschieben. Trotzdem ist und bleibt Oracle in erster Linie ein Anbieter von Datenbankprogrammen. 1977 hatte Oracle-Gründer Larry Ellison das enorme wirtschaftliche Potenzial der damals neuen relationalen Datenbankmodelle erkannt und in Software gegossen. Knapp 30 Jahre später hat ihm das immerhin Rang neun auf der Forbes-Liste der reichsten Menschen der Welt beschert: Geschätztes Privatvermögen 18,6 Milliarden Dollar.

Doch der Erfolg von Oracle im Datenbankgeschäft ist gefährdet, denn Datenbanken drohen „Commodity“ zu werden, worunter man eine Technik versteht, die allgemein verfügbar ist und für die sich kein hoher Preis mehr erzielen lässt.

Daher versuchen die Anbieter von Datenbanksoftware, durch Analysefunktionen und Zusatzfunktionen den Wert ihrer Softwareprodukte zu heben. Vor diesem Hintergrund ist die aggressive Einkaufstour Oracles auch eine Flucht nach vorn. Sollte Oracle auf die Idee kommen, seine Unternehmenssoftware in der Zukunft als Gesamtpaket oder gar als integriertes Produkt aus Anwendungen, Middleware und Datenbank anzubieten, dann hätte Firmenchef Ellison sein Datenbankgeschäft auf Jahre gesichert.

Bei IBM sieht man Oracles Einkaufstour inzwischen mit wachsendem Unbehagen. Denn IBM fürchtet zu recht, dass Oracle den Kunden von Siebel und Peoplesoft statt IBM-Produkten seine eigenen Datenbanken und Middlewaresoftware verkaufen will.

IBM ist mit rund 16 Milliarden Dollar Softwareumsatz nach Microsoft der zweitgrößte Anbieter der Welt. Dieses Geschäft trägt rund ein Drittel des IBM-Konzerngewinns. Daher kann es sich „Big Blue“ nicht leisten, diesen äußerst lukrativen Markt zu verlieren. Und deshalb werden die schärfsten Konkurrenten für Larry Ellisons Expansionskurs bald nicht mehr in der SAP-Hauptverwaltung im deutschen Walldorf sitzen, sondern in einem Waldstück bei Armonk nahe New York - dem Hauptquartier von IBM.

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