ANALYSE
Telecom Italia: Andauernd besetzt

Europas Ex-Telekommonopolisten sind in Kauflaune. Die spanische Telefonica will die britische O2 übernehmen, an der auch die Deutsche Telekom interessiert war. France Télécom hat im Sommer den Zuschlag für die spanische Amena erhalten. Nur um die Telecom Italia ist es in diesen aufregenden Tagen auffällig ruhig.

HB MAILAND. Jenseits der Alpen ist man vor allem mit sich selbst beschäftigt. Das einzige große Auslandsgeschäft des Konzerns bleibt Brasilien. Im Frühjahr hat sich Telecom Italia (TI) von seinem Geschäft in Griechenland getrennt. Die Expansion im Internet-Breitbandgeschäft in Frankreich, Deutschland und den Niederlanden hält sich in Grenzen. Auch sonst ist eher Rückzug angesagt: TI hat lieber 14 Milliarden Euro für die Wiedereingliederung der Mobilfunktochter Tim bezahlt.

Gewiss, bei einem Schuldenberg von 42 Milliarden Euro ist Kaufzurückhaltung geboten. Aber auch auf dem Heimatmarkt wird das Geschäft härter. Der ägyptische Mobilfunkgigant Orascom hat in diesem Jahr Wind, die Telekomtochter des Stromkonzerns Enel, übernommen. Die neue Werbekampagne von Wind liefert einen Vorgeschmack, mit welch aggressiven Angeboten der früher verschlafene Wettbewerber Marktanteile zurückgewinnen will. Neben Wind und dem zweitstärksten Anbieter Vodafone baut sich bereits der nächste Konkurrent für Tim auf: Auch der Mischkonzern Hutchison Whampoa aus Hongkong macht sich mit seiner auf Handys der dritten Generation (UMTS) spezialisierten Tochter Tre in Italien breit.

Auf dem italienischen Festnetzmarkt sieht das Bild nicht viel besser aus: So hat der hinter Orascom stehende Unternehmer Naguib Sawiris klar gemacht, dass das Festnetzgeschäft Kerngeschäft bleibt. Mit Fastweb wächst ein weiterer, ernst zu nehmender Konkurrent heran. Fastweb bietet eine Kombination aus schnellem Internet, Festnetz-Telefonie und Fernsehen übers Internet an und ist damit eine klare Alternative zu Telecom Italia.

Hinzu kommt die Konkurrenz von der Telefonie per Internet. Das dürfte TI, die inklusive Mobilfunk mehr als drei Viertel des Umsatzes mit der klassischen Telefonie macht, besonders hart treffen. Für die eigenen Internetdienste wiederum buhlt TI heftig und scheinbar ohne Rücksicht auf die Marge um neue Kunden.

Wo also kann TI überhaupt punkten? Derzeit setzen die Italiener vor allem auf die Kombination aus Mobilfunk und Festnetz, die sie den Kunden noch 2006 anbieten wollen. Innerhalb eines Gebäudes funktioniert das Telefon übers Festnetz, außerhalb wie ein Handy – mit den entsprechenden Gebühren. Diese Kombination könnte für viele Kunden ein Kaufargument und damit ein Wettbewerbsvorteil sein. Außerdem hat Tim jüngst ein Abkommen mit dem Medienunternehmen Mediaset unterschrieben, um ihre Inhalte für Handys zu verwerten. Aber ob das reicht, um auf dem umkämpften Markt zu bestehen? Analysten haben da große Zweifel.

Katharina Kort
Katharina Kort
Handelsblatt / Korrespondentin
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