Analyse: Vodafone nun Nummer Vier im „Hexenkessel“

Analyse
Vodafone nun Nummer Vier im „Hexenkessel“

Vodafone geht mit einer Milliardenübernahme auf dem boomenden Mobilfunkmarkt Indien in die Offensive. Mit der drittgrößten Übernahme der Firmengeschichte setzt der vom gebürtigen Inder Arun Sarin geführte Konzern verstärkt auf Schwellenländer - denn die gesättigten Märkte Europas versprechen kaum noch Wachstum.

olm DELHI. Vodafones Vormarsch nach Indien facht die Dynamik eines Mobilfunkmarkts an, der bereits schneller wächst als alle anderen und zugleich zu den am härtesten umkämpften weltweit zählt. Während China Ausländer auf Distanz hält und Konkurrenz auf wenige Staatsfirmen beschränkt, ringen in Indien zwei staatliche und zehn private Anbieter um Kunden. An vier sind Ausländer maßgeblich beteiligt. Die Schlacht um den Massenmarkt in dem boomenden und dennoch bitter armen Land hat den Preis einer Gesprächsminute unter zwei Cent fallen lassen. Das fördert eine Telekommunikationsrevolution mit weit reichenden ökonomischen und sozialen Auswirkungen: Jeder fünfte Handybesitzer nennt nicht einmal ein Fahrrad sein eigen. "Vom Taxifahrer bis zum Gemüsehändler machen Handys die Arbeit von Millionen kleiner Leute effizienter und profitabler", sagt Reliance-Manager Ajay Bijal.

Vodafone ist nach dem Kauf von Hutchison Essar die Nummer vier in diesem Hexenkessel aus Schwindel erregendem Wachstum und mörderischem Wettbewerb. Nur ein paar zehntausend Kunden trennen die Briten von Rang drei, den der Staatskonzern BSNL mit 17 Prozent Marktanteil hält. Vodafone will sich auf 20 bis 25 Prozent vorarbeiten. Analysten erwarten daher, dass der Weltmarktführer aggressiv auftritt und an der Preisschraube mitdreht. "Der Wettbewerb wird sich verschärfen, die Gebühren fallen weiter", glaubt Harit Shah von Angel Broking. Das dürfte ein Marktwachstum von derzeit weit über sechs Millionen neuen Kunden pro Monat stützen. Damit kommt Indien dem ambitionierten Ziel näher, die Zahl seiner Handybesitzer bis 2010 von 150 Millionen auf 500 Millionen zu steigern. Erst 13 Prozent von 1,1 Milliarden Indern telefonieren mobil, aber schon 40 Prozent aller Chinesen.

Zugang zu "Produkten von Weltklasse"

Indiens Wirtschaftsminister Kamal Nath begrüßt Vodafones Ankunft, weil Kunden nun Zugang zu "Produkten von Weltklasse" bekämen. Analysten erwarten, dass die Briten bei Roaming-Angeboten mit dem Pfund ihrer internationalen Präsenz wuchern. Außerdem hat ihre neue Tochter überdurchschnittlich viele kaufkräftige Kunden und eignet sich ideal für neue Mehrwertdienste - vor allem, wenn auch in Indien Anfang 2008 das UMTS-Zeitalter anbricht.

Bharti Airtel gilt als gut gewappnet für den Wettbewerb mit dem bisherigen Partner Vodafone. Der Platzhirsch wächst schneller als Rivalen, ist mit 22 Prozent Marktführer, hat eine starke Marke und in Singapore Telecom einen schlagkräftigen internationalen Partner. Südostasiens führender Telekom-Konzern hält 30 Prozent und hat Interesse am zusätzlichen Erwerb von Vodafones Zehn-Prozent-Anteil an Airtel.

Härter unter Druck gerät die Nummer zwei des Markts, deren Aktie am Montag um 4,6 Prozent abrutschte. Reliance Communications will sein Netz von der amerikanischen CDMA-Technik auf Europas GSM-Standard umstellen und muss nun für den Ausbau aus eigener Kraft drei bis vier Mrd. Dollar einsetzen - ohne Hutchisons Kunden zu bekommen.

Mittelfristig könnte sich nun ein Trend zur Marktkonsolidierung beschleunigen, den die Ratingagentur Fitch trotz dauerhaften, hohen Wachstums für "unausweichlich" hält. Sie erwartet, dass kleinere Anbieter die Segel streichen, bis fünf oder sechs übrig bleiben. Denn in dem Maß, wie sich Märkte in den Großstädten sättigen und nur schwer erreichbare ländliche Gebiete Wachstum bringen, steigen die Investitionskosten. Dieses Jahr dürften Indiens Mobilfunker doppelt so viel für Expansion aufbieten wie 2006.

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