Analyse zu Springer-Zahlen
Der „Bild“-Verlag bleibt ein Mittelständler

Fusion mit Pro Sieben geplatzt, „FT“-Kauf gescheitert: Springer hat zuletzt empfindliche Niederlagen erlitten. Der Medienkonzern muss einsehen, dass er nicht groß genug ist, um international mitzumischen. Eine Analyse.
  • 0

Ein geschickter Verkäufer seiner selbst war Mathias Döpfner schon immer. Sein größtes Talent: der Springer-Chef kann Niederlagen als Siege umdeuten. Bei der Vorlage der wenig glanzvollen Halbjahresbilanz des Berliner Medienkonzerns ist es dem 52-Jährigen gelungen, die geplatzte Fusion mit dem Fernsehkonzern Pro Sieben Sat 1 und die Niederlage im Bieterwettbewerb um die „Financial Times“ in gute Nachrichten umzuwandeln.

Künftig wird Springer gemeinsam mit dem Unterföhringer TV-Konzern Pro Sieben Sat 1 lediglich in Start-ups investieren, um den Umbau des „Bild“-Konzerns weiter voranzutreiben. Den Verzicht auf den teuren Erwerb der britischen Wirtschaftszeitung verkauft der langjährige Vorstandschef als Musterbeispiel für die strenge Finanzdisziplin seines MDax-Konzerns.

Wie es sich für Döpfner gehört, brachte er zur Halbjahresbilanz auch noch eine Neuigkeit mit. Springer wird noch in diesem Jahr eine deutsche Version des amerikanischen Nachrichtenportals „Business Insider“ starten. In den USA ist die Website mit monatlich 39 Millionen Besuchern eine große Nummer. Ob daraus auch in Deutschland eine Erfolgsgeschichte wird, steht jedoch in den Sternen.

Versuche, erfolgreiche US-Wirtschaftswebsite nach Europa zu bringen, sind in der Vergangenheit hierzulande gescheitert. Der Medientycoon Rupert Murdoch stellte zuletzt die deutsche Website der amerikanischen Wirtschaftszeitung „Wall Street Journal“ wegen Erfolglosigkeit ein.

Döpfners Problem ist die Größe des eigenen Konzerns. Gerne würde das erfahrene Aufsichtsratsmitglied des Medienriesens Time Warner am großen Rad drehen. Doch Springer bleibt trotz des erfolgreichen Wachstumskurses ein mittelständisches Familienunternehmen, in dem die Mehrheitsaktionärin Friede Springer das Zepter der Macht nicht aus den Händen legen will. Mit der für nächstes Jahr geplanten Umwandlung der bisherigen SE in eine KGaA wird ihre Stellung noch zementiert.

Der Verzicht auf die „Financial Times“, die schließlich für 1,3 Milliarden Dollar an die japanische Nikkei-Gruppe verkauft wurde, fiel Döpfner schwer. Daraus macht der ehrgeizige CEO keinen Hehl. Denn das lachsfarbene Wirtschaftsblatt aus London wäre ein Juwel in der Krone des anglophilen Springer-Chefs gewesen. Doch Döpfner, der vor etlichen Jahren schon für den „Daily Telegraph“ geboten hatte, musste erkennen, dass der aufgerufene Preis für einen Mittelständler wie Springer doch zu hoch war.

Der Fall „Financial Times“ lehrt, dass Springer als Käufer von teuren Medienunternehmen auf dem internationalen Parkett nur eine Nebenrolle spielen kann. Döpfner muss notgedrungen kleinere Brötchen backen. Geplant sind Zukäufe, insbesondere von digitalen Unternehmen, in einem Volumen von 100 Millionen Euro. Somit ist es noch ein langer Weg, um mit den Riesen im globalen Mediengeschäft auf Augenhöhe zu kommen.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa

Kommentare zu " Analyse zu Springer-Zahlen: Der „Bild“-Verlag bleibt ein Mittelständler"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%