Analyse zum Springer-Funke-Deal
Döpfners kalte, digitale Konsequenz

Die am Mittwoch bekanntgegebene Eingliederung der Berliner Boulevardzeitung B.Z. bei der Bild-Gruppe war also nur die Ouvertüre. Mit dem Verkauf von zentralen Unternehmensteilen (u.a. Abendblatt, Hörzu) an die Funke Mediengruppe hat die Axel Springer AG der Branche eine Nachricht beschert, an der sie noch lange zu knabbern haben wird. Es gibt viele Lesarten: Traditionsverrat, Erz-Kapitalismus, Konsequenz, gelebte Digitalisierung, Börsen-Fantasie. Plötzlich ist zu spüren, was der digitale Wandel bedeutet.
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HamburgBei dem aktuellen Megadeal der Medienbranche gibt es zwei Perspektiven: die der Mitarbeiter und die der Konzerne und Finanzmärkte. Nicht wenige Springer-Mitarbeiter beim Hamburger Abendblatt, bei der Berliner Morgenpost, bei der Hörzu, bei TV Digital, bei Bild der Frau sind geschockt. Niemand wird gerne als Alt-Geschäft verkauft. Schon gar nicht an die Funke Gruppe, die den Ruf hat, ihren Laden kaputt zu sparen.

Was bedeutet der Deal für die Verkauften? Der Standort Hamburg hat für Springer keine zentrale Bedeutung mehr. Vielleicht sitzt bald noch das eine oder andere zu gründende Gemeinschaftsunternehmen von Funke/Springer in HH, vielleicht auch nicht. Künftig wird die Axel Springer AG ohne jeden Abstrich ein Berliner Unternehmen sein. Ängste sind in Hamburg natürlich da. Die Funke-Tochter Gong Verlag betreibt bei München bereits eine Gemeinschaftsredaktion für diverse TV-Zeitschriften. Ebenso erscheinen dort bei der WAZ Women Group diverse Frauentitel, zu denen die verkauften Bild der Frau und Frau von Heute gut passen. Wird die Funke Gruppe dauerhaft zwei Magazin-Standorte betreiben? Das darf bezweifelt werden.

Eine Regionalzeitung wie Hamburger Abendblatt oder die Berliner Morgenpost kann man nicht aus der Ferne führen. Wohl aber kann man den Überregionalen von außerhalb beisteuern. Die WAZ hat dafür ihren berühmten Content Desk, der von Essen aus alle NRW-Zeitungen der Funke Gruppe mit überregionalen Inhalten versorgt. Synergien, ick hör dir trapsen.

Die Funke Gruppe hat eine interne Neuordnung hinter sich, die nicht ganz billig war. Früher gehörte die WAZ-Gruppe zu gleichen Teilen den beiden zerstrittenen Familienstämmen Brost und Funke. Anfang 2012 haben Günther Grotkamp und seine Frau Petra, die den Funke-Stamm repräsentieren, die Eigentümer des anderen Stammes ausgezahlt. Für die Finanzierung des 500-Millionen-Deals musste ein Kredit aufgenommen werden. Seitdem steht die neu formierte Funke Gruppe unter enormem Spar-Druck.

Und jetzt muss die Gruppe auch noch den Kaufpreis von 920 Mio. Euro stemmen. Das geht wieder nur mit Krediten. Es ist bezeichnend, dass Springer der Funke Gruppe sogar 260 Mio. Euro leiht, damit diese in der Lage ist, die von Springer ungeliebten Print-Produkte zu kaufen. Damit wären wir nun bei der zweiten Perspektive auf den Mega-Deal, der Konzern-Perspektive.

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Eine neue Zitrone für Funke, Fantasie für Springer

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  • Die Entscheidungen, die Herr Döpfner fällen mußte resultiert doch nicht aus irgendwelchen falschen Strategiegedanken, sondern schlicht und alleine daraus, dass der Zeitungsabsatz sinkt. Das liegt aber nicht am Internet, sondern an schlicht uninteressanten Produktem. Eitle Journalisten, die Leute müssten dankbar ihre Ergüsse lesen und dafür Geld bezahlen. Das gibt es aber nur im öffentlich rechtlichen Brereich. Wenn Auflagen sinken liegt das am Inhalt der zeitungen und nicht am Leser oder dem Internet. "Die Zeit" und "Landlust" sind die besten Beispiele mit steigenden Auflagen. Die jetzige Entwicklung ist das Ergebnis von Hybris und Einbildung in den Redaktionen. Auflagenrückgänge sind das Ergebnis schlechter Inhalte und nichts gottgebenes.ber das wird man in den Redaktionen vieler Zeitungen erst verstehen, wenn es kaum noch Zeitungen gibt. Charles Dickens hat eine ganze Zeitung dadaurch am Leben erhalten, dass sein Fortsetzungsroman nur dort erschien und alle Welt sich dehalb die Zeitung kaufte. Und die von allen belächelte "Landlust" hat eine höhere Auflage als der Spiegel.

  • aus heutige Sicht alles RICHTIG gemacht. Springer braucht aber solide Geschwindigkeit, die für DIGITAL nötig ist. Die Verlage in Deutschland sind nicht an "SPEED" gewöhnt

  • Es ist traurig, dass wir in der heutigen geschäftlichen Welt NUR noch umgeben sind von skupellosen Profitgeiern.

    Niemand hat mehr soziales Verantwortungsbewusssein. Wenn es den Gesetzgeber und auch Gewerkschaften nicht gäbe, wären wir allesamt Lakaie und Speichellecker.

    Aber die Tage der Manager und Ausnutzer sind gezählt. Die Welt ist in Bewegung und dann können sie die Beine in die Hand nehmen. Und wenn deren LebensZeit zu Ende sein wird, wartet der Mann mit dem Dreizack. Nix Blumenwiese. Ich freu mich schon drauf. ;-)

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