Analyse zur Siemens-Bilanz
Klaus Kleinfeld kann es

Keine Frage, Klaus Kleinfeld hat als Siemens-Chef Fehler gemacht. Doch der unfähige Manager, als den ihn viele Kritiker hinstellen, ist er beileibe nicht. Das zeigt einmal mehr die Bilanz des abgelaufenen Geschäftsjahres. Das Handelsblatt wirft einen differenzierten Blick auf den Buhmann der Nation.

Vielleicht sollten wir an dieser Stelle die Pleite von BenQ und das damit verbundene Theater für ein paar Augenblicke beiseite stellen. Es hat nichts mit mangelnder Rücksichtnahme gegenüber den Nöten der vom Jobverlust Bedrohten zu tun, wenn man feststellt: Klaus Kleinfeld kann sich nicht fortwährend um einen desolaten deutschen Handybauer, wortbrüchige Taiwaner oder die mit dem Desaster verbundenen eigenen Artikulationsdefizite kümmern. Seine eigentliche Aufgabe ist es, Siemens zu führen, den Münchener Weltkonzern mit 461 000 Beschäftigten – von denen übrigens 37 000 während seiner Amtszeit neu unters Konzerndach schlüpften.

Da wird man Klaus Kleinfeld zwar manche Ungeschicklichkeit nachsagen können, Hektik an der falschen Stelle, vielleicht auch etwas zu hemdsärmelige Verhaltensweisen. Sieht man aber auf das Ergebnis seiner Arbeit, so braucht es viel Missgunst, um nicht wenigstens Ansätze von Erfolg zu sehen.

Als Klaus Kleinfeld, an dessen Zügen die Aufregung der vergangenen Wochen nicht spurlos vorbeigegangen ist, am Donnerstag das Jahresergebnis seines Hauses vortrug, da strahlte für kurze Augenblicke das auf, was die Stärke des Managers ausmacht: Vom Kundennutzen als entscheidendem Erfolgskriterium redete er. Seine Worte kamen Schlag auf Schlag, mit Tempo und Überzeugungskraft. Kleinfeld als Beweger, so sieht er sich selbst wohl auch am liebsten. Kleinfeld ist dabei kein Visionär, aber er ist einer, der Ideen mit Tempo in die Tat umsetzt, das ist gerade für Siemens nicht so alltäglich.

Gut möglich, dass er dabei in den letzten Monaten ein wenig zu viel des Guten getan hat. Gut möglich, dass die Gewerkschaften auch deshalb inzwischen so allergisch auf ihn reagieren und jede kleine Schwäche für ihre Zwecke nutzen – warum sollten sie auch nicht. Schließlich hat sich das Haus Siemens, lange Jahre eine Art gewaltiges Entwicklungslabor mit angeschlossenen Fertigungsabteilungen, in den vergangenen Jahren so stark gewandelt wie kaum in seiner langen Geschichte.

Seite 1:

Klaus Kleinfeld kann es

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%