Analysten begrüßen Mark Hurd als pragmatischen Sanierer von Hewlett-Packard
Neuer HP-Chef kommt im „Blaumann”

Der neue HP-Chef Mark Hurd hat an der Wall Street einen guten Ruf als Sanierer in schwierigen Firmensituationen. Technik-Analyst Mark Stahlman von Caris & Co in New York sieht Hurd als den richtigen Mann zur richtigen Zeit.

Er sei ein Typ, der im Kampf die Fahne an sich reißt und die Truppen führt. Andere nennen Hurd einen „Blue-Collar-CEO“. In Deutschland sprechen wir in diesem Zusammenhang nicht vom „blauen Kragen“, sondern vom „Blaumann“, der Arbeitskleidung von Arbeitern.

Einen Spitzenmanager mit solchem Image braucht HP in diesen Tagen. Branchenbeobachter sind sich einig, dass HP mit Mark Hurd einen Chef bekommt, der als Persönlichkeit das Gegenteil von Carly Fiorina ist. Während die gefeuerte Ex-Chefin im Firmenjet das Rampenlicht internationaler Konferenzen suchte, ist Hurd als „Arbeitsbiene“ mit ausgeprägtem Sinn für das Alltagsgeschäft bekannt. Hurd verkörpere die zweite Hälfte, die Fiorina gebraucht hätte – "zupackendes Handeln im Alltagsgeschäft", war in der US-Presse zu lesen.

Der Sanierer von NCR schaffte es durch seine pragmatische Art, den einige Jahre schwer angeschlagenen Ostküsten-Konzern aus den roten Zahlen zu bringen. Das brachte ihm nun den Ruf an die Westküste in die Firmenzentrale von HP an der Hanover Street in Palo Alto. NCR war noch vor gut zehn Jahren in der Branche bekannt wie HP, hatte aber nach Jahren als Tochter des heute zerschlagenen Telekommunikationskonzerns AT&T stark gelitten. NCR – der Name steht für National Cash Register – hat seine Wurzeln als Marktführer bei Registrierkassen. Heute ist NCR weltweit bekannt als Hersteller von Bankautomaten und Kasseneinrichtungen im Handel.

Das in Dayton im US-Bundesstaat Ohio angesiedelte Unternehmen kann auf eine langjährige Erfahrung mit Hard- und Software der Computerbranche zurückblicken. Mark Hurd war, bevor er Chef von NCR wurde,der Boss des Tochterunternehmen Teradata, das Datenwarenhaussysteme vertreibt. Er hat somit gute Erfahrung in der IT-Branche. Obwohl Hurd 2004 bei NCR nur einen Umsatz von sechs Milliarden Dollar zu verantworten hatte, waren die Probleme bei NCR ähnlich komplex wie beim weitaus größeren HP-Konzern mit einem Umsatz von 82 Milliarden Dollar.

Nun soll Hurd HP wieder zu einem profitablen Konzern machen. Dies scheint das wichtigste Ziel. Denn es war die Frage des Profits und damit verbunden des Aktienkurses, die dazu führte, das Carly Fiorina vor zwei Monaten gefeuert wurde. Nach Meinung von Branchenbeobachtern glaubte sie, die IT-Branche sei in ihrer Entwicklung bereits gesättigt. Dabei entwickelt die Branche derzeit aus einem starken Wandel in der Verbraucherelektronik einen neuen Wachstumsschub nach dem Motto – neue Endgeräte brauchen neue Server. HP hat dazu alle Potentiale, wie Hurd in seiner Antrittsrede am Mittwoch in Palo Alto bestätigte. Die strategische Frage, ob der Silicon Valley Pionier in Zukunft als große Einheit oder als getrennte Geschäftsbereiche antreten will, hielt er vorläufig noch offen. Antreten aber muss HP unter seinen neuen „Blauer-Kragen-Chef“ gegen namhafte Mitbewerber wie Dell und IBM, aber auch gegen die starken Kräfte in Japan und China. Dazu wird er sich vermutlich neue Manager an Bord holen.

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