Analysten erwarten weniger Verlust bei Infineon und einen steigenden Aktienkurs
Preise für Speicherchips klettern wieder

Endlich wieder gute Nachrichten für die Chipindustrie: Die Preise für die wichtigen Speicherchips, so genannte Drams, sind in den vergangenen Tagen angezogen. Damit steigen die Chancen, dass große Speicherchip-Produzenten wie die Münchener Infineon Technologies AG wieder in die schwarzen Zahlen kommen.

jojo MÜNCHEN. „Die Aussichten für den Juli sind gut“, so die positive Einschätzung des angesehenen Marktinformationsdienstes Dram-Exchange. Der Grund für die Zuversicht: Wichtige Abnehmer aus der Computerindustrie erwarten in den nächsten Monaten steigende Absatzzahlen. Für die wichtigsten Dram-Sorten prognostizieren die Experten in der laufenden Woche ein Plus auf dem Markt für längerfristige Lieferungen zwischen fünf und 10 Prozent.

Die Chip-Preise nähern sich jetzt immer mehr den Produktionskosten an. Außer Marktführer Samsung hat zuletzt kein Hersteller mit Drams Geld verdient. Im Gegenteil: Seit knapp zwei Jahren fahren führende Anbieter wie die Nummer Zwei am Weltmarkt, der US-Konzern Micron, oder die Nummer Drei, Infineon, hohe Verluste ein, weil die Preise weit unter den Herstellungskosten liegen. Wichtigster Grund für den Preisverfall waren riesige Überkapazitäten.

Doch diese bitteren Zeiten könnten bald vorbei sein. Hypo-Vereinsbank-Analyst Günther Hollfelder schätzt, dass Infineon im letzten Quartal des Jahres die Gewinnschwelle erreichen könnte. Schon das gerade beendete Quartal wird nach Ansicht der Analysten wesentlich besser ausfallen als die drei Monate zu Jahresbeginn, als rote Zahlen von 328 Mill. Euro aufliefen. Im Schnitt rechnen die großen Banken für Infineon für das zweite Quartal mit einem Netto-Verlust von knapp 200 Mill. Euro. Allerdings liegen die Schätzungen weit auseinander und reichen von minus 300 Mill. Euro bis knapp über minus 100 Mill. Euro.

Die Börsen haben die Lichtblicke der vergangenen Wochen bereits honoriert: Die Infineon-Aktie kletterte im laufenden Jahr – von einem niedrigen Niveau – um knapp 18 %. Am Donnerstag legte das Papier in einem freundlichen Markt um 1 % auf 9 Euro zu. Die Hypo-Vereinsbank hat ihr Kursziel Mitte der Woche auf 12 Euro angehoben.

Weltweit sind die Dram-Verkäufe nach Angaben des amerikanischen Branchenverbands Sia im Mai um 2,5 % geklettert. Alles in allem geht Sia davon aus, dass der Halbleiterverkauf in diesem Jahr um etwa 10 % gegenüber dem schwachen Jahr 2002 steigt. 2004 soll es dann noch stärker aufwärts gehen, bevor die Wachstumsraten in den darauf folgenden Jahren wieder abnehmen. Derartige Ausschläge sind typisch für die stark zyklische Branche.

„SARS und die politischen Unsicherheiten sind unter Kontrolle. Deshalb erwarten wir eine steigende Nachfrage in allen Regionen der Erde im zweiten Halbjahr, vor allem aber in China“, betonte Sia-Präsident George Scalise. Wegen der Lungenkrankheit hatten zahlreiche High-tech-Konzerne ihre Prognosen für das gerade abgelaufene Quartal zurückgenommen.

SARS hat die Unternehmen vor allem deshalb so stark belastet, weil die Seuche besonders die schnell wachsende chinesische Volkswirtschaft getroffen hat. Asien ist die einzige Gegend, in der es in den Elektronik-Branchen noch kräftig aufwärts geht.

Unternehmen wie Samsung könnten von dem jetzigen Preisanstieg doppelt profitieren, so die Marktbeobachter von Dram-Exchange. Die Kunden seien derzeit bereit, einen Aufschlag für die Marke zu zahlen. Zudem habe Samsung auch wegen seiner großen Kapazitäten Vorteile, da die koreanische Firma schnell lieferbereit sei. Der angeschlagene koreanische Konkurrent Hynix dagegen müsse im Gegenzug schlechtere Konditionen hinnehmen.

Die neue Situation zeigt sich besonders auf dem Spot-Markt für kurzfristige Lieferungen. Dort bieten die Hersteller ihre Überkapazitäten an. In den vergangenen Monaten lagen die Preise auf dem Spotmarkt meist wesentlich niedriger als auf dem Markt für langfristige Aufträge, weil die Produzenten froh waren, ihre Chips los zu werden. Mit der stärkeren Nachfrage dünnt der Spot-Markt nun aber aus. Die Preise sind deshalb zum Teil weit höher als in Langfrist-Verträgen.

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