Analysten fürchten einen teuren Übernahmekampf um die US-Mobilfunkgesellschaft
AT&T-Gebot drückt Vodafone-Aktienkurs

Der Eintritt des britischen Mobilfunkkonzerns Vodafone in einem Bieterwettstreit auf dem US-Mobilfunkmarkt hinterlässt immer deutlichere Spuren beim Aktienkurs des Unternehmens: Er fiel gestern an der Londoner Börse im Tagesverlauf um mehr als 4 % auf 131,25 Pence.

and/slo/wsj LONDON. Analysten begründeten dies mit der Sorge um eine teure Übernahmeschlacht in den USA: Vodafone ist nach Angaben aus informierten Kreisen einer der Bieter für den US-Mobilfunkbetreiber AT&T Wireless. Demnach nähert sich das Gebot des britischen Konzerns 14 $ pro Aktie und damit einem Gesamtwert von 38 Mrd. $ an. Vodafone konkurriert dabei mit der US-Mobilfunkgesellschaft Cingular Wireless, die offenbar auch bereit ist, 38 Mrd. $ für den kleineren Konkurrenten AT&T Wireless zu zahlen.

Der Vodafone-Aktienkurs ist bereits seit Mitte Januar im Sinkflug – da kamen die ersten Spekulationen auf, Vodafone könnte für AT&T Wireless bieten. „Der Markt will Vodafone nicht in einer Bieterschlacht sehen“, sagte Martin Sachsenmaier, Vermögensverwalter bei Frankfurt Trust, gestern. „Es ist wichtig, dass das Wachstum intakt bleibt.“ Analysten schätzen, dass eine Übernahme der US-Mobilfunkgesellschaft das Vodafone-Ergebnis um bis zu 20 % drücken könnte – keine guten Aussichten für die Anleger. Die Investmentbank Smith Barney stufte Vodafone-Aktien gestern von „Kaufen“ auf „Halten“ herunter.

Mit dem Kauf von AT&T Wireless will der britische Konzern offenbar sein Ziel erreichen, mit der eigenen Marke auf dem US-Markt präsent zu sein. Bisher ist das nicht möglich, da Vodafone nur eine Minderheitsbeteiligung an Verizon Wireless, dem Mobilfunkmarktführer in den USA, besitzt. Diesen Anteil, der einen Wert von etwa 20 Mrd. $ hat, müsste das Unternehmen aber aus kartellrechtlichen Gründen bei einem Kauf von AT&T Wireless veräußern. Eine bisher bestehende Ausstiegsklausel sieht den Verkauf in zwei Schritten vor: Einen Teil der Beteiligung könnte Vodafone diesen Sommer verkaufen, einen weiteren zwischen 2005 und 2007.

Cingulars Interesse von vornherein klar

Die Briten seien zunehmend aggressiver und entschlossener, AT&T Wireless zu übernehmen, nachdem sie anfangs eher zögerlich wirkten und bis zur letzten Minute mit der Abgabe ihres Eröffnungsangebots warteten, verlautete gestern aus dem Umfeld der Beteiligten. Bei dem Konkurrenten Cingular Wireless war dagegen das Interesse an einem Kauf von AT&T Wireless von vornherein klar. An den Finanzmärkten wird erwartet, dass Cingular auf Grund von Synergieeffekten bei der Zusammenlegung seiner Netze mit AT&T Wireless bis zu zwei Dollar je Aktie mehr als Vodafone zahlen könnte.

Cingular ist der zweitgrößte US-Mobilfunkbetreiber und gehört den Festnetzkonzernen SBC Communications und Bell South. Bei einem Kauf von AT&T Wireless durch Cingular würde sich die Zahl der landesweiten US-Mobilfunknetzbetreiber auf fünf reduzieren. Cingular erwartet dadurch Einsparungen von bis zu 3 Mrd. $ jährlich; die Mutterkonzerne erhoffen sich eine wachstumsstärkere und profitablere Mobilfunktochter, die die zurückgehenden Umsätze von SBC und Bell South im Festnetz kompensieren kann. „Wir sehen Cingular klar im Vorteil“, sagte ein Londoner Analyst. „Sie haben die Unterstützung der Aktionäre und dürften mehr Synergien bei einem Zusammenschluss haben.“

Der US-Mobilfunkmarkt gilt im Vergleich zu Europa noch als wachstumsstark, da erst knapp die Hälfte der Bevölkerung ein Mobiltelefon nutzt. Hinter dem drittgrößten Anbieter AT&T Wireless mit zuletzt rund 22 Millionen Kunden rangieren Sprint, Nextel und T-Mobile USA.

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