Analysten geben dennoch keine Entwarnung
Dell hängt Rest der Computerbranche ab

Aufatmen bei den Computerbauern: Endlich steigen die Absatzzahlen wieder. Im zweiten Quartal seien die Verkäufe weltweit wesentlich stärker angezogen als erwartet, teilten die Analysten von IDC mit. IDC hat ein Plus von fast 8 % gegenüber dem Vorjahr errechnet, die Experten von Gartner gehen sogar von 10 % aus. Das ist das kräftigste Wachstum seit knapp drei Jahren.

je/jojo PORTLAND/MÜNCHEN. Größter Gewinner ist einmal mehr der Computerbauer Dell. Die Amerikaner sind weltweit die Nummer eins und wesentlich stärker gewachsen als der nächste Verfolger, Hewlett-Packard. „Die Kunden honorieren unser effizientes Geschäftsmodell, das auf Händler ganz verzichtet“, sagte der Deutschland- Chef von Dell, Mathias Schädel, dem Handelsblatt. Das US-Unternehmen vertreibt seine Produkte ausschließlich über eigene Mitarbeiter, zumeist per Internet.

Doch nicht nur Dell kann zufrieden sein. Eine Mixtur aus wachsendem Dienstleistungsgeschäft, Kostensenkungen und erfolgreichen Akquisitionen brachte Wettbewerber IBM im zweiten Quartal deutlich verbesserte Ergebnisse. Zwischen April und Juni stiegen der Umsatz um 10 %auf 21,6 Mrd. $ und der Reingewinn auf 1,7 Mrd. $. Sonderlasten in Höhe von 1,4 Mrd. $ hatten den Vorjahresgewinn auf 56 Mill. $ gedrückt.

Der kultige Nischenanbieter Apple dagegen steht nicht ganz so gut da. Die US-Firma steigerte im zweiten Quartal zwar den Umsatz um 8,1 % auf 1,55 Mrd. $. Der Nettogewinn ging jedoch von 32 auf 19 Mill. $ zurück. Apples Ergebnisse übertrafen damit die pessimistischen Erwartungen der Analysten. Apple gilt seit langem als innovativ und experimentierfreudig, der weltweite Marktanteil lag 2002 aber nur noch bei 2,3 % gegenüber 8,3 % vor zehn Jahren.

Trotz der guten Verkaufszahlen der Computerbranche geben die Analysten noch keine Entwarnung. „Ob es weiter nach oben geht, hängt stark von der Entwicklung der Weltwirtschaft und ihrem Einfluss auf die Investitionsbereitschaft der Unternehmen ab“, sagte Gartner-Analyst Charles Smulders. Vor allem die US-Unternehmen seien weiter sehr zurückhaltend mit IT-Investitionen. In einer Konferenzschaltung betonte IBM-Finanzchef John Royce, dass die Nachfrage nach Informationstechnologie gegenwärtig gut, aber nicht robust sei. Ähnlich hatte sich Anfang der Woche schon Intel geäußert, der weltgrößte Chip-Produzent.

Obwohl IBM nicht von einem kräftigen Aufschwung in der zweiten Jahreshälfte ausgeht, will das Unternehmen seine Ergebnisse weiter verbessern. Analysten erwarten laut Thomson First Call für das Gesamtjahr 88,2 Mrd. $ Erlöse und 4,32 $ Gewinn pro Aktie. IBM lebte früher von hohen Gewinnspannen im Geschäft mit Großrechnern. Mittlerweile macht der Konzern den größten Teil seines Umsatzes mit Software und IT-Dienstleistungen.

Der vom früheren IBM-Chef Louis Gerstner eingeleitete Wandel zum neutralen Berater, Systemintegrator und Installateur von Software Dritter – etwa von SAP und Peoplesoft – wurde von seinem Nachfolger Sam Palmisano forciert. Nach dem Kauf der IT-Beratung von Pricewaterhouse-Coopers und der Rational Software Corp. wird dieser Bereich laut Palmisano im laufenden Jahr einen Umsatzanteil von fast zwei Dritteln erreichen, gegenüber 50 % vor fünf Jahren.

Die PC-Zahlen sind vor allem ein gutes Zeichen für die Halbleiter- Branche. Denn von den steigenden Verkäufen profitieren insbesondere Hersteller wie Infineon, die Speicherchips produzieren. In den vergangenen Wochen sind die Preise für so genannte Drams merklich geklettert, nachdem sie zuvor über Monate weit unter den Herstellungskosten lagen.

Nach der Rally der High-tech- Werte in den vergangenen Wochen zeigten sich die Investoren gestern zurückhaltend. An der Wall Street verloren IBM rund 4 % auf etwa 83,60 $. Dell gaben in einem schwachen Markt 2 % auf 33,20 $ ab. Infineon notierten bei 10,70 Euro ebenfalls 2 % niedriger.

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