Analysten kritisieren Festhalten an den beiden Konzernsparten Musik und Telekom
Neuer Konzernchef Lévy lässt bei Vivendi alles beim Alten

Neuer Chef, alter Kurs: Jean-Bernard Lévy, seit Donnerstag neuer Vorstandschef beim französischen Medien- und Telekomkonzern Vivendi Universal, will den Zuschnitt des Unternehmens nicht entscheidend verändern. Für die kommenden zwei Jahre sind keine Zukäufe geplant.

PARIS. „Wir werden in den kommenden zwei Jahren keine größeren Zukäufe machen“, sagte der Lévy gestern auf der Hauptversammlung. Ferner will der Konzern keinen seiner Bereiche aufgeben: „Vivendi Universal hat 50 Prozent seiner Aktiva im Bereich Medien und 50 Prozent in der Sparte Telekommunikation“, sagte er „La Tribune“, der Partnerzeitung des Handelsblatts. Auch die Musiksparte Universal Music Group bleibe im Konzern.

Lévy setzt damit nahtlos den von seinem Vorgänger Jean-René Fourtou eingeschlagenen Kurs fort. Analysten kritisieren daran, damit fehle Vivendi Universal weiterhin eine klare Fokussierung. Fourtou hatte im Juli 2002 die Leitung von Vivendi Universal übernommen, als das Unternehmen drohte, unter seinem Schuldenberg zusammenzubrechen. Er sanierte den Konzern mit milliardenschweren Unternehmensverkäufen – so ging etwa die Film-Sparte für 2,3 Milliarden Euro an die General-Electric-Tochter NBC.

Fourtou zieht sich aber nicht aus dem Unternehmen zurück: Er wacht als Chef des neu geschaffenen Aufsichtsrats über die großen strategischen Fragen. Aktionäre monierten, Fourtou bleibe so letztlich der wahre Chef bei Vivendi.

Derzeit agiert Vivendi Universal im Bereich Telekom (Mobilfunk: SFR, Festnetz: Cegetel), und Medien (TV: Canal Plus Group, Musik: Universal Music Group, Spiele: Vivendi Universal Games). Zwei Drittel des Gewinns steuert allein die Mobilfunk-Tochter SFR bei, die zu 44 Vodafone gehört.

Analysten kritisieren seit langem diese zersplitterte Struktur des Konzerns. Die einzelnen Unternehmensteile hätten nicht viel miteinander zu tun; Vivendi gleiche eher einem Investment-Fonds als einem integriertem Unternehmen. Lévy will nun vor allem die „Wachstumsreserven im Konzern“ zu mobilisieren. Diese Reserven könnten durch mehr gemeinsame Projekte der einzelnen Konzernmarken gehoben werden, sagte er „La Tribune“. Als Beispiel zitierte er das Herunterladen von Musikstücken auf das Mobiltelefon oder die Entwicklung eigener Spiele für Handys. Analysten überzeugt das nicht.

„Das Gerede von Konvergenz haben wir schon einmal gehört“, sagt Pierre Bucaille vom Pariser Broker Fideuram Wargny. Die Experten wollen von Lévy wissen, was dieser mit dem erheblichen Cash-flow von Vivendi Universal vorhat. Der Konzern weist derzeit nur noch Schulden von 3,1 Mrd. Euro aus; im Juli 2002 waren es über 35 Mrd. Euro gewesen. Dem steht ein Selbstfinanzierungsvolumen von geschätzten vier Mrd. Euro gegenüber.

Mit dem Versprechen, in den kommenden zwei Jahren nicht zuzukaufen, will der neue Vivendi-Chef vor allem die Finanzmärkte beruhigen. „Vivendi hat bei Zukäufen eine extrem niedrige Marge“, urteilt Bucaille. Denn die zügellose Einkaufs-tour des 2002 geschassten Vivendi-Chefs Jean-Marie Messier hatte den Konzern fast ruiniert.

Ohne Zukäufe wird Vivendi Universal vermutlich versuchen, die Anleger mit Aktienrückkäufen bei Laune zu halten. Denn die Vivendi-Aktien werden mit einem Abschlag auf den fairen Wert der einzelnen Konzernteile gehandelt. Trotz der Sanierung muss sich der neue Vivendi-Chef um einige Baustellen im Konzern kümmern. Das Musikgeschäft kommt erst langsam aus der Krise; ob das legale Herunterladen von Musikstücken als Ertragsstandbein taugt, ist noch zu beweisen.

Auch hinter Canal+ setzen Finanzexperten ein Fragezeichen. Frankreichs größter Pay-TV-Kanal bezahlte exorbitante 1,8 Mrd. Euro, um sich die Übertragungsrechte an der französischen Fußball-Liga zu sichern. Dass der Sender das Geld je wieder einspielen wird, gilt als höchst unsicher. Die Konkurrenz durch die neuen frei empfangbaren digitalen Kanäle stelle zudem das Geschäftsmodell in Frage.

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