Analystenprognosen exakt getroffen
IBM-Gewinn dank Kostensenkungen und Zukäufen gestiegen

Der Computerkonzern International Business Machines (IBM) hat den Gewinn im abgelaufenen Quartal dank weiterer Kostensenkungen und Zukäufen deutlich gesteigert und die Analystenprognosen exakt getroffen. Nachbörslich sank der Aktienkurs am Mittwochabend allerdings um 2,5 % auf 84,50 Dollar. Analysten sprachen von soliden, aber nicht berauschenden Quartalszahlen. So sei die Zahl neuer Dienstleistungsverträge schwächer als erwartet ausgefallen.

Reuters NEW YORK. Finanzchef John Joyce stellte in Aussicht, dass IBM beim Gewinn und Umsatz die Analystenprognosen für 2003 erfüllen werde. Von einer bevorstehenden Erholung der seit mehr als zwei Jahren in der Krise steckenden Technologiebranche wolle er aber noch nicht sprechen. „Es ist weiter ein schwieriges Marktumfeld, aber ich denke, wir können und werden im zweiten Halbjahr etwas besser dastehen“, sagte er.

Der Netto-Gewinn stieg nach IBM-Angaben auf 1,7 Mrd. Dollar oder 0,97 Dollar je Aktie von 56 Mill. Dollar vor einem Jahr. Das Vorjahresergebnis wurde allerdings durch Sonderbelastungen für Stellenstreichungen und die Kosten für die Aufgabe defizitärer Geschäftsbereiche in Höhe von 1,4 Mrd. Dollar belastet. Den Quartalsumsatz bezifferte das in Armonk im Bundesstaat New York ansässige Unternehmen mit 21,6 Mrd. Dollar, was einem Anstieg zum Vorjahr um rund zehn Prozent entspricht.

IBM schloss im zweiten Quartal neue Dienstleistungsverträge im Volumen von 10,7 Mrd. Dollar ab. Die Zahl sei aber schwächer als erwartet ausgefallen, sagte Sunil Reddy, Fondsmanager des Fifth Third Technology Fund, der IBM-Aktien hält. Es sei mit Verträgen in einem Volumen von rund zwölf Mrd. Dollar gerechnet worden. Andere Analysten hoben jedoch die Bedeutung des Dienstleistungsbereichs hervor. „Bei den Zahlen der Service-Sparte knallen die Champagner-Korken“, sagte Peter Kastner, Chef-Analyst bei der Aberdeen Group. Der Rest des Quartalsberichts sei dagegen weniger berauschend. „IBM sehnt eine Erholung der Weltwirtschaft herbei und verspricht sich davon steigende Auslieferungen“, fügte er hinzu.

IBM-Finanzchef: Nachfrage gut, aber nicht robust

Finanzchef Joyce nannte die derzeitige Technologienachfrage gut, aber noch nicht robust. Es sei daher auch noch zu früh, eine Erholung vorherzusagen. Bereits 2001 und 2002 hätten Technologieunternehmen eine Belebung für das jeweilige zweite Halbjahr prognostiziert und seien dann von der Realität widerlegt worden.

Aus dem fortgeführten Geschäft, also ohne die Ende 2002 verkaufte defizitäre Festplatten-Sparte, erzielte IBM den Angaben zufolge einen Gewinn je Aktie von 0,98 Dollar. Auf dieser Basis hatten von Reuters befragte Analysten im Durchschnitt ein Ergebnis in genau dieser Größenordnung bei Umsätzen von 21,43 Mrd. Dollar erwartet.

Weitere Verluste in der Technologiesparte erwartet

Joyce bekräftigte, dass IBM die Erwartungen für 2003 erfüllen werde. Einer Reuters-Umfrage zufolge rechnen Analysten für 2003 mit einem Erlös von 88,23 Mrd. Dollar und einem Gewinn je Aktie von 4,32 Dollar. Joyce sagte jedoch, er rechne nicht damit, dass die Technologie-Sparte in diesem Jahr profitabel sein werde und führte dies zum Teil auf den langsamen Produktionsbeginn im neuen Halbleiter-Werk East Fishkill in New York zurück. In diesem Bereich verbuchte IBM im zweiten Quartal einen Verlust von 111 Mill. Dollar. „Es war sehr entmutigend zu hören, dass es im Halbleiterbereich folgerichtig eine Verluststeigerung um 100 Mill. Dollar gegeben hat und dass es sich im dritten Quartal nicht sehr verbessern wird“, sagte ein Analyst von Lehman Brothers Dan Niles.

Die Technologiebranche steckt seit mehr als zwei Jahren in einer Krise, weil die Investitionen hauptsächlich wegen der weltweiten Konjunkturabkühlung stark zurückgegangen sind. Hersteller wie Investoren warten nun auf Signale für ein Ende der Flaute. Auch der weltgrößte Chip-Hersteller Intel hatte am Vortag einen deutlichen Gewinnanstieg verbucht, was Analysten aber wie bei IBM überwiegend auf Kostensenkungen zurückführten und weniger als Signal für eine durchgreifende Erholung der Branche werteten. Die Unternehmen versuchen seit Beginn der Krise, der schrumpfenden Nachfrage mit Kosteneinsparungen zu begegnen, um weiter Gewinne zu erzielen.

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