Android
Google wirft Apple und Microsoft Kampagne vor

In einem Eintrag in Googles Firmenblog wirft der Chefjustiziar Apple, Microsoft und Oracle vor, eine gemeinsame Kampagne gegen Googles Smartphonesoftware Android zu inszenieren. Und die Angreifer sind fast am Ziel.
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Googles Chefjustiziar David Drummond beklagt sich, Ziel der Rivalen sei es mit Hilfe von Scheinpatenten und einem aus dem Ruder gelaufenen Patentrecht unliebsamen Wettbewerb auszuschalten. „Seit über 20 Jahren arbeite ich im Technologiesektor und immer sind sich Apple und Microsoft gegenseitig an die Kehle gegangen. Wenn sie sich auf einmal zusammenschließen, muss man sich schon fragen, was da passiert“, resümiert er. Gemeint ist der jüngste Kauf eines Pakets von 6000 Patenten durch ein Konsortium unter Führung von Apple und Microsoft für 4,5 Milliarden Dollar.

Google hatte ebenfalls bei der Auktion der Patente des kanadischen Nortel-Konzern mitgesteigert, war aber ausgestiegen, als sich die zunächst getrennt bietenden Apple und Microsoft zusammengetan hatten. Diese beiden Goliathe der IT-Industrie alleine bringen zusammen über 100 Milliarden Dollar an liquiden Mittel ins Spiel und können praktisch jeden Gegner überbieten. Der Endpreis von 4,5 Milliarden Dollar für die Patente, die mit einem Anfangswert von rund 900 Millionen Dollar bewertet worden waren, löste in Branchenkreisen großes Erstaunen aus. Nach Angaben des „Wall Street Journalw“ hat das US-Justizministerium mittlerweile Ermittlungen aufgenommen, ob die Patente alleine zum Zweck der Wettbewerbsbehinderung gekauft worden sind.

Für Drummond steht das jetzt schon außer Frage. Der überwältigende Erfolg von Android habe diese feindliche Attacke ausgelöst. Weltweit über 55.000 Smartphones mit Googles Betriebssystem von insgesamt 39 Herstellern würden pro Tag neu aktiviert. Nach Erhebungen des Branchendienstes Canalys hat Android im 2. Quartal 2011 die Hälfte des Smartphonemarktes erobert, liegt vor Apples iOS (iPhone, iPad) und weit vor dem abgeschlagenen Neuling Windows Phone 7.

Wie Techcrunch berichtet, reagierte Microsoft-Justiziar Brad Smith auf die Vorwürfe via Twitter: "Wir haben sie gefragt, ob sie mit uns gemeinsam bieten wollen. Sie sagten nein", so Smith auf dem Kurznachrichtendienst. Auch Microsofts Kommunikationschef Frank Shaw verwies auf Twitter das Angebot. Dort verlinkte er auf eine E-Mail von Kent Walker, ebenfalls Justiziar bei Google, in der dieser ein gemeinsames Bieten um die Patente ablehnt.

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  • In dem Artikel sind leider zwei Nullen verloren gegangen:

    Es werden aktuell weltweit 550.000 Android-Geräte täglich aktiviert (nicht 55.000).

    Und Drummond hat von 250.000 Patentansprüchen je Smartphone gesprochen (nicht 25.000).

  • Danke für diesen sehr exzellenten und informativen Kommentar!
    Schön, das ganze nochmal von der anderen Seite aus betrachtet zu lesen.

  • Die Beschwerde von Google weist mehrere Lücken auf, z.B.:
    - Die ca. 50 Gerichtsverfahren, die Android derzeit umkreisen, wurden alle bereits vor dem Verkauf der Nortel-Patente angestrengt. Diese haben das Blatt in den Verfahren vermutlich nicht direkt gewendet. Bei schlechten Chancen hätten Googles Gegner die Verfahren sonst nicht angestrengt.
    - Unter der Gewinner-Gruppe bei Nortel waren auch Sony und Ericsson, 2 wichtige Android-Partner. Bei einer anderen Patent-Transaktion vor kurzer Zeit (den Novel-Patenten), die Google ebenfalls als Beweis der Verschwörung anbringt, hat Google laut Microsoft eine Kooperation bewusst abgelehnt. Die Verschwörungstheorie ist hier nicht haltbar.
    - Google bezeichnet andere Patente pauschal als "Bogus". So viel Chuzpe ist schon mal bemerkenswert. Nur fragt man sich, warum hat Google dann selbst 3 Milliarden für die Nortel-Patente geboten und kurz danach für 1 Milliarde Patente von IBM übernommen hat. Offensichtlich weiß man, dass die meisten der Patente Ernst zu nehmen sind.
    - Die direkteste Bedrohung für Google ist derzeit das Verfahren gegen Oracle wegen Java. Oracle hat aber keinerlei aktiven Interessen in der Handybranche. Es will hier ganz zum eigenen Nutzem Java schützen und seine Nutzer, zu denen Google gehört, zur Kasse bitten. Wiederum kein Teil einer Verschwörung.
    - Patente unterschiedlicher Qualität gehören seit Jahren zum Alltag der Industrie. Erst kürzlich musste zum Beispiel Apple einen ungenannten neunstelligen Betrag an Nokia überweisen, außerdem 80 Millionen an eine Briefkastenfirma für ein Trivialpatent, das den iPod betrifft. Kodak will auch eine halbe Milliarde von Apple. Vor einigen Jahren stand ein anderer Patentverwerter kurz davor, einen Verkaufsstopp für MS Word zu erzwingen, bevor Microsoft klein beigeben musste. All dies hat Google still beobachtet. Erst jetzt, wo sie selbst betroffen sind, rufen sie nach Gerechtigkeit. So macht man sich unglaubwürdig.

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