Android-Navigationssoftware
Google stürzt Navi-Branche ins Chaos

Mit der Ankündigung einer kostenlosen Navigationslösung für Mobiltelefone versetzt der Internetriese Google der Branche einen empfindlichen Schlag. Die Aktienkurse von Geräteherstellern wie TomTom oder Garmin brachen zweistellig ein. Dabei ist es alles andere als sicher, ob der Vorstoß ein Erfolg werden wird.
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DÜSSELDORF. Die Software sei noch in der Testphase und werde zunächst ausschließlich für Googles Smartphonebetriebssystem Android verfügbar sein, sagte Entwicklungschef Vic Gundotra am Stammsitz des Unternehmens in Mountain View. Doch die Verunsicherung im Markt ist groß.

Betroffen sind auch Hersteller von Navigationssoftware wie Skobbler oder Co-Pilot sowie Mobilfunkbetreiber. Letztere bieten Navigationsdienste gegen Bezahlung an. "Zuallererst ist es ein Angriff auf Nokia und Apple", sagt Gartner-Analystin Annette Zimmermann. "Kostenlose Navigation ist ein echter Produktmehrwert, auch wenn man natürlich noch abwarten muss, ob das fertige Google-Produkt wirklich etwas taugt."

Die Gegner scheinen gerüstet. "Wir hatten es so erwartet", umschreibt Michael Halbherr, Chef der Mobile-Navigation-Sparte bei Nokia, die Situation. Es werde keine Änderung der aktuellen Strategie geben, sagt er. "Wir bieten längst kostenlose Fußgängernavigation und haben bei der Autonavigation nur ein anderes Monetarisierungsmodell." Die Sprachansage kostet bei Nokias Angebot Ovi Maps Geld, Google will die Navigation dagegen über eingeblendete Werbung finanzieren. "Google und wir investieren hohe Summen in aktuelle Karten", so der Nokia-Manager. "Am Ende wird sich zeigen, was besser funktioniert."

Auch Gerhard Mayer, verantwortlich für das Mobilgeschäft beim Anbieter Navigon, zeigte sich nicht überrascht. "Wir schauen uns das genau an und werden, falls nötig, schnell reagieren." Aktuell sehe man keinen negativen Einfluss auf die Verkaufszahlen der eigenen Android- und iPhone-Navigationssoftware.

Mit der für Anfang November erwarteten Version 2.0 seines Smartphonebetriebssystems Android wird Google Maps zur echten Punkt-zu-Punkt-Navigation mit Sprachansage und-steuerung. Um das zu gewährleisten, hält das Smartphone ständig Kontakt zum Internet, lädt Kartenmaterial und Informationen nach und meldet die Position des Fahrzeugs an Google.

Das Prinzip ist nicht neu. Solche "Offboard"-Navigationen - weil die Straßenkarten anders als bei der "Onboard"-Navigation nicht im Gerät gespeichert werden - hatten sich in der Vergangenheit nie durchsetzen können. Denn: Ohne Mobilfunknetzabdeckung ist keine Navigation möglich, ohne Datenflatrate oder im Ausland fallen Kosten für den mobilen Datenverkehr an. Außerdem warnen Datenschützer vor der permanenten Positionsfeststellung. Damit lasse sich ein Bewegungsprofil erstellen.

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