Angeblich Ermittlungen gegen Vorstand Andreas von Zitzewitz
Staatsanwälte durchsuchen Infineon-Zentrale

Die Münchner Staatsanwaltschaft hat gestern die Zentrale des Chipherstellers Infineon durchsucht, wie heute bekannt wurde. Bei der Großrazzia durchsuchten etwa 100 Staatsanwälte, Polizeibeamte und Steuerfahnder die Münchner Konzernzentrale sowie 14 Büros und Privathäuser in Deutschland und der Schweiz.

HB MÜNCHEN. Oberstaatsanwalt Christian Schmidt-Sommerfeld bestätigte der Nachrichtenagentur dpa entsprechende Vorabberichte der Nachrichtenmagazine „Focus“ und „Spiegel“. Die Ermittlungen richten sich laut Schmidt-Sommerfeld gegen drei Verdächtige: Den bei Infineon für die Speicherchipsparte zuständigen Konzernvorstand Andreas von Zitzewitz, den früheren Infineon-Manager Harald Eggers, der zur Zeit das Schweizer Technologieunternehmen Unaxis leitet, sowie den Betreiber der Schweizer Sponsoring-Agentur BF Consulting, Udo Schneider.

Ihnen werde Untreue, Bestechlichkeit und Steuerhinterziehung vorgeworfen. Haftbefehle gegen die drei Verdächtigen lägen derzeit nicht vor, sagte Schmidt-Sommerfeld. Ob sich die Verdachtsmomente bestätigten, könne erst nach Auswertung des bei den Razzien beschlagnahmten Materials gesagt werden. Der konkrete Vorwurf lautet, dass von Zitzewitz gegen Zahlung sechsstelliger Bestechungsgelder Schneiders Firma Co-Sponsoring- Verträge mit Infineons Zulieferfirmen vermittelt haben soll. Auch der 2004 bei Infineon ausgeschiedene Eggers soll ähnliche Verträge gegen Zahlungen eingefädelt haben, heißt es.

Anstoß für die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft hatte eine Äußerung Schneiders vor dem Münchner Landgericht während der Verhandlung eines Rechtsstreits zwischen Schneiders Firma BF Consulting und Infineon gegeben. Dabei erwähnte er Zahlungen von 300 000 Euro an von Zitzewitz. Auf Grund dieser Bemerkung begann die Staatsanwaltschaft erste Ermittlungen.

Auch Infineon bestätigte am Samstag auf dpa-Anfrage die Durchsuchung. Das Unternehmen habe ein Auskunftsersuchen der Staatsanwaltschaft erhalten, sagte ein Sprecher. Es gehe um Ermittlungen gegen einzelne Personen und nicht gegen Infineon. Das Unternehmen unterstütze die Behörden voll und werde die Vorwürfe selbst noch einmal prüfen. Von Zitzewitz gilt bislang als Favorit für den Vorstandsvorsitz bei einem möglichen Börsengang der Speicherchipsparte von Infineon.

Von Zitzewitz war für eine Stellungnahme zunächst nicht erreichbar. Von Zitzewitz gilt wie der ehemalige Infineon-Chef Ulrich Schumacher als großer Motorsport-Anhänger. Der Chip-Konzern hat auch die Rennsportserie Formel 1 als Sponsor des Jordan-Honda-Teams begleitet.

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