Angelika Dammann

SAP-Personalchefin tritt zurück

Der Softwarekonzern SAP verliert die einzige Frau im Vorstand. Personalmanagerin Angelika Dammann wirft hin - was bleibt ist ein Scherbenhaufen.
Update: 08.07.2011 - 17:17 Uhr 8 Kommentare
Der Vorstand des Softwareherstellers SAP. Die beiden Vorstandssprecher Jim-Hagemann Snabe und Bill McDermott neben Angelika Dammann an dritter Stelle. Quelle: dpa

Der Vorstand des Softwareherstellers SAP. Die beiden Vorstandssprecher Jim-Hagemann Snabe und Bill McDermott neben Angelika Dammann an dritter Stelle.

(Foto: dpa)

Walldorf/StuttgartDie einzige Frau im Vorstand des Software-Konzerns SAP wirft gut ein Jahr nach ihrer Berufung das Handtuch. Angelika Dammann habe sich aus persönlichen Gründen entschieden, SAP zu verlassen, teilte das Unternehmen am Freitag mit. Der SAP-Aufsichtsratsvorsitzende Hasso Plattner sagte: „Wir bedauern ihre Entscheidung, respektieren ihren Wunsch, mehr Zeit mit ihrer Familie zu verbringen, und wünschen ihr viel Erfolg für die Zukunft.“ Weiter werde SAP den Rücktritt nicht kommentieren, kündigte ein Sprecher an. Dammanns Aufgabe als Personalchefin für die rund 53.000 SAP-Beschäftigten weltweit übernimmt zunächst Finanzchef Werner Brandt.

Dammann war in den vergangenen Tagen in die Schlagzeilen geraten. In einem Zeitungsbericht hatte es unter Berufung auf Aufsichtsratskreise geheißen, dass sie für längere Zeit als mit dem Unternehmen vereinbart einen Firmenjet für Heimflüge an ihren Wohnort Hamburg nutzen wolle und nebenbei noch als Rechtsanwältin arbeite. SAP hatte diesen Bericht zurückgewiesen.

In einer Mitteilung an die Mitarbeiter schrieb die 51-jährige am Freitag, „die Behauptungen in der Presse in den letzten Tagen sind falsch.“ Sie habe sich bei ihren Heimflügen „klar“ an ihre vertraglichen Vereinbarungen gehalten, ihre Tätigkeit als Rechtsanwältin ruhe seit vielen Jahren. Die Berichterstattung habe sie „zutiefst getroffen“, schrieb die promovierte Juristin. Sie habe SAP „doch so erlebt, dass man sich gegenseitig unterstützt und an einem Strang zieht, nicht aber beschädigt“, heißt es ihrer E-Mail an die Kollegen. Sie habe sich entschieden, künftig enger bei ihrer Familie in Hamburg zu sein, die ihr sehr fehle.

Dammann war vor ihrem Wechsel zu SAP mit Sitz in Walldorf bei Heidelberg im Frühjahr 2010 beim Konsumgüterhersteller Unilever und dem Ölkonzern Shell tätig. Bei Europas größtem Software-Konzern musste sie nach dem ersten Stellenabbau der Unternehmensgeschichte und der Führungskrise durch den Abgang von Vorstandschef Leo Apotheker die Wogen bei den Beschäftigten wieder glätten. Zudem forcierte sie die Frauenförderung bei SAP, da dort wie in anderen deutschen Großunternehmen nur wenige Frauen tätig sind. Gleichzeitig versucht aber auch SAP angesichts des scharfen Konkurrenzkampfes mit Oracle und anderen Firmensoftware-Herstellern die Personal- und Verwaltungskosten zu drücken, um die Marge nach oben zu bringen.

Firmenjet soll zugesichert gewesen sein
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8 Kommentare zu "Angelika Dammann: SAP-Personalchefin tritt nach Firmenjet-Affäre zurück"

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  • wie wärs den mit der Quoten-Köhlerin als Nachfolgerin?

  • Ganz einfach, weil so der Ruf von SAP nicht beschädigt wird. Möglich wäre beispielsweise ein Goldener Handschlag, was ja nicht unüblich ist.
    Als Aktionär werde ich mal im nächsten Jahr auf der HV nachfragen, falls nicht vorher was bekannt wird. SAP wollte sich ja nicht mehr dazu äußern, insofern müssen wir uns vielleicht noch ein knappes Jahr gedulden.
    Wasser predigen und Wein trinken, ist aber gängige Praxis in Deutschland. Wenn jeder so schnell zurücktrten würde, gäbe es bald keine Vorstandsmitglieder mehr in Deutschland!

  • Peinliche Nummer für alle Frauen in Führungspostionen. Bedient alle Klischees und Vorurteile. Und schädlich für SAP. Was hat sich sich Frau Dammann dabei gedacht?

  • Interessante Auffasung von Frau Dammann! Wenn die Berichte doch so falsch sind, warum tritt sie dann zurück?? Ist wohl doch was wahres dran, wie immer eben.

  • Ich dachte die Vorstände kassieren so viel Geld, weil sie so hart arbeiten und nur für die Firma da sind. Scheinbar habe ich mich geirrt. Anders ist es auch nicht zu erklären, dass Vorstandsvorsitzende von Konzernen bei anderen Konzernen den Aufsichtsratvorsitz innehaben. Einer kontrolliert den anderen; oder etwa nicht??? Wie lange lassen wir uns das noch gefallen?

  • Das erste Quotenhässchen macht Rolle rückwärts. Wie schade. Naja, SAP wird schon eine Teilzeitkraft, weiblich, jung, dynamisch für den Posten des Personalvorstandes finden. Andererseits hat sich SAP hier nicht familienfreundlich gezeigt. Wie soll Frau Dammann ihren Nebenjob als Personalchefin von 53.000 Mitarbeitern erfüllen können, wenn sie ohne Firmenjet täglich zwischen ihrer Anwaltsarbeitsstelle in Hamburg und Walldorf mit Linie oder gar Bahn pendeln muss.

  • endlich zeigt uns mal jemand wie spätrömische Dekandenz wirklich aussieht
    ich bin beeindruckt, dass das ausgerechnet ein weibliche Person ist, die bestimmt über ein überdurchschnittliches Maß an Fingerspitzengefühl und Sozialkompetenz verfügt
    Oder war das etwa nur ne Quote?

  • ja klar, die Hamster in der Tretmühle treten und "unterstützen" damit Frau Dammanns Heimflüge, damit sie auch möglichst schnell zu Schatzi fliegen kann und dabei auch ja keine überfüssige Sekunde verliert. Die Hamster fliegen stattdessen Holzklasse und nutzen billige und längere Gabelflüge. Dann bliebt mehr Geld für den Learjet übrig. Selten so gelacht, Frau Dumm(ann) ...

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