Angriff auf Microsoft
Google setzt Einkaufstour fort

In den vergangenen neun Monaten hat Google mehr als vier Milliarden Dollar für Übernahmen ausgegeben. Nach Youtube und Doubleclick schluckt der Internet-Suchdienst jetzt auch Postini. Ob die extrem hohen Ausgaben allerdings gerechtfertigt sind, kann niemand sagen.

DÜSSELDORF. Der Internet-Suchdienst Google hat angekündigt, den IT-Sicherheitsdienstleister Postini für 625 Mill. Dollar in bar zu kaufen. Google-Chef Eric Schmidt sagte, mit der Übernahme unterstreiche Google sein Ziel, Kunden einfache und sichere Software zur Verfügung zu stellen. Experten sehen den Deal als weiteren Schritt bei den Angriffen auf Microsoft.

Postini wurde 1999 von dem US-Amerikaner Scott Petry gegründet und hat seine Zentrale in San Carlos, Kalifornien. Das Unternehmen hat sechs Hauptinvestoren, darunter neben mehreren Wagniskapitalgebern auch den US-Konzern Sun Microsystems. Petry ist weiterhin als Cheftechnologe im Unternehmen tätig und hat eine Karriere in verschiedenen IT-Firmen hinter sich - unter anderem bei Apple.

Finanzielle Details wurden nicht genannt. "Wir hatten gerade eine Telefonkonferenz, aber Google macht weder Angaben zum Umsatz noch zum Gewinn von Postini", sagte eine Analystin von Goldman Sachs. Der Internet-Dienst Tech-Crunch schätzte Postinis Umsatz kürzlich auf 75 Mill. Dollar. Damit hätte Google das 8,3-fache des Umsatzes gezahlt. Zum Vergleich: Für den Online-Werbedienst Doubleclick gab Google im April einen Kaufpreis von 3,1 Mrd. Dollar bekannt - das Zehnfache des geschätzten Umsatzes. Für den Videodienst Youtube zahlte Google mit 1,65 Mrd. Dollar gar das 100fache des Umsatzes - allerdings in Aktien.

Trotz der unklaren Zahlen begrüßen Analysten den Kauf. Postinis Sicherheitstechnologie gilt als extrem fortschrittlich. Google-Chef Schmidt sagte, potenzielle Käufer von Googles Softwarepaket Google Apps würden wegen Sicherheitsbedenken zögern. Postinis Verschlüsselungstechnologie schaffe Abhilfe.

Die Internetszene geht davon aus, dass Google einem Börsengang von Postini zuvorgekommen ist. Vor vier Wochen gab es Gerüchte, die Investmentbank Merrill Lynch habe für diesen Schritt bereits den Zuschlag erhalten.

Sönke Iwersen
Sönke Iwersen
Handelsblatt / Leiter Investigative Recherche
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