Anonymous hackt IS
Potenzpillen statt Propaganda

Das Hackerkollektiv Anonymous bekämpft die Terrormiliz IS – auch mit Humor: Aktivisten haben eine Propagandaseite übernommen und darauf Werbung geschaltet, die den Islamisten nicht gefallen dürfte.

DüsseldorfOb im Kampf um die Köpfe Humor hilft? Einige Hacker versuchen es damit zumindest. Anonymous-Aktivisten haben jüngst eine Website der Terrormiliz IS übernommen und darauf Werbung für eine Online-Apotheke platziert. Wer darauf klickt, landet auf Verkaufsseiten für das Potenzmittel Viagra und das Antidepressivum Prozac. Vielleicht, damit die Gotteskrieger auf andere Gedanken kommen?

Dass das nötig ist, daran ließ die Gruppe Ghost Sec keinen Zweifel. Sie ist lose mit Anonymous verknüpft und steckt hinter der Aktion. „Zu viel IS“, schrieb sie also in fetten Lettern auf die Seite, die inzwischen nicht mehr online ist. Und darunter: „Steigere deine Gelassenheit. Zu viele Leute wollen dieses IS-Zeug.“

Der Alternativvorschlag: Man möge sich doch diese reizende Werbung anschauen. Das Banner verwies auf die Online-Apotheke Coin RX, in der man mit der Kryptowährung Bitcoin Medikamente kaufen kann. Vielleicht nicht ganz uneigennützig: Der britische „Independent“ geht davon aus, dass der Shop von den Hackern betrieben wird.

Wie viele Pillenpackungen die IS-Anhänger bestellt haben, ist nicht überliefert. Doch auch so haben die Aktivisten ihr Ziel erreicht: dem IS eine Plattform für seine Propaganda zu nehmen – und zu zeigen, dass man technisch überlegen ist. Die Website war im Darknet zu finden, einem Teil des Internets, den man nur mit bestimmten Anonymisierungs-Tools wie dem TOR-Browser erreichen kann. Die Macher hatten offenbar darauf gehofft, sich so gegen Angriffe schützen zu können. Vergeblich.

Anonymous ist mehr eine Idee als eine Organisation – jeder kann sich zu dem lockeren Verbund bekennen (oder auch versuchen, ihn für seine Zwecke zu instrumentalisieren). In den einschlägigen Foren finden sich Aktivisten kurzfristig zu Operationen zusammen. Was sie vereint, ist der Einsatz für die Freiheit des Internets und die Ablehnung von Zensur.

Nach den Terrorangriffen in Paris hatte Anonymous dem IS den Krieg erklärt. Die Angriffe sind jedoch nicht zentral koordiniert. Ein Schwerpunkt liegt bislang darauf, Twitter-Konten löschen lassen, die mit dem IS in Verbindung stehen – die sozialen Medien dienen den Terroristen als Plattform für die Verbreitung von Propaganda. Dafür melden die Anonymous-Mitglieder die Adressen an das Unternehmen. Allerdings hat ein Twitter-Sprecher durchblicken lassen, dass diese Informationen nicht verlässlich seien.

Ghost Sec greift dagegen zu härteren Mitteln: Die Anonymous-Untergruppe hat Medienberichten zufolge bereits mehrere hundert Websites des IS übernommen. Wenn auch nicht immer auf so humorvolle Weise wie im aktuellen Fall.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%