Anrüchige Schlagworte
Amazon knickst vor Bettina Wulff

Die ehemalige First-Lady will Gerüchte über eine angebliche Rotlicht-Vergangenheit tilgen und zieht gegen Google vor Gericht. Online-Händler Amazon gibt dagegen vorauseilend nach – und löscht zwielichtige Schlagworte.
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Düsseldorf„Callgirl“, „Hure“ oder „Prostitution“: Das sind Schlagwörter, die Kunden von Amazon mit dem neuen Buch von Bettina Wulff verknüpft haben. Doch der Online-Versandhändler lässt das nicht mehr zu. Die schlüpfrigen Verknüpfungen werden von Amazon gelöscht.

Bettina Wulff verklagt derzeit den Suchmaschinenbetreiber Google. Die Ehefrau des Ex-Bundespräsidenten Christian Wulff will gerichtlich verbieten lassen, dass bei Suchanfragen zu ihrem Namen Begriffe wie „Escort“ oder „Prostituierte“ ergänzt werden. Google weigert sich bislang, entsprechende Suchvorschläge zu löschen.

Das Versandhaus Amazon zieht hingegen Konsequenzen und entfernt anrüchige Schlagworte, die auf der Angebotsseite für Wulffs Buch angezeigt werden. Nutzer können die sogenannten „Tags“ (Schlagwörter) mit Artikeln verbinden. Dies soll die Suche nach Produkten erleichtern.

„Wir haben Regeln für die Tag-Nutzung“, teilt eine Amazon-Sprecherin Handelsblatt Online auf Anfrage mit. „Diese Regeln beinhalten, dass keine ordinären oder obszönen Ausdrücke, aufhetzende oder böswillige Tags verwendet werden.“ Werde Amazon darüber informiert, dass Nutzer gegen diese Bedingungen verstoßen, reagiere der Konzern umgehend, wie auch in diesem Fall.

Bettina Wulff will mit der Klage gegen Google hartnäckigen Gerüchten über eine Vergangenheit im Rotlicht-Milieu entgegenwirken. Der US-Internetgigant verweist hingegen auf seinen Suchmaschinen-Algorithmus, der etwa nach den häufigsten Eingaben der Nutzer die Vorschläge generiere.

Auf der Webseite von Amazon sind dagegen sämtliche Andeutungen auf eine Rotlicht-Vergangenheit von Bettina Wulff getilgt. „Da derzeit jedoch manche Begriffe erneut eingestellt werden, kann es sein, dass diese kurzfristig wieder auf der Detailseite erscheinen“, schränkt die Amazon-Pressesprecherin ein.

Derzeit sind auf der Angebotsseite zu dem Wulff-Buch lediglich Schlagworte wie „Wer kauft den Mist“, „Geltungssucht“, oder „niveaulos“ zu finden. Auch Begriffe wie „Ehrensold“, „Lügen“ oder „Unverschämtheit“ haben Nutzer mit dem Buch verbunden. Hier sieht das Versandhaus offenbar keinen Handlungsbedarf. Auch das Schlagwort „Ich sage nein zu diesem Buch“ gilt als unbedenklich.

Indirekt geht die Lästerei aber weiter. Nutzer haben Bücher wie „Nutten küsst man nicht“ oder „Teufelskreis Prostitution: Ich habe den Ausstieg geschafft“ mit dem Schlagwort Bettina Wulff versehen. Die Rezensenten bei Amazon treffen jedenfalls ein vernichtendes Urteil über die Autobiographie: Sie vergeben nur 1,5 von fünf möglichen Sternen.

Sebastian Ertinger ist stellvertretender Redaktionsleiter der Handelsblatt Live App.
Sebastian Ertinger
Handelsblatt Live / Stellvertretender Redaktionsleiter
Martin Dowideit, Leiter Digitales, Handelsblatt.
Martin Dowideit
Handelsblatt / Leiter Digitales

Kommentare zu " Anrüchige Schlagworte: Amazon knickst vor Bettina Wulff"

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  • im Gegensatz zu andere Kommentatoren finde ich es äusserst begrüßenswert, dass Bettina Wulff das Buch schrieb, auch wenn viele meinen, sie habe sich selbst damit geschadet. Ob letzteres wirklich zutrifft - ich bezweifle es - wird sich erst in der Zukunft zeigen . Sie hat jedenfalls damit unzähligen Google-Opfern , und nicht nur diesen sondern auch den Staat einen riesigen Gefallen getan. Google ist längst zu einem Erpressungs-Werkzeug mutiert,welches durch professionelle IT-Fachkräfte nicht nur zu Zwecken der Meinungsmanípulation sonder auch zu Zwecken einer schleichenden ZENSUR durch programmierten Rufmord mutiert ist, was zwar bisher in der Öffentlichkeit (noch) nicht bekannt ist, aber auf letzeres kann es nicht ankommen.

  • Vielleicht sollte das Ehepaar Wulff mal eine 5jährige Reise durch die USA machen oder besser 10 Jahre Erlebnisferien auf der Halbinsel Kamschatka. Wenn sie zurückkommen, sind sie vergessen und können neu anfangen, nur die Politik und die Medien sollten sie künftig meiden.

  • Wenn ich will, dass Niemand mehr über mich redet, dann verhalte ich mich mucksmäuschenstill! Die Presse vergisst ja bekanntlich schnell!

    Aber nein! Sie schreibt ein Buch. Daran merkt man schon ihre Geltungssucht. Ich habe das Buch nicht gelesen und habe es auch nicht vor. Diese Frau interessiert mich nicht die Bohne!

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