Anteilsscheine vom Handel ausgesetzt
SAP will SAP SI ganz

Um sein Angebot an IT-Beratung verstärken zu können, will der Softwarekonzern SAP die Anteile der freien Aktionäre an SAP Systems Integration, der börsennotierten Beratungs- und Dienstleistungstochter, übernehmen.

HB STUTTGART. Dem Streubesitz werde ein Übernahmeangebot über 20,40 € je Aktie unterbreitet, teilte SAP am Dienstag in Walldorf mit. Das sind 33,7 % mehr als der aktuelle Aktienkurs von SAP SI. Insgesamt würde die Übernahme der restlichen 30 % SAP rund 220 Mill. € kosten, 70 % gehören ihr bereits. „Es gibt nach dem Erfolg von SAP NetWeaver keinen Grund mehr für getrennte Consulting-Aktivitäten. Es ist besser, das aus einer Hand anzubieten“, sagte ein Sprecher. Nach einer vollständigen Übernahme solle die Gesellschaft mit Sitz in Dresden in der SAP AG aufgehen und aufgelöst werden. Ein Stellenabbau sei damit nicht verbunden, auch der Standort Dresden bleibe erhalten.

„Der Schritt ist eine klare Bestätigung unserer Strategie“, sagte SAP-SI-Vorstandschef Bernd-Michael Rumpf. NetWeaver habe das Beratungsgeschäft verändert, räumte Finanzvorstand Joachim Müller im Gespräch mit Reuters ein. Die Entscheidung von SAP habe die Tochter deshalb nicht überrascht. Über eine Auflösung von SAP SI sei aber noch nicht entschieden.

SAP hatte das Unternehmen 1997 gegründet, um die eigene Unternehmensplanungssoftware mit Anwenderprogrammen anderer Anbieter zu kombinieren. 2003 hatte SAP „NetWeaver“ entwickelt, eine Software, die eine problemlosere Integration der Programme verschiedener Hersteller erlaubt. Zuletzt hatten die rund 1850 Mitarbeiter von SAP SI ähnliche Dienstleistungen verrichtet wie ihre SAP-Kollegen selbst. Die Beratung von SAP-Kunden bei der Installation, Anpassung und Wartung der Software machte zuletzt vier Fünftel vom Umsatz aus. SAP betonte, an den Kooperationen mit anderen Software-Beratungsfirmen werde sich durch die Integration nichts ändern.

SAP SI war aus Teilen von SAP und der Darmstädter Software AG entstanden. Vor dem Börsengang am Neuen Markt im Herbst 2000 war auch die ehemalige SAP Solutions AG (ehemals Robotron) in Freiberg bei Dresden integriert worden. SAP SI ist nach mehreren kleinen Zukäufen vor allem in Deutschland und in der Schweiz aktiv, eine größere Akquisition in den USA war vor kurzem geplatzt. Die SAP SI-Aktie ist seit dem Ende des Neuen Markts im Technologieindex TecDax notiert. Sie wurde bei einem Kurs von 15,25 € bis zum Ende des Handels ausgesetzt. SAP lagen auf dem Frankfurter Parkett mit 121,70 € etwa auf dem Niveau, auf dem die Aktie aus dem Xetra-Handel gegangen war.

Für 2004 rechnet SAP SI mit einem Umsatzwachstum um acht bis zwölf Prozent. 2003 war der Konzernumsatz um 4,4 % auf 280,3 Mill. € geschrumpft. Ein Sparprogramm hatte den Jahresüberschuss jedoch um 78 % auf 26,4 Mill. € anwachsen lassen.

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