Antena 3 und Telecinco entwickeln sich zu Börsenlieblingen
Private Sender in Spanien prosperieren

Mit Fernsehen richtig Geld zu machen, das schaffen in Spanien derzeit nur die Privatsender Antena 3 und Telecinco. Beide Sender zählen europaweit inzwischen zu den rentabelsten. Telecinco befindet sich zu 52 Prozent in den Händen des italienischen Unternehmens Mediaset und ist der größte spanische Sender. Er konnte seinen Nettogewinn in den vergangenen neun Monaten fast verdoppeln – auf 140 Millionen Euro. Das hat der Sender vor allem den gut fließenden Werbegeldern zu verdanken, bis September waren es 536 Millionen Euro.

HB MADRID.Auch Antena 3, an dem RTL mit 17 Prozent beteiligt ist, konnte sich nach einem harten Jahr der Sparmaßnahmen deutlich verbessern. Der Gewinn betrug in den ersten neun Monaten rund 67 Millionen Euro, 2003 hatte das Unternehmen noch einen Verlust von 105 Millionen Euro ausweisen müssen. Die Werbeeinnahmen wuchsen um 28 Prozent. Geschäftsführer Silvio González geht davon aus, dass Antena 3 in diesem Jahr seinen Rekordgewinn aus dem Jahr 2000 von 123 Millionen Euro übertreffen kann.

Kein Wunder, dass auch die Aktien der beiden Unternehmen auf dem Madrider Parkett derzeit gefragt sind. Antena 3 konnte seit seinem Börsengang im vergangenen Jahr den Wert seiner Aktie verdoppeln. Auch weil der Sender sich bei den Zuschauerzahlen deutlich verbesserte und jetzt nur noch knapp hinter dem Spitzenreiter Telecinco liegt. Dessen Titel legten seit dem Börsengang vor wenigen Monaten um knapp 50 Prozent zu. Mit einem Börsenwert von 3,7 Milliarden Euro hat Telecinco jetzt gute Chancen, Ende des Jahres in den spanischen Referenzaktienindex Ibex-35 aufgenommen zu werden.

War 2004 ein exzellentes Jahr, rechnen die Medienexperten für 2005 mit einer Abkühlung des spanischen Werbemarkts. Alejandro Echevarría, Präsident von Telecinco, führt das auf die schlechtere Wachstumsaussichten für Spanien zurück: „Wenn sich diese bewahrheiten, müssen wir im kommenden Jahr noch stärker auf unsere Kosten achten.“ Für Verunsicherung sorgt auch die neue Medienpolitik der sozialistischen Regierung.

Präsident José Luis Rodríguez Zapatero hat sich zum Ziel gesetzt, die Qualität des spanischen Fernsehens deutlich zu verbessern und Kinder vor zu viel Gewalt und Werbung zu schützen. Es wird zudem gemunkelt, dass die Regierung zwei neue Lizenzen für offene Kanäle ausgeben will, um für mehr Wettbewerb unter den bis jetzt nur vier landesweit sendenden Anstalten zu sorgen. „Das wird nur dafür sorgen, dass die Werbepreise, die sowieso schon zu den niedrigsten in Europa gehören, noch weiter nach unten gehen“, kritisiert Echevarría. Der spanische Markt für TV-Werbung umfasst derzeit ein Volumen von rund sechs Milliarden Euro.

Ebenfalls zur Diskussion steht in Spanien die Reform der unter dem Dachkonzern RTVE zusammengefassten öffentlichen Sender TVE 1 und TVE 2. Beide sind mit sieben Milliarden Euro hoch verschuldet, jedes Jahr kommen weitere 700 Millionen Euro hinzu – und das obwohl beide Sender die gleichen Werbevolumina fahren wie die privaten. Zuerst hatte Zapatero nach seinem Amtsantritt im April dieses Jahres geplant, die Rundfunkanstalten zu privatisieren. Angeblich wollte er RTVE an den der Regierung nahestehenden Medienkonzern Prisa verkaufen. Dort habe man jedoch wegen der hohen Kostenstrukturen der öffentlichen Sender, die viermal so hoch sind wie bei Privatsendern, dankend abgelehnt, heißt es aus unternehmensnahen Kreisen.

Vermutet wird nun, dass sich die Regierung bei den notwendigen Reformen für eine Gebührenfinanzierung entscheidet. Bisher werden die öffentlichen Rundfunkanstalten neben den Werbeeinnahmen durch Steuergelder finanziert. Echevarría tritt dafür ein, dass die öffentlichen Sender ihrem Erziehungsauftrag nachkommen und deswegen weniger Werbung und mehr Dokumentarfilme zeigen. Auch Maurizio Carlotti, Vorstandschef bei Antena 3, hält einen Qualitätsschub bei RTVE für überfällig: „Wie in anderen Ländern müssen sich die öffentlichen inhaltlich von den privaten Sendern unterscheiden, sonst haben sie keine Existenzberechtigung.“

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