Antrieb durch französische Regierung
Alcatel soll Satelliten an Thales abgeben

Die Übernahme der Alcatel-Satellitensparte durch den Rüstungskonzern Thales wird offenbar von der französischen Regierung vorangetrieben. Nach Informationen des „Wall-Street-Journal“ sollen dies die Regierungsvertreter im Thales-Aufsichtsrat fordern.

FRANKFURT. Ein entsprechender Beschluss soll in den kommenden Tagen vom Kontrollgremium genehmigt werden, berichtete das Blatt unter Berufung auf informierte Kreise. Frankreich ist mit 31 Prozent der größte Aktionär bei Thales.

Ein Übernahmevertrag soll demnach wasserdicht sein, bevor sich Alcatel wie geplant mit dem US-Netzwerkausrüster Lucent über eine Fusion einigt. Vertreter der beiden Firmen wollen sich heute zu weiteren Verhandlungen treffen, hieß es.

Eine Abgabe des Satellitengeschäfts an Thales würde den Zusammenschluss des französischen Netzwerkausrüsters mit dem US-Wettbewerber erleichtern. Der Preis der Alcatel-Satellitensparte wird in Branchenkreisen auf etwa 1,8 Mrd. Euro geschätzt. Nach Informationen der französischen Handelsblatt-Partnerzeitung „La Tribune“ soll Alcatel im Gegenzug einen rund 25-prozentigen Anteil an Thales erhalten.

Die Angelegenheit ist aber diffizil, weil Alcatel seine Satellitensparte bisher in einem Gemeinschaftsunternehmen mit der italienischen Finmeccanica betreibt: An dem Gemeinschaftsunternehmen Alcatel Alenia Space halten Alcatel 67 Prozent der Anteile, Finmeccanica 33 Prozent. Die Italiener seien in die aktuellen Diskussionen bisher nicht eingebunden, sagte dessen Chairman Pier-Francesco Guarguaglini.

Unklar ist auch noch, welche Rolle Europas größter Luft- und Raumfahrtkonzern EADS in dem französischen Poker spielt. Der deutsche EADS-Co-Vorsitzende Thomas Enders bestätigte gestern, dass man die europäische Konsolidierung in der Raumfahrt und Rüstung weiter vorantreiben wolle. Dies sei im Interesse der Aktionäre und würde die deutsch-französische Zusammenarbeit stärken. „Ein Ausstieg aus dem Satellitengeschäft oder aus der Raumfahrt ist dabei nicht geplant“, sagte Enders.

Matthias Eberle
Matthias Eberle
Handelsblatt / Ressortleiter Ausland
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