Anzahl der gemieteten Ortsnetzzugänge steigt weiter
Kurth sieht Telekom-Konkurrenz gestärkt

Die Konkurrenten der Deutschen Telekom werden offenbar unabhängiger von dem Ex-Monopolisten. Im ersten Quartal dieses Jahres haben die Unternehmen 50 % ihrer Umsätze an die Telekom abgeführt – etwa für die Nutzung von Leitungen und die Miete von Telefonanschlüssen. Im Jahr 2001 waren es noch 60 % der Erlöse aller Telekom-Konkurrenten, die an den Bonner Konzern flossen.

BONN. Das sagte Matthias Kurth, Präsident der Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post, dem Handelsblatt. „Das sind doch deutliche Fortschritte der Wettbewerber“, so Kurth. Er erklärt dies unter anderem mit zunehmenden Investitionen der Unternehmen in eigene Infrastruktur. Daher seien die Anbieter auf weniger Vorleistungen der Telekom angewiesen.

Kurth wehrt sich damit gegen Kritik, seine Entscheidungen würden den Markt remonopolisieren. Dafür führt er noch eine weitere Zahl ins Feld: Die Konkurrenten der Telekom haben im ersten und zweiten Quartal 2003 jeweils etwa 100 000 Zugänge zum Endkunden im Ortsnetz gemietet und damit mehr als in den Vorquartalen seit Beginn der Marktöffnung 1998. „Dieser Zuwachs wird in erster Linie durch die Vermarktung schneller Internet-Zugänge über DSL getrieben“, sagte Kurth. Er räumt ein: „Der Markt macht nicht mehr so sprunghafte Veränderungen durch wie am Anfang der Liberalisierung, aber es gibt nach wie vor signifikante Verschiebungen zu Gunsten der Wettbewerber.“

Diese stellen einige der Fortschritte auch gar nicht in Frage: „Kurths Entscheidung, Unternehmen, die in eigene Infrastruktur investiert haben, mit geringeren Gebühren zu belohnen, ist schon ein Schritt in die richtige Richtung gewesen“, heißt es beispielweise bei Arcor. Der Grund dafür, dass in den vergangenen Monaten mehr Zugänge zum Ortsnetz von der Telekom angemietet würden, liegt nach Ansicht der Branche ebenfalls auf der Hand. Schließlich wolle man auf dem Wachstumsmarkt DSL mitmischen, heißt es bei den Unternehmen.

Insgesamt sehen die Anbieter und der Branchenverband VATM aber die Preise für Telekomleistungen als weiterhin zu hoch an – vor allem die Monatsmiete für den Kundenzugang im Ortsnetz, die so genannte letzte Meile. „Bei der letzten Meile sind wir von der Telekom und ihren Preisen im höchsten Maße abhängig und diese Abhängigkeit hat bisher auch noch nicht abgenommen“, heißt es in der Branche.

Die Unternehmen sehen Fehlentscheidungen und ungelöste Probleme zudem noch in anderen Bereichen – beispielsweise in der Zustimmung des Regulierers zu einem Pauschaltarif der Telekom, der unbegrenztes Telefonieren an Wochenenden ermöglicht. Die Unternehmen halten das Angebot für schädlich und fürchten, dass damit Telekom-Kunden keinen Anreiz mehr sehen, beispielsweise im Ortsnetz dauerhaft über das Netz der Konkurrenten zu telefonieren (Preselection). Einige der Anbieter haben daher bereits gegen diese Entscheidung vor dem Verwaltungsgericht Köln geklagt. Das Angebot der Telekom sei kein Preisdumping und von den Wettbewerbern grundsätzlich nachbildbar, hält der Regulierer dem entgegen. Er verweist zudem auf erste Erfolge im OrtsnetzWettbewerb.

Preselection ist Anfang Juli bei Lokalverbindungen eingeführt worden. Bis Ende August haben sich nach Angaben von Kurth mehr als eine Million Kunden bei den Wettbewerbern für Preselection im Ortsnetz oder für eine Kombination aus Preselection im Ortsnetz und bei Ferngesprächen registrieren lassen. Durch die neuen Angebote bei Lokalverbindungen würden inzwischen 14 % des Gesprächsvolumens im Ortsnetz über die Netze der Telekom-Konkurrenten abgewickelt. Der Bonner Konzern erwartet, dass dieser Marktanteil der Wettbewerber bis zum Jahresende bei 20 % liegen könnte.

Marktanteile

Zuwächse: Gemessen an den Gesprächsminuten im Festnetz hatten die Konkurrenten der Telekom im ersten Quartal 2003 einen Marktanteil von 44 %, 2002 lag dieser Anteil bei 40 %, 2001 bei 34 %.

Gesprächsminuten: Den größten Anteil – gemessen an Minuten – haben die Konkurrenten der Telekom bei Internetverbindungen mit 66 % (DSL ist da nicht berücksichtigt), gefolgt von Auslandsgesprächen (60 %), Ferngesprächen (47 %) und Ortsverbindungen. Dieser Anteil liegt derzeit bei 14 %.

Umsätze: Gemessen am Umsatz entfallen bei Internetverbindungen (ohne DSL) 50 % der Erlöse auf die Wettbewerber, bei Auslandsgesprächen sind es 40 % und bei Fernverbindungen 38 %.

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