AOL-Hauptversammlung
Machtprobe im Verwaltungsrat

AOL-Chef Tim Armstrong verfolgt ehrgeizige Prestigeprojekte. Doch wichtigen Aktionären sind die hochfliegenden Pläne zu teuer. Aggressive Hedgefonds nehmen nun nicht nur die Online-Strategie von Armstrong ins Visier.
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DüsseldorfDie 96 Seiten voller Zahlen, Grafiken und Rechenbeispielen lesen sich wie eine einzige Anklageschrift: Die Geschäftsidee von AOL – funktioniert nicht. Die Projekte des Chefs – ein dreistelliges Millionengrab. Das Management – überbezahlt. Zusammengestellt hat die Präsentation mit dem harmlosen Titel „Investoren-Information“ der New Yorker Hedgefonds Starboard Value, dem gut fünf Prozent der AOL-Anteile gehören. Die Forderung: Macht Platz für neue Leute im Verwaltungsrat von AOL. Am heutigen Donnerstag kommt es beim jährlichen Aktionärstreffen zur Machtprobe: Starboard schickt drei eigene Kandidaten für die Board-Wahlen ins Rennen.

Das ist eine Kampfansage an AOL-Chef Tim Armstrong und seine ambitionierten Pläne. Der 41-Jährige, ehemals Manager bei Google, ist angetreten, um aus AOL ein Online-Medienhaus zu machen. Dafür hat er Starbloggerin Arianna Huffington Anfang vergangenen Jahres für 315 Millionen Dollar die Huffington Post abgekauft. Dafür überzieht er Amerika mit Ein-Mann-Online-Redaktionen, die auf dem Land die Rolle von Lokalzeitungen übernehmen. Armstrong glaubt an Inhalte. Und an das Internet. Deshalb will er mit Journalismus im Netz Geld verdienen.

Armstrongs Lieblingsprojekt heißt Patch.com. Patch ist eben jener Verbund von Lokalnachrichtenseiten, den Armstrong schon 2007 gegründet hatte, noch bevor er zu AOL kam. Patch ist ein gigantisches Redaktionsprojekt, es gibt bereits mehr als 860 lokale Websites. Während Amerikas kriselnde Zeitungen in den vergangenen Jahren Tausende Redakteure entlassen haben, stellt AOL ein. Mehr als 1000 Redakteure sind es bereits. Die meisten sitzen irgendwo in Iowa, Missouri, Pennsylvania, in 23 Bundesstaaten insgesamt. Sie betreuen als Einzelkämpfer eine kleine Stadt oder Gemeinde, wo es wegen der Zeitungskrise oft schon kein lokales Blatt mehr gibt. Fünf Geschichten am Tag sind Minimum, unterstützt werden die Redakteure von freien Mitarbeiter und unbezahlten Lokal-Bloggern. Die Mini-Mannschaften sollen Klicks bringen, die AOL zu Geld macht, indem das Unternehmen Anzeigen verkauft.

Die Hedgefonds-Manager von Starboard Value glauben nicht an dieses Modell. Sie glauben, dass Armstrong zu viel Geld ausgibt.

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Machtprobe im Verwaltungsrat

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„Minimaler Umsatz, maximale Verluste“

Kommentare zu " AOL-Hauptversammlung: Machtprobe im Verwaltungsrat"

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  • AOL-beDIRECT!

    AOL = Datenhandlung ! Das war schon so lange bevor die überwachen durften.

  • Ich kannte "patch.com" und die Idee nicht und ging auf die Lokalseite von Garden City (ein Ortsteil von NY, NY), war gar nicht so schlecht. Viel besseres bringen lokale Zeitungsschreiberlinge in D auch nicht zusammen..

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