AOL und Uber schlagen zu

Microsoft verkauft Online-Werbung und Karten-Technologie

Microsoft wirft Ballast ab: Konzernchef Nadella dünnt bei der Neuausrichtung das Geschäft mit Online-Werbung und die Karten-Entwicklung aus. Laut Medienberichten sollen rund 1.300 Mitarbeiter den Arbeitgeber wechseln.
Update: 30.06.2015 - 12:13 Uhr Kommentieren
Microsoft übergibt sein Geschäft mit Online-Werbung an den Internet-Konzern. Quelle: ap
AOL

Microsoft übergibt sein Geschäft mit Online-Werbung an den Internet-Konzern.

(Foto: ap)

Redmond/New YorkMicrosoft gibt den Großteil seines Geschäfts mit Online-Werbung an den Internet-Konzern AOL ab. Dieser werde für Microsoft künftig in neun Ländern das Geschäft mit Banner-Werbung sowie Video-Anzeigen und Werbung auf mobilen Geräten verwalten und verkaufen, erklärten die Unternehmen nach US-Börsenschluss am Montag. Dazu gehören Plattformen wie MSN, Outlook, Skype sowie Apps in insgesamt neun Ländern, darunter die USA, Großbritannien oder Deutschland.

Im Gegenzug wird Microsofts Suchmaschine Bing für zehn Jahre bei AOL eingesetzt. Anders als das Online-Werbegeschäft ist Bing nach Angaben von Microsoft-Manager Rik van der Kooi gut aufgestellt. Es sei ein „Multimillionen Dollar Geschäft“, das sich selbst trage, sagte Kooi dem Blog „MarketingLand“.

Während Microsoft mit der Neuausrichtung das Werbegeschäft bis auf Anzeigen in seiner Suchmaschine aufgibt, gewinnt AOL mehr Gewicht im Wettbewerb mit Rivalen wie Google, Yahoo oder Facebook. Der Internet-Konzern wurde gerade vom Telekom-Riesen Verizon übernommen. Nach Informationen des Finanzdienstes Bloomberg und des „Wall Street Journal“ sollen auch rund 1.200 Microsoft-Mitarbeiter zu AOL wechseln.

Zugleich steigt Microsoft aus der Datenerfassung für eigene digitale Karten aus. Davon soll der umstrittene Fahrdienst-Vermittler Uber profitieren. Das Start-up übernimmt ausgewählte Technologie für Straßenaufnahmen und 3D-Bilder, ein Rechenzentrum sowie Kameras und einige Patente, wie Microsoft unter anderem dem „Wall Street Journal“ und dem Technologieblog „Recode“ bestätigte. Die Daten für Microsofts Bing Maps sollen künftig von Partnern kommen und bei dem Konzern zu einem fertigen Produkt verbunden werden. Den Berichten zufolge sollen rund 100 Mitarbeiter von Microsoft zu Uber wechseln. Zu welchem Preis der Bereich an Uber gehen soll, wurde nicht genannt.

Uber wurden bereits Ambitionen nachgesagt, den Kartendienst von Nokia zu kaufen, an dem auch die deutschen Autobauer Audi, Daimler und BMW interessiert sein sollen. Nokia ist mit seinem Dienst Here seit einigen Jahren ein wichtiger Datenlieferant für Microsofts Kartendienste. Nach der Milliarden-Übernahme des Smartphone-Geschäfts des finnischen Unternehmens durch Microsoft - noch unter der Führung von Steve Ballmer - hatte Nadella allerdings den Abbau von 18.000 Arbeitsplätzen auf den Weg gebracht. Das Gerätegeschäft wurde inzwischen mit der Windows-Sparte zusammengelegt.

„Bin ich schon drin oder was?“
Gründung vor 30 Jahren
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1985 gründete Steve Case (hier auf einem Bild aus dem Jahr 2000) mit anderen das Unternehmen Quantum Computer Services. 1988 wurde der Name zu America Online geändert. In den 1990er-Jahren gehörte das Unternehmen zu den Internet-Pionieren und ermöglichte vielen Kunden weltweit den Einstieg in das World Wide Web.

Konkurrenten geschluckt
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Eine Zeit lang schien AOL nicht aufzuhalten zu sein. Unter anderem wurden die Konkurrenten Compuserve und Netscape übernommen. Auch das Chat-Programm ICQ wurde gekauft.

Aufstieg von Middelhoff
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In Deutschland profitierte eine Zeit lang der Medienkonzern Bertelsmann erheblich von einer Zusammenarbeit mit AOL. Der damalige Bertelsmann-Vorstand Thomas Middelhoff bewegte den Konzern dazu, früh in AOL zu investieren. Mit dem äußerst lukrativen Deal im Rücken stieg Middelhoff zum Vorstandsvorsitzenden der Bertelsmann AG auf. 1995 ging AOL Europe mit der Bertelsmann AG das Joint Venture AOL Deutschland ein, das drei Jahre später bereits wieder beendet wurde.

Weltweite Expansion
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AOL hatte zu seiner Blütezeit allein als Internet-Provider mehr als 30 Millionen Abonnenten weltweit. In Deutschland war das Unternehmen die Nummer zwei hinter der Deutschen Telekom.

Boris Becker
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Unvergessen dürften in Deutschland vor allem die Werbespots mit Tennislegende Boris Becker sein. Sein „Bin ich schon drin oder was?“ genießt bis heute Kultstatus.

Fusion mit Time Warner
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Im Jahr 2000 fusionierte AOL mit dem Medienkonzern Time Warner. Faktisch übernahm AOL das Traditionsunternehmen für mehr als 160 Milliarden Dollar. Doch der Deal brachte nie den erhofften Effekt und wurde später als gigantischer Fehler bezeichnet. AOL wurde 2009 wieder als einzelnes Unternehmen abgespalten.

Abschied aus Deutschland
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Ein Sparprogramm sorgte 2010 für das Aus von AOL in Deutschland. Der Konzern schloss damals die meisten seiner europäischen Niederlassungen.

„Karten sind das Herz dessen, was Uber groß macht“, sagte Uber-Sprecherin Kristin Carvell der Finanznachrichtenagentur Bloomberg. Uber braucht Karten zur Abrechnung der Fahrten über Smartphones. Zudem forscht die Firma an neuen Lieferservices und selbstfahrenden Fahrzeugen, die auf hochpräzise Karten angewiesen sind. Der Deal könne Uber helfen, sich unabhängiger von Technologien von Google und Apple zu machen, schreibt das „Wall Street Journal“.

  • dpa
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