Apple bekommt Konkurrenz
Huawei will mit neuer Technik punkten

Auf der IFA präsentiert Huawei ein neues Smartphone. Doch damit nicht genug: Ganz offen legen sich die Chinesen dabei mit Konkurrent Apple an – mit ganz neuen Funktionen und auch beim Prestigeprodukt Smartwatch.

BerlinDer Plan ist offensichtlich: Huawei will mit seinem neuen Smartphone Mate S Konkurrent Apple direkt angreifen. Immer wieder vergleicht Richard Yu, Chef der Huawei Consumer Business Group, in der gut gefüllten Max-Schmeling-Halle in Berlin das neue Telefon mit dem amerikanischen Wettbewerber. Es sei schöner, schlanker und griffiger, sagt er.

Huawei hat in den vergangenen Jahren schnell an Marktanteilen gewonnen, und ist nun nach Samsung und Apple die Nummer drei am Platz. Der chinesische Konzern präsentiert sich stets selbstbewusst. Doch zeigt der kontinuierliche Vergleich mit Apple: Noch immer gelten die Amerikaner als Benchmark in der Branche.

Das weckt Ambitionen bei einem stolzen Unternehmen wie Huawei. Also greift das Unternehmen greift Apple dort an, wo es besonders weh tut: bei der Funktionalität. Zum einen hat Huawei unterhalb der Kamera an der Rückseite einen neuen Sensor eingebaut. Den gab bereits bei Vorgängermodellen, jedoch nur um mittels mit Fingerabdruck das Smartphone zu entsperren.

Nun wurde er aufgewertet: Nutzer können untern anderem mit dem Finger drüber wischen um durch Fotoalben zu gehen. Er dient auch als Auslöser – gedacht dafür sich selber zu fotografieren, für Selfies. Für diese neue Eigenschaft brandet zum ersten Mal Szenenapplaus auf. Am ersten Pressetag der Internationalen Funkausstellung (IFA) in Berlin, die am Freitag ihre Pforten öffnet, haben sich zahlreiche und Journalisten in der Halle zusammengefunden. Vor der Tür hatte sich eine lange Schlange gebildet.

Doch erst bei der übernächsten Neuerung, die Richard Yu präsentiert, geht ein deutliches Raunen durch das Publikum: Huawei hat das Display verändert. Es reagiert nun auf Druck. Force-Touch heißt diese Technik. So kann etwa per Druck auf ein Foto auf Details gezoomt werden. Das Display kann sogar als Wage genutzt werden. Selbst Yu erklärt, man wisse noch nicht, was diese neue Funktion alles ermöglichen werde. Deswegen lädt er dazu ein, neue Ideen zu entwickeln.

Ab dem 15. September können die Geräte für 649 Euro in der Standard Version und 699 Euro Premium Version vorbestellt werden – nur: Force-Touch wird dann noch nicht zu haben sein. Wann genau die Handys mit der Funktion in den Handel kommen, steht noch nicht genau fest. Es scheint, als ob Huawei Apple unbedingt zuvor kommen wollte. Denn auch die Apple-Watch hat diese Technik bereits integriert und Branchenbeobachter glauben bereits seit längerem, dass sie auch im nächsten iPhone stecken wird.

Doch neben der reinen Ankündigung der neuen Technologie hat Huawei auch noch einen echten Schlag gegen Apple im Gepäck. Fast zum Ende der Präsentation erklärt Yu, die bereits Anfang des Jahres vorgestellte Smartwatch von Huawei komme am 23. September in den Markt – und funktioniere nicht nur mit dem Google-Betriebssystem AndroidOS, sondern auch mit Apples iOS. Nun müssten Apple-Kunden nicht mehr die Uhr der Amerikaner kaufen, wenn sie eine Smartwatch haben wollen, scherzt er.

Es ist ein harter Eingriff in das Ökosystem von Apple. Weil es bisher nicht möglich war, Daten einfach mit Geräten von anderen Anbietern zu teilen, haben Kunden der Amerikaner bisher meist nur Apple-Produkte gekauft. Nun wollen auch andere Anbieter ihre Produkte mit dem iOS-Betriebssystem anbieten. Sollten sich nun selbst „Apple-Jünger“ nun für andere Produkte entscheiden, muss der Konzern seine Strategie neu überdenken. Diese Entwicklung hat das Potenzial den exklusiven Ruf der Amerikaner anzukratzen – mit dem sie neben der Funktionalität bisher ihren höheren Preis halten konnten.

Die Autorin ist Redakteurin im Ressort Unternehmen & Märkte. Sie erreichen sie unter: karabasz@handelsblatt.com
Ina Karabasz
Handelsblatt / Redakteurin Unternehmen & Märkte
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