Apple-Chef Cook vor dem Ausschuss
Der gute Mensch von Cupertino

Apple steht in der Kritik, weil sich der Konzern um Milliarden an Steuern gedrückt haben soll. Nun stellte sich Firmenchef Tim Cook in einem Senatsausschuss persönlich den Vorwürfen. Ein Auftritt fürs Lehrbuch.
  • 37

WashingtonEin schwerer Teppich, hölzerne Wände, die Ledersessel der Senatoren im erhöhten Halbrund, an der Stirnwand der US-Bundesadler: Saal 106 im Dirksen-Senatsgebäude in Washington lässt Besucher instinktiv im Geiste die Hacken zusammenschlagen. Wer hier vor einen Untersuchungsausschuss zitiert wird, kann sich auf etwas gefasst machen. „Grillen“ nennen die Amerikaner solche Veranstaltungen.

Tim Cook aber, der prominente Zeuge an diesem Dienstag, will sich nicht so recht grillen lassen. „Wir sind stolz, eine amerikanische Firma zu sein“, sagt der Apple-Chef aus Cupertino, Kalifornien, mit leiser Stimme. Der Konzern habe 600.000 Arbeitsplätze ermöglicht – „sechs-hun-dert-tausend!“.

Cooks Auftritt war mit Spannung erwartet worden – der Chef einer der schillerndsten und einflussreichsten Firmen der Welt lässt sich selten in der Öffentlichkeit blicken. Vorgänger Steve Jobs war nie vor einem Ausschuss erschienen. Cook ist gekommen, freiwillig.

Freundlich gibt er sich während der Anhörung, verbindlich und geduldig. Fast mag man dem hochgewachsenen 52-Jährigen gar nicht zutrauen, was ihm vor diesem Ausschuss vorgeworfen wird: Apple soll sich über Jahre mit einem raffinierten Geflecht an Auslandsfirmen um zig Milliarden Dollar Unternehmenssteuern herumgemogelt haben – legal, aber fragwürdig. Cook will das so nicht stehen lassen. Lieber spricht er von Apples Beiträgen zu „Menschenrechten, Bildung und der Umwelt“.

Doch die Steuer-Vorwürfe wiegen schwer: Mitarbeiter des Ausschusses haben ein dickes Dossier erstellt, das zeigen soll, wie Apple systematisch Steuern umschifft. Möglich sei dies durch Tochterfirmen in Irland. Insgesamt 44 Milliarden Dollar habe Apple auf diese Weise gespart.

„Apple hat dafür gesorgt, dass Geisterfirmen nirgendwo Steuern zahlen müssen“, ereifert sich der Ausschussvorsitzende, der demokratische Senator Carl Levin. Dadurch fehle es an Geld, „mit dem wir unsere Kinder unterrichten und unsere Sicherheit bezahlen können“. „Unerhört“, sagt auch der Republikaner John McCain. Apple sei „einer der größten Steuervermeider Amerikas“. Akribisch haken die beiden nach, unterbrechen den Zeugen immer wieder, fordern ihn heraus. Doch Cook will das alles nicht gelten lassen.

Kommentare zu "Der gute Mensch von Cupertino"

Alle Kommentare
  • Gut, dass Sie mit Ihren Ideen von einer neuen Umsatzsteuer nur ein kleines Rädchen im großen Ganzen sind und (wahrscheinlich) auch beleiben werden. Sie hätten im Dritten Reich vielleicht auch aus "Staatstragender Überzeugung" so das eine oder andere gemacht, um vorne dabei zu sein. ... Manchmal hilft auch einfach mal das Hirn einschalten: Steuern sind kein Grundrecht, sondern eine überaus üble Last!

  • @Euro
    "Sofakartoffel" ist kein deutscher Ausdruck, sondern direkte Übersetzung vom englischen "Couch Potato".
    Besser klingen: Sesselfurzer, Krümelkacker, Dauerfernseher, Nesthocker oder Fitnessmuffel.

  • Das Diffamieren, Schikanieren, Kriminalisieren um dann Abzuzocken, ist also in Amerika genauso daheim, wie hier. Lediglich die Überlebenden sind in Amerika größer in der Anzahl.
    Was würde ein Würth wohl investieren, wenn wir ihm solche Brücken gebaut hätten, statt ihn öffentlich hinzurichten und als Vorbestraften nach Österreich fliehen zu lassen.
    Das macht den Unterschied zu den USA aus.
    Doof. Dööfer, Am Dööfsten, Deutscher.

  • Die Amis haben eine andere gesellschaftliche Grundhaltung als wir, einfach weiter entwickelt. Sie sind auch pragmatischer und haben verstanden, dass schrittweise Verbesserungen schlauer sind als Revolutionen. Kommen mit unterschiedlichen Meinungen besser klar. Die meisten Festlandeuropäer sind noch nicht so weit.

  • WAS DENKT DER STEUERZAHLENDE US-BÜRGER?

    Man sollte bedenken, dass alleine die öffentliche Vorstellung und das benennen von linkischen Steuertricks eine Sonderform eindringlicher Aufklärung für jedermann darstellt. - Und sie ist nicht bedeutungslos!
    Auch denm US-Bürger stehen Alternativ-Produkte zur Verfügung, wenn er eine Unterstützung durch Kauf steuerhinterziehender Produkte nicht länger hinnehmen will.
    Auch stellt sich mir die Frage, wie denn z.B. ein Hr. Piech in gleicher Art und Weise vor einem deutschen Untersuchungsausschuß säße. Was anders wäre? Ganz klar

    DIE DEMOKRATISCHE GRUNDSTRUKTUR DEUTSCHLANDS IM UMBRUCH!

  • Wir brauchen ein neues Prinzip der Besteuerung, das den Verwerfungen der Internationalisierung entgegenwirkt.
    Im Prinzip wäre das relativ einfach:
    Wir sollten dazu übergehen, den weltweiten Gesamtgewinn im Verhältnis zum Umsatz zu besteuern, der in dem steuererhebenden Land entsteht. Das geht auch im Alleingang.
    Damit wären schlagartig Steueroasen wirkungslos. Es käme lediglich auf die Attraktivität des Absatzmarktes an.
    Das würde auch das Interesse an vernünftigen Löhnen befördern, Kein internationales Unternehmen würde Gewinn mehr anderswo ausweisen, weil dies zu einer Doppelbesteuerung führen könnte.

    H.

  • Wenn Apple endlich als Religionsgemeinschaft anerkannt würde, dann müssten Sie gar keine Steuern zahlen!

  • Ja ja wir lassen die entwicklung und das desing in den USA....
    verschenken die patente aber an die Iren... etc etc....
    Patriotismus kommt bei dennnen nur vor wenn es grad nutzt...

  • @netshadow

    Sie haben auch nichts wirklich verstanden....und Intelligenz sieht wahrlich anders aus :-)

    Zum Sixpack noch soviel...

    http://www.youtube.com/watch?feature=endscreen&NR=1&v=qf9KXsA9-aQ

  • @Freidenker

    Verlogenheit? Na ja, wenn hier jemand verlogen ist, dann diejenigen die Apple hier Vorwürfe machen. Obwohl ich eher Dummheit vermute.
    Es liegt gar nicht im Ermessensspielraum von Apple und seinen Repräsentanten Steuern nach moralischen Gesichtspunkten zu zahlen. Insofern ist der Ansatz völlig falsch. Apple ist ein auf Gewinnmaximierung verpflichtetes Unternehmen und steht damit im Konkurrenzwettbewerb.
    Das erlaubt nur soviel Moral, wie Unmoral keinen Wettbewerbsvorteil darstellt. Und offensichtlich steht unternehmerisch richtiges Handeln hier und auch bei anderen Unternehmen im Widerspruch zur geforderten Moral.
    Moral ist in einer Marktwirtschaft für Marktteilnehmer nur in soweit möglich, als dass die gesetzlichen und steuerlichen Rahmenbedingungen für die Gesellschaft richtiges Verhalten profitabler halten als durch aus gesellschaftlicher Sicht falsches Verhalten.

    Verlogen und falsch sind deshalb diejenigen, die Unternehmer und andere Repräsentanten unter moralischen Gesichtspunkten beurteilen, obwohl der staatliche Rahmen zwischen dieser Moral und den Erfordernissen der Position einen Gegensatz erzeugt.
    Ich kann ihre Enttäuschung verstehen und teile sie, aber sie richtet sich an die falschen Adressaten. Das Moralisieren dient also letztlich nur dazu die Verantwortung auf diejenigen abzulenken, die sich lediglich den opportunen Notwendigkeiten ergeben.

    Letztlich sind es also unsere eigenen Lebenslügen, die Politiker wiederum dazu bringen A zu sagen und B zu meinen, weil A niemand hören will und sofort durch Machtverlust bestraft wird. Zeigt sich der Widerspruch, wie hier bei den Steuern wollen auch Politiker nicht für die vom Wähler verursachte Machtlosigkeit bestraft werden. Am leichtesten entgeht der Politiker der Verantwortung, wenn er Moral predigt, wohl wissend oder zu dumm, das Moral an dieser Stelle völlig irrelevant ist.

    H.

Serviceangebote