Apple
Die Bürde der hohen Erwartungen

Nicht nur Apples Kunden sind anspruchsvoll, sondern auch die Aktionäre. Trotz einer klaren Steigerung beim Umsatz und Gewinn reicht schon eine leichte Schwäche beim Zugpferd iPhone, damit es mit der Aktie bergab geht.
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San FranciscoBei Apple dreht sich alles um das iPhone. Das war auch der Grund, warum es am Dienstag nach Börsenschluss mit der Aktie bis zu acht Prozent abwärts ging. Mit einem Anteil am Konzernumsatz von 63 Prozent wird jedes noch so leichte Anzeichen einer Schwäche bei dem legendären Smartphone aufmerksam verfolgt.

Im abgelaufenen Quartal bewegte sich der Absatz mit 47,5 Millionen Geräten und einem Plus von 35 Prozent zwar deutlich über dem Vergleichsquartal in 2014. Aber die Erwartungen lagen bei 48 Millionen Stück oder mehr. Das war die erste kalte Dusche für Anleger und Analysten, und die zweite ließ nicht lange auf sich warten.

Die interne Umsatzprognose für das laufende Quartal, das vierte des Geschäftsjahres, liegt mit 49 bis 51 Milliarden Dollar nur unwesentlich über, oder vielleicht sogar leicht unter den 49,6 Milliarden Dollar des abgelaufenen Quartals. Einen Rückgang der iPad-Verkäufe um weitere 2,3 Millionen Stück auf nun nur noch 10,9 Millionen im Quartal war schon fast erwartet worden. Aber da war ja noch die Apple Watch, das erste völlig neue Produkt seit 2010.

Die smarte Uhr würde diese Schlappe schon ausmerzen, war die Hoffnung. Oder auch nicht. Vorstandschef Tim Cook gab sich bei der Vorlage der Quartalszahlen alle Mühe, viel Optimismus zu verbreiten – ohne etwas Konkretes sagen zu müssen.

Die Floskel-Maschine lief auf vollen Touren, Cook war „begeistert“ von der Reaktion der Kunden. Die „Nachfrage sei höher als das Angebot“ gewesen. Der Absatz habe die „internen Prognosen“ übertroffen. Nur wie viele Uhren wirklich verkauft wurden, das will er nicht verraten. Man wolle der „Konkurrenz keine Einblicke in ein Produkt gewähren, an dem wir lange gearbeitet haben“, schiebt Cook als Erklärung vor. Apple-Finanzchef Luca Maestri ließ jedoch durchblicken, die Watch habe sich in den ersten sechs Wochen besser verkauft als das erste iPhone oder das erste iPad.

Und dann ist da noch die Sparte „Sonstiges“

So bleibt nur ein Blick auf die Sparte „Sonstiges“, eine Art Resterampe, in der sich Apple TV, iPod, Zubehör oder Beats Electronics tummeln – und nun auch die Watch. Mit 2,6 Milliarden Dollar werden dort satte 952 Millionen Dollar mehr verbucht als im ersten Quartal. Das geht alles auf das Konto der Watch, soviel räumt Apple ein. Weil das bei einem angenommenen Durchschnittspreis von 500 Dollar nur 1,9 Millionen Uhren wären, warnt Cook davor, diese Zahl zu wörtlich zu nehmen.

Es habe „Umsatzrückgänge in anderen Bereichen“ gegeben. Wo und wie viel, das lässt er aber offen. Trotzdem: Es ist kaum anzunehmen, dass Schätzungen wie von Bernstein-Analyst Toni Sacconaghi noch aufgehen. Der hatte drei Millionen verkaufte Uhren und 1,65 Milliarden Dollar vorhergesagt. Gene Munster von Piper Jaffray rechnet jetzt mit 1,2 Millionen Watches bei einem Durchschnittspreis von 550 Dollar. Zuvor hatte er auch mit drei Millionen verkauften Geräten gerechnet. Munster ist enttäuscht: „Wir glauben, dass diese Zahlen Befürchtungen bei den Anlegern über die mittel- und langfristigen Aussichten bei Wearables wecken werden“.

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  • Mehr, mehr und immer mehr. Mehr und viel scheint nicht genug. Vielen Dank auch dem Handelsblatt für die immer neuen negativen Schlagzeilen. Das erfolgreichste wertvollste Unternehmen geht seinen Weg und wenn man nur 39,5 % Bruttorendiente hat, scheint das das erste Anzeichen für Schwäche. Äh Hallo, wo leben wir denn. Analysten ? Mondgucker scheint mir der bessere Ausdruck. Wie die auf ihre Zahlen kommen ist mittlerweile wohl jedem klar. Diese Art der Berichterstattung ist oft unsäglich. Eben noch das tolle verkünden und schon im Nachsatz die Chance einräumen das morgen alles schlechter werden könnte.

  • "Zu diesem gehört unter anderem ein Streaming-Service, bei dem die Songs direkt aus dem Netz abgespielt werden."

    Diese totale Kommerzialisierung der Klangkunst, welche dadurch längst zum Klanghandwerk geworden ist, werden diese Klanghandwerker noch bitter bereuen. Man muss auch ein wenig auf Exklusivität achten, wenn man alles überall erwerben kann, dann wird es uninteressant. Natürlich dürfen und müssen Künstler Geld verdienen aber die hamstern es und betreiben ihr Handwerk nur noch fürs Geld.
    Um herausragende Musik zu genießen, muss ich fast ausnahmslos auf Produkte aus dem letzten Jahrtausend zurückgreifen, mit einigen ganz wenigen neuen Lichtblicken wie Buckethead oder Puscifer. Je mehr Geld im Kreativ-Markt ist, desto viel schlechter scheinen die Produkte zu werden.

  • Schade, dass die APPLE-Aktie zum Zockerpapier wurde. – Und die Anal-ysten? Wieder mal ratlos…

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