Apple-Entwicklerkonferenz WWDC
Hinken Programmierer den PR-Strategen nach?

Nach außen hin glänzt vor der Entwicklerkonferenz von Apple wie immer alles. Doch für den Konzern steht einiges auf dem Spiel. Beim Musik-Streaming hat Apple Rückstand auf Spotify – und auch die Entwickler murren.
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San FranciscoSeit Tagen bereits gleicht die Innenstadt von San Francisco rund um das Moscone Center einem Wimmelbild. Überall stehen Schilder, Lastwagen, Absperrgitter. Meterhoch über dem Boden vor der gewaltigen Glaswand am Eingang des Konferenzzentrums schweben Fensterputzer. Sie polieren noch einmal die Flächen vor dem weißen Apple-Logo. Ihr Balanceakt soll den Apfel-Konzern an seinem großen Tag noch ein bisschen mehr strahlen lassen als sonst.

Bei der WWDC stellt Apple traditionell neue Produkte vor. Der Gigant aus Cupertino gilt als Rekordhalter in Sachen Innovation, weiß aber auch, dass er sich ständig neu erfinden muss, um das zu bleiben. Doch selbst wenn eine Ankündigung die nächste jagt, muss die Technologie halten, was Apple verspricht. Eine Balanceakt bei dieser Entwicklerkonferenz – innerhalb und außerhalb des Moscone Centers.

Längst überfällig etwa war die Einführung des neuen Streaming-Angebots für Musik. Nach dem Zusammenbruch des CD-Geschäfts befinden sich auch die Einkünfte aus Downloads im freien Fall. Der Markt brach im Vergleich zum Vorjahr um zwölf Prozent ein. Immer mehr Kunden streamen direkt aus dem Internet.

Konzernchef Tim Cook will nun zeigen, dass er bereit ist, selbst die DNA von Apple komplett umzukrempeln, wenn es darauf ankommt. 14 Jahre nach Einführung des iPod soll das Unternehmen den Markt wieder so revolutionieren wie dereinst unter Steve Jobs. Die Musik-Industrie hofft auf neue Einnahmen. Schließlich sind Apple-Nutzer durch den iTunes-Store gewöhnt, für Musik zu zahlen.

Bisher bevorzugen Nutzer von Musik-Streamingdiensten allerdings klar werbefinanzierte Gratis-Angebote. So ist von den rund 60 Millionen Nutzern des bisherigen Marktführers Spotify nur etwa jeder Vierte ein zahlender Abo-Kunde. Beim französischen Konkurrenten Deezer sind es 6 von 16 Millionen. Der Streaming-Dienst Rhapsody mit der Marke Napster in Europa, der nur ein Bezahl-Abo anbietet, lag zum Jahreswechsel deutlich darunter bei 2,5 Millionen Kunden. Bei den Gratis-Varianten bekommt der Nutzer zwischendurch Werbung eingespielt, kann meist keine Songs direkt auswählen und nur eine eingeschränkte Anzahl von Titeln überspringen.

Der Abo-Dienst von Apple soll in mehreren Ländern parallel und gleichzeitig für die Betriebssysteme iOS und Android starten. Mit einem monatlichen Preis von um die 10 Dollar liegt der Preis ähnlich hoch wie bei Konkurrent Spotify. Apple kaufte im vergangenen Jahr für rund drei Milliarden Dollar den Kopfhörer-Spezialisten Beats, zu dem auch ein Streaming-Dienst gehört. Es wird erwartet, dass Apple alle seine Musikangebote in einer App zusammenführt.

Bei Apples Streaming-Dienst soll es nach Informationen aus der Branche keine Gratis-Variante geben. Zugleich wolle der Konzern aber sein kostenloses iTunes Radio verbessern und international starten. Bei dem Dienst bekommt der Nutzer eine Auswahl von Songs zum Beispiel bestimmter Genres präsentiert. Apple soll sich dafür bekannte Musiker als DJs gesichert haben.

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