Apple kontra Microsoft
Tech-Giganten vor der Entscheidungsschlacht

Der ewige Kampf zwischen den beiden High-Tech-Riesen findet kein Ende. Derzeit ist Apple dank seiner Mobilgeräte in einer guten Ausgangsposition - mit dem neuen Betriebssystem Windows Phone 7 schlägt Microsoft zurück. Aber entschieden wird der Kampf beim iPad.
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DÜSSELDORF. Es ist alles geheim. So wie immer bei Apple. Rund 47 000 Quadratmeter soll es groß sein, das neue Internet-Datencenter in Maiden, North Carolina. Es wird eines der größten der Welt sein, und wenn es demnächst ans Netz geht, ist die Bühne bereitet für den Entscheidungskampf der alternden High-Tech-Giganten Apple und Microsoft. Über Jahrzehnte waren die Rollen klar verteilt: Microsoft gewinnt, Apple verliert. Doch dank des Smartphones und des mobilen Internets ist das Rennen wieder offen. Wer das Web beherrscht, wird den Sieg davontragen, wenn die Software ins Internet wandert und Hardware austauschbarer wird.

Am 26. Mai dieses Jahres hatte Apple nach gut 34 Jahren Microsoft erstmals in der Börsenkapitalisierung überholt. Eine Demütigung für Microsoft-Chef Steve Ballmer. Heute ist Apple mit knapp 300 Milliarden Dollar sogar 60 Milliarden Dollar mehr wert als der Erzrivale und steht davor, ihn auch beim Umsatz abzuhängen. Apples Ausgangsposition ist komfortabel. Mit den Überraschungscoups iPhone im Jahr 2007 und iPad 2010 hat sich die Firma um Steve Jobs in die Top-Position beim mobilen Internet bugsiert. Weit mehr als 100 Millionen Mobilgeräte der Typen iPod touch, iPhone, iPad mit dem Apple-Betriebssystem iOS wurden bislang verkauft. Der Musik-Shop iTunes wandelte sich zum größten Händler für Internet-Medien und Online-Software, die "Apps". Das mobile Business steuert fast ein Drittel des Umsatzes von Apple bei.

Doch eine entscheidende Flanke ist offen: Apple besitzt keine eigene Suchmaschine und keine nennenswerten Aktivitäten im Social Web. Der Internet-Service MobileMe mit der Apple E-Mail ist ziemlich erfolglos, auch bei Firmensoftware im Web ist Apple nicht ernsthaft vertreten.

Microsoft schlägt genau da zurück. Mit angeblich mehr als 500 Millionen Dollar Marketingaufwand wurde Ende 2010 Windows Phone 7 eingeführt, ein Betriebssystem als "iPhone-Killer". Bis zum Durchbruch rechnet Ballmer noch mit einem "Marathonlauf". Phone 7 ist nur die technische Basis, die Firmen wie Samsung, LG oder HTC für ihre Geräte nutzen. Parallel lenkt Ballmer die ungebrochene Finanzkraft der alten Profitcenter Windows und Office ins Web um. Internetbasierte Versionen von Office und Windows Live-Dienste von E-Mail bis Messenger sind längst verfügbar. Die Suchmaschine Bing-Yahoo ist die einzig ernstzunehmende Kraft neben Google. Eine strategisch clevere Beteiligung an Facebook sichert den Zugang zur Welt der Social Networks.

Aber ein Erfolg gegen Apple steht und fällt mit dem iPad. Das muss Ballmer schlagen, sonst hat er keine Chance auf die Weltmarktspitze. Anfang 2011 wird er Gerüchten zufolge auf der Elektronikmesse CES in Las Vegas ein spezielles Windows 7 für Tablet-PC mit ARM-Chips ankündigen, die bei Smartphones populär sind. Schafft Microsoft die nahtlose Anbindung seiner - und fremder - Internetdienste, könnte Ballmer eine Chance gegen das iPad haben.

Aber wer weiß, was Steve Jobs in North Carolina vorbereitet.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
Handelsblatt / Korrespondent

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