Apple
Prognosen ohne Gewähr bei Steve Jobs

Die Berichte über den Ernst der Erkrankung von Apple-CEO Steve Jobs gleichen einer bodenlosen Wundertüte: mal siecht er seinem Ende entgegen, dann wieder wird er putzmunter auf dem Apple-Campus in Cupertino erblickt. Allem Anschein nach war Jobs aber schwerer erkrankt als von ihm selbst behauptet.

CUPERTINO. Jobs hat selber dem stetig steigenden Druck nachgegeben und ein Universitäts-Krankenhaus in Tennessee dazu ermächtig, Klarheit zu schaffen. Sobestätigte die „Methodist University Hospital“ die bereits kolportierte Lebertransplantation von vor zwei Wochen. „Jobs war der schwerstkranke Patient auf der Warteliste, als die Spenderleber für eine Transplantation erhältlich wurde,“ hießt es in einer aktuellen Stellungnahme mit ausdrücklichem Bezug auf Jobs Einverständnis.

Seit Wochen hatte sich in der amerikanischen Öffentlichkeit Unmut und Druck auf das Unternehmen aufgebaut. Dem börsennotierten Unternehmen aus Cupertino, Kalifornien, wird vorgeworfen, die Aktionäre bewusst im Unklaren über den Zustand des bereits 2004 an Bauchspeicheldrüsenkrebses erkrankten Jobs zu lassen. Mit der erstmaligen Stellungnahme eines Krankenhauses haben die Ärzte in Tennessee indes ein neues Politikum geschaffen.

Jobs hatte im Januar sein Fernbleiben vom Unternehmen mit einem kompliziert zu kurierenden, aber eher harmlosen „hormonellen Ungleichgewicht“ begründet. Deshalb wolle er, so Jobs damals, bis Ende Juni sich um seine Gesundheit kümmern und das operative Geschäft anderen überlassen. Nun aber bestätigt das behandelnde Krankenhaus die dramatischere, schwerwiegendere Version seiner Erkrankung. Weil der „schwerstkranke“ unter allen Anwärtern auf eine Transplantation war, hat er verhältnismäßig schnell eine Spenderniere erhalten.

Die Krankenvita des Steve Jobs wird somit weiter für Debatten und Unruhe sorgen. Ob sich der Aktienwert des Unternehmens dadurch allerdings ebenso beeindruckbar zeigen wird wie noch im vergangenen Jahr, als die ersten Gerüchte über die Rückkehr des angeblich geheilten Krebses zum Kurssturz führten, scheint fraglich. „An diesem Punkt der Geschichte des Unternehmens wäre es für Investoren eine schlimmere Nachricht, wenn Jobs-Stellvertreter Tim Cook dem Unternehmen verloren ginge als wenn Jobs Platz machen würde,“ schätzt ein Analyst von Piper Jaffray.

Tatsächlich gilt der 48jährige Cook als Mann der Zukunft bei Apple - egal, ob Jobs zurück kehrt oder nicht. Längst umworben von Motorolla oder Dell hat er Apple im vergangenen halben Jahr mit sichere Hand die Kontinuität zur Jobs Produktpolitik bewahrt und am vergangenen Wochenende einen ersten großen, eigenen Triumph über die amerikanische Konkurrenz im Mobilphone-Geschäft verkünden können: Das Unternehmen hat in drei Tagen mehr als eine Million seines neuen iPhone 3Gs verkauft. Und noch immer stehen die Leute in Kalifornien Schlange, um das neue Gerät so schnell wie möglich zu kaufen. Analysten der IT-Branche zeigten sich erstaunt über den großen Erfolg.

Den Beobachtern von Apples Unternehmenspolitik ist indes nicht entgangen, dass die triumphal intonierte Erfolgsmeldung über das iPhone-Geschäft nicht von Cook, sondern diesmal wieder von Jobs unterzeichnet wurde. Das passt in das Gerüchteumfeld, wonach ein Reuters-Korrespondent Jobs schon wieder auf dem Firmengelände gesichtet haben will. Tatsächlich aber sind solche Meldungen mit Vorsicht zu genießen, wie der Fall Bloomberg belegt. Diese an sich für ihre Seriosität geschätzte Wirtschafts-Nachrichtenagentur hatte unlängst das Hinscheiden des „iGod“ Jobs verkündet.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%