Apple
US-Behörden wollen ein Dutzend iPhones entsperren lassen

Amerikanische Ermittler verlangen von Apple schon mindestens seit Oktober, iPhones zu entsperren. Der Konzern sträubt sich dagegen. Unterdessen werden Rufe, die Folgen eines solchen Schritts gründlich zu prüfen, lauter.

New YorkDer Druck der US-Behörden auf Apple, iPhones bei Ermittlungen zu entsperren, ist größer als bisher bekannt. Seit Oktober forderten sie von Apple Unterstützung bei zwölf Telefonen, wie aus am Dienstag veröffentlichten Gerichtsunterlagen hervorgeht. Bisher stand vor allem der Fall im Mittelpunkt, bei dem das FBI Hilfe beim iPhone des Attentäters von San Bernardino versagt.

Apple weigert sich, die geforderte Abschaltung von Sicherheitsmerkmalen beim iPhone zu gewährleisten. Konzernchef Tim Cook erklärt, dafür müsste erstmals eine Software geschrieben werden, die es möglich macht, den Passwort-Schutz auszuhebeln.

Die Behörden betonen zwar, das Programm solle auf ein Gerät zugeschnitten werden und Apple könne sie danach löschen. Der Konzern befürchtet jedoch, dass daraus ein Präzedenzfall wird, und dass die Software in falsche Hände geraten könnte.

In den neuen Versionen des iPhone-Betriebssystems iOS sind die Daten verschlüsselt und können nur abgerufen werden, wenn das iPhone per Passwort-Eingabe oder Fingerabdruck entsperrt wird. Die Anwender können den Passwortschutz aber auch ausschalten.

Die Ermittler beschweren sich schon länger, dass sie mit der unknackbaren Verschlüsselung von Apple und Google zum Teil nicht in Geräte von Verdächtigen reinkommen, auf denen sich Beweise finden können. Bei Android greift die Verschlüsselung allerdings erst ab der Version Marshmellow, während die meisten Android-Anwender noch mit älteren Version unterwegs sind.

Die Behörden wollen vor allem, dass Apple per Software-Eingriff die Funktion aushebelt, die den Inhalt eines Telefons löscht, wenn zehn Mal ein falsches Passwort eingegeben wird. Dann könnten unendlich viele Passwörter ausprobieren, bis sie das richtige erwischen.

Apple schlug vor, statt Gerichten solle sich eine Experten-Kommission mit den möglichen Folgen der Behörden-Forderungen beschäftigen. Auch Android-Chef Hiroshi Lockheimer von Google sieht Bedarf an einer breiten Diskussion. „Es ist eine ganz neue Situation, in der verlangt wird, ein Produkt zu verändern, um einen Sicherheitsmechanismus zu umgehen“, sagte der Google-Manager auf dem Mobile World Congress in Barcelona. „Wenn es einmal soweit kommt, kann es auch immer wieder passieren.“ Deshalb könne man nicht von einem Einzelfall sprechen und müsse über ein Verfahren nachdenken, das wiederholt angewandt werden könne.

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Politisch heikler Fall

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