Apple-Verleih im Zwielicht
Staatsanwaltschaft sucht nach Phantom-iPads

Einem Berliner Geschäftsmann ist ein seltenes Kunststück gelungen. Er soll Apple-Geräte verliehen haben, die es gar nicht gibt. Nun haben seine Kunden die Staatsanwaltschaft eingeschaltet.
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BerlinDie Staatsanwaltschaft Berlin ermittelt nach Informationen des Handelsblattes wegen des Verdachts des massenhaften Betrugs mit Geräten des US-Konzerns Apple. Der Unternehmer Alexander Gurny soll einen fingierten iPad-Verleih aufgezogen haben und Investoren tausendfach Tablet-Computer verkauft haben, die er  gar nicht besaß. Die Staatsanwaltschaft führt das Verfahren unter dem Aktenzeichen 283 Js 1436/13, wollte sich auf Anfrage zu den Details des Falles aber nicht äußern.

Gurny ist unter der Webseite www.ipadverleih.com aktiv, seine Firma ist als Smallfunds GmbH im Handelsregister eingetragen. Die Smallfunds GmbH bietet Investoren an, iPads zu kaufen, um sie dann sofort zurückmieten, und an Schulen, Reiseveranstalter und andere weiterzuvermieten. Der Mietvertrag dauere 18 Monate, in dieser Zeit würde die Smallfunds GmbH den Investoren 660 Euro an Mieteinnahmen überweisen – 110 Euro zu Beginns jedes Quartals. Nach Ablauf der Frist würde Smallfunds die Geräte zurückkaufen – für 430 Euro. Die Rendite für den Investoren: 30,22 Prozent per anno.

Doch seit Ende 2012 stocken die Auszahlungen. Investoren beklagten gegenüber dem Handelsblatt, sie würden seit Monaten keine vernünftigen Erklärungen zu dem Zahlungsstopp erhalten. Der Geschäftsführer Gurny lasse sich am Telefon verleugnen. Sie fürchten, in ein Schneeballsystem geraten zu sein, bei dem alte Investoren mit dem Geld von neuen Investoren in treuem Glauben gehalten werden, solange das System funktioniere. Nun funktioniere es aber nicht mehr.

Gury bestreitet per Eintrag auf seiner Internetseite die Vorwürfe. Es sei allerdings richtig, dass er sich auf „längerer Dienstreise im außereuropäischen Ausland“ befinde. Der Zeitpunkt seiner Rückkehr sei unbestimmt.

Mehrere Investoren gaben gegenüber dem Handelsblatt an, sie hätten sich beim Hersteller Apple nach den Gerätenummern erkundigt, die auf den Rechnungen der Smallfunds GmbH aufgerührt waren. Apple zufolge seien zahlreiche Gerätenummern falsch, sprich: es existieren keine Geräte mit solchen Nummern. Gurny bestreitet auch dies. Apple wollte sich auf Anfrage nicht zu dem Fall äußern.

Sönke Iwersen
Sönke Iwersen
Handelsblatt / Leiter Investigative Recherche

Kommentare zu " Apple-Verleih im Zwielicht: Staatsanwaltschaft sucht nach Phantom-iPads"

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  • Als einer der Investoren bin ich gern bereit meine Erfahrungen und Verträge offen zu legen. Das Verhalten von Smallfunds in den letzten 4 Monaten ist wenig vertrauensstiftend. Ein jüngst verschicktes Angebot zur Rückabwicklung bietet eine Rückzahlung der Investition +12% Aufschlag. Bedingung: Übertragung der Eigentumsrechte an den iPads vom Investor auf die rBooks GmbH. Das ist kriminell!!

  • Im Facebook hat sich unter dem Namen "iPadverleih-Investoren (Smallfunds)" eine Anlegergemeinschaft geschädigter Smallfunds-Investoren gegründet.

  • Dann darf man sich aber auch nicht wundern, wenn man einem Betrüger auf dem Leim geht. Bei 30 % Rendite steigt auch das Risiko, gell? Hab' ich schon an der Realschule gelernt...

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