Apple vs. Samsung
Unternehmen zanken um Schadenersatz in Milliardenhöhe

Apple und Samsung haben sich in ihrem weltweiten Patentkrieg bisher nur einzelne Nadelstiche zufügen können. Mit dem am Montag gestarteten Geschworenen-Prozess in Kalifornien könnte sich das ändern.
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San FranciscoNeue Runde im weltweiten Patentstreit zwischen dem US-Technologiekonzern Apple und seinem südkoreanischen Konkurrenten Samsung: Vor einem Bundesgericht in San Jose im US-Bundesstaat Kalifornien hat am Montag mit der Auswahl der Geschworenen ein Prozess um Schadenersatz in Milliardenhöhe begonnen. Der Prozess gilt als eines der wichtigsten Patentverfahren der vergangenen Jahre.

Die zehn Geschworenen der Jury - sieben Männer und drei Frauen - wurden aus insgesamt 70 Kandidaten ausgesucht. Bei der Anhörung wurden diese unter anderem nach beruflichen Verbindungen zu Apple und Samsung gefragt, aber auch nach Verbindungen zu Google. Der Internet-Gigant hat das Betriebssystem Android entwickelt, mit dem Samsung-Smartphones laufen. Die Eröffnungsplädoyers der Anwälte beider Seiten in dem Prozess mitten im Silicon Valley wurden auf Dienstag angesetzt.

Apple fordert von Samsung mehr als 2,5 Milliarden Dollar (gut zwei Milliarden Euro), weil die Südkoreaner das iPhone und den Tablet-Computer iPad kopiert haben sollen. Samsung weist dies zurück und legt seinerseits Apple Patentverstöße im Bereich der Mobilfunktechnologie zur Last. Apple und Samsung fechten ihren Kampf um die Rechte an Technologien bei Smartphones und Tablets in mehreren Ländern aus, darunter Deutschland.

In den USA ist Samsung in der Defensive. Richterin Lucy Koh, die das Mega-Verfahren leitet, hatte den Verkauf des Samsung-Tablets Galaxy 10.1 und des mit Google gemeinsam entwickelten Smartphones Nexus in den USA im Juni per einstweiliger Verfügung untersagt. Ein Berufungsgericht entschied aber, dass für die Dauer des Prozesses das Nexus-Smartphone weiter verkauft werden darf. Vergangene Woche dann warf Richterin Koh Samsung vor, mit dem Löschen von Emails nach Bekanntwerden der Apple-Klage wichtiges Beweismaterial zerstört zu haben.

In dem Streit geht es um die Vorherrschaft im schnell wachsenden Markt für Tablet-PCs und Smartphones. Patenrechtsexperte R. Polk Wagner hält den Fall für den womöglich wichtigsten Patentprozess, seit sich in den 1980er Jahren die Fotokonzerne Kodak und Polaroid verklagten. "Die Auswirkungen im Falle eines Sieges von Apple bleiben abzuwarten", sagte der Jura-Professor der Universität Pennsylvania. Normalerweise würde Samsung dann mit einigen Veränderungen am Design seine Produkte erneut auf den Markt bringen können.

Unterdessen verklagte eine Universität in Taiwan Apple wegen angeblicher Patentrechtsverletzungen. Die Sprachsteuerung Siri im iPhone 4S von Apple verletze zwei von der Universität Cheng Kung gehaltene Patente zur Spracherkennung, erklärte die Universität der Stadt Tainan am Montag. Die Klage sei am Freitag bei einem Gericht in Texas eingereicht worden. Apple hatte das iPhone 4S vergangenes Jahr herausgebracht. Das System ermöglicht es, das Telefon fast komplett per Sprache zu steuern.

Agentur
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur
Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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