Arabische Investoren
Dresdner Chipwerk wird kräftig ausgebaut

Der Chiphersteller Globalfoundries erweitert seine Kapazitäten im Dresdner Werk. Neues Ziel des Unternehmens ist es, den Abstand zum Marktführer TSMC zu verringern. Analysten rechnen mit steigenden Umsätzen.
  • 0

München/DresdenAn der Decke wuselt es hin und her. Kleine Kästen, Foups genannt, die an Schienen hängen und Wafer durch Europas größten Reinraum steuern. Eine Viertelmillion dieser runden Scheiben schwirren ständig herum, schätzt Karsten Wieczorek, Manager beim Chiphersteller Globalfoundries in Dresden. Auf ihnen werden in Tausenden von Fertigungsschritten Chips für Computer, Notebooks, Smartphones und Tablet-PCs aufgetragen.

Globalfoundries in Dresden wird kräftig ausgebaut. Pro Monat fertigen 3500 Mitarbeiter 60.000 dieser Wafer. 80.000 werden es sein, wenn das Werk vollständig gefüllt ist, Ende 2014, prognostiziert Wieczorek. Acht Milliarden Dollar wurden investiert, weitere zwei Milliarden sind verplant. Schon jetzt sei Fab 1, wie Dresden intern genannt wird, größtes und modernstes Halbleiterwerk Europas. Die neue Technik sorgte 2011 für schwere Anlaufschwierigkeiten. Die sollen jetzt behoben sein.

„Dresden ist unsere Lokomotive“, sagte Rutger Wijburg vergangenen Freitag. Wijburg, ein Niederländer, ist seit September 2011 Vizepräsident von Globalfoundries und Leiter des Dresdner Werks. Globalfoundries war 2009 entstanden, als sich der Halbleiterproduzent AMD aus finanziellen Gründen mehrheitlich von seiner Fertigung trennen musste. Das Unternehmen gehört heute zu 100 Prozent der Advanced Technology Company (Atic) aus Abu Dhabi. Die Araber führen weitere Werke in Singapur und in den USA.

Infografik

TSMC dominiert den Markt

Die größten Auftragsfertiger der Chipindustrie nach Umsatzanteil 2011


( mit der Maus über die Grafik fahren)

Derzeit setzt Globalfoundries in Dresden auf die 28-Nanometer-Technologie, die vor allem bei Smartphones und Tablet-PCs Einsatz findet. Wijburg schätzt, dass diese Technologie noch mindestens fünfzehn Jahre eingesetzt wird. Die Kostenvorteile seien längst nicht ausgeschöpft. Dagegen stiegen die Kosten bei jedem Technologiesprung so stark, dass der Einsatz nicht überall Sinn mache. Wijburg geht davon aus, dass die 28-Nanometer-Technologie früher oder später auch von der noch zurückhaltenden Autoindustrie nachgefragt werde. „Das wird ein gutes Geschäft.“ Ungeachtet dessen sagt er für Dresden noch 2012 schwarze Zahlen voraus.

Wijburgs neues Ziel: dem Marktführer TSMC näherzukommen. Das allerdings dürfte nicht einfach sein. Die Taiwaner sind fast viermal so groß und technisch mit weitem Abstand führend. „TSMC ist in einer einzigartigen Position, weil die Firma finanziell stärker ist als alle Konkurrenten“, urteilen die Analysten von iSuppli. Außerdem habe kein Wettbewerber nur annähernd so große Kapazitäten. Aufträge für die modernsten und aufwendigsten Chips vergeben große Halbleiterfirmen deshalb bevorzugt an den Marktführer.

Analysten gehen davon aus, dass die Umsätze der Foundries dieses Jahr weltweit um zwölf Prozent steigen. Damit würden die Auftragsfertiger etwa dreimal so stark zulegen wie die Halbleiterindustrie insgesamt. Auch in den nächsten Jahren wird mit zweistelligen Umsatzzuwächsen gerechnet. Weltweit gibt es mehrere Dutzend Foundries, aber die drei größten Anbieter beherrschen fast drei Viertel des Gesamtmarkts. Asien ist in diesem Geschäft auf dem Vormarsch. Wettbewerbsvorteile in Europa aufgrund gut qualifizierter Mitarbeiter sind passé. „Die Leute in Asien sind exzellent ausgebildet und arbeiten sich einen krummen Buckel in ihren Fabs“, so Globalfoundries-Manager Wieczorek. „Ein knochenharter Wettbewerb.“

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
Silke Kersting
Silke Kersting
Handelsblatt / Korrespondentin

Kommentare zu " Arabische Investoren: Dresdner Chipwerk wird kräftig ausgebaut"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%